Sonntag, 7. Juli 2013

Torten und Lachen

Café Noir Torte Patisserie Harry Genenz
Nachdem ich gestern von der Fehlkonstruktion „Kaffeehaus“ Grosz berichtete und meine gute Laune auf dem Tiefpunkt angelangt war, nahm ich mir heute vor, unbedingt mal wieder etwas Positives zu schreiben. Denn mir macht es, im Gegensatz zu anderen Rezensenten, keinen Spaß, negative Kritiken zu schreiben. Lieber schwelge ich im Glück. Denn Torten und Lachen können das Alter zur Jugend machen. „Ein froher Sinn ist wie der Frühling – er öffnet die Blüten der Natur." schrieb einst der große Jean Paul. Und ich hatte Glück! Ich ging nämlich auf Nummer Sicher und besuchte nämlich die Patisserie Harry Genenz in der Reichsstraße (ich berichtete schon mehrfach darüber).
Es war ein schöner sonniger Sonntag und ich setzte mich also draußen in den Schatten eines leise vom Wind vor sich hin raschelnden Bambusstrauches und die freundliche Serviererin brachte mir eine Café-Noir-Schnitte (siehe Foto oben), die anscheinend neu im Sortiment war. Als ich probierte, war ich auf Anhieb begeistert vom Geschmack dieser Preziose! Der Belag bestand aus angerösteten Haselnüssen und
zerkleinerten Baiserstücken - vermählt mit erlesener Café-Schoko-Creme. Hier hat mal wieder der Patissier sein ganzes Können lustvoll aufgedreht. Ein wahres Konglomerat wertvoller Ingredienzien. Einziges Manko: Es fehlte noch ein kleiner optischer Akzent. Deshalb gibt es von mir nur leider nur eine glatte 2.
Und noch eine kleine Eintrübung meines Aufenthaltes. Leider gibt es bei Harry Genenz zur Torte immer nur vierzackige Dessertgabeln und nicht dreizackige Tortengabeln, wie sich das gehört. Das ist so, als wenn man im feinen Restaurant guten Rotwein aus Wassergläsern serviert bekommt. Aber über diese Thematik berichte ich ein anderes Mal ausführlicher.
Als dann noch ein älteres Ehepaar vorbei lief und die Frau ihren Mann fragte: „Haste Kaffeedurst?“ und der Mann nur trocken antwortete: „Nicht die Bohne.“, fühlte ich mich um 20 Jahre jünger!

Patisserie Harry Genenz, Reichsstraße 102a, 14052 Berlin-Westend


Samstag, 6. Juli 2013

Armer Grosz

Grosz_ Herrentorte Prinz Reuss
Grosz Quittung„Meine Zeichnungen sind Ausdruck meiner Verzweiflung, Hass und Enttäuschung.“ sagte einmal der große George Grosz, nach dem nun ein Kaffeehaus und Restaurant im Haus Cumberland auf Berlins Kurfürstendamm eröffnet hat. Ich war nun schon einige Male im Grosz, in der Hoffnung wenigstens einmal ein positives Erlebnis zu haben. Fehlanzeige! Entweder man gerät an einen arroganten Schnöselkellner, der einen auch noch nach dem vierten Fingerzeig ignoriert oder das Stück Torte schmeckt nicht. 
Im ohne Zweifel sehr schönen Ambiente, einem gehobenen Wiener Kaffeehaus nachempfunden, machen einem leider obendrein rücksichtslose, laut telefonierende Russen mit Unmengen von Chanel-Tüten um sich verteilt, rucksäckige Touristen mittleren Alters in sündhaft teurer Funktionskleidung, als kämen sie gerade von einer Nanga-Parbat-Besteigung und beklunkterte Damen nebst halsspeckigen älteren Männern mit Goldkettchen und zerknitterten Hugo-Boss-Sakkos, den Aufenthalt zum Horrortrip.
Ich wählte eine hübsch anzusehende Herrentorte namens „Prinz Reuss“ (siehe Foto oben), die prompt von der ausnahmsweise mal netten Kellnerin auf edlem Geschirr und mit schönem Besteck serviert wurde. Doch die Torte hielt leider nicht, was ihr Aussehen und der Name versprach. Der Orangenlikörgeschmack überdeckte den Schokoladengeschmack total. Die kleingehackten Mandeln an der Rückseite schmeckten muffig-alt. Außerdem war das missglückte Lehrlingsstück total übersüßt. Das hatte zur Folge, dass mir die Torte noch Stunden nach dem Verzehr Pfötchen gab. Mein Tipp an den Konditorlehrling: Beim nächsten Backversuch einfach eine Packung Bullrich-Salz-Tabletten mit einbacken. Das beugt dem unweigerlich aufkommenden Sodbrennen vor. Oder noch besser - gleich den Beruf wechseln. Denn mit der „Torte“ bestehst du die Gesellenprüfung bei der Konditoreninnung sowieso nicht.
Der Cappuccino schmeckte obendrein auch noch eher nach einem chemischen Experiment als nach richtigem Cappuccino. Hier passt das Preis-Leistungsverhältnis keineswegs: Torte 4,50 EUR, Cappuccino 4,50 EUR, Summa Summarum: 9 Euro! Ein teurer „Spaß“!
Wie fast immer in Berlin (ich habe schon mehrfach darüber berichtet) stimmen schönes Ambiente und Qualität mal wieder nicht überein. Speziell Torten- und Kaffeefreunden rate ich deshalb von einem Besuch ab. Da kann ich nur ähnlich wie George Grosz sagen: Diese Rezension ist Ausdruck meiner Verzweiflung, Hass und Enttäuschung über ein „Kaffeehaus“ namens „Grosz“, das den Namen leider nicht verdient. Wenn das der alte Grosz noch miterlebt hätte - er würde sich im Grab umdrehen wie eine von Sodbrennen angetriebene Dampfturbine.

GROSZ, Kurfürstendamm 193/194, 10707 Berlin


Sonntag, 30. Juni 2013

ZU FRÜH

Mittwochnachmittag im Bus M45. Als die Durchsage “Nächste Haltestelle Krematorium Ruhleben” kommt, sagt ein älterer Mann zu seiner Frau: “Dit is noch zu früh, wat Else?”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 24. Juni 2013

Geadelt

Geschmacksache Lo Graf von BlickensdorfIn eigener Sache: Richtig geadelt fühlte ich mich, dass ausgerechnet ein österreichisches Gourmet-Magazin namens “Geschmacksache” aus dem Land der schönsten und besten Kaffeehäuser der Welt über mich berichtet hat. Vielen Dank!

www.geschmacksache2013.at 

(großes Foto: Oliver Rathhttp://www.rath-photografie.de/ )

Sonntag, 23. Juni 2013

DREI TAGE WACH

Freutagnachmittag, ein Café am Klausenerplatz. Die Kellnerin fragt einen allein sitzenden älteren Herrn, ob es noch ein Kaffee sein darf. Daraufhin antwortet der Mann: "Lieber nicht, sonst kann meine Frau wieder die ganze Nacht nicht schlafen."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 16. Juni 2013

LUFTKURORT

Donnerstagnachmittag auf der Schloßstraße am Schloss Charlottenburg. Eine Gruppe Touristen kommt an einem Lkw vorbei, der mit laufendem Motor am Straßenrand steht und aus dessen Auspuff blaue Abgaswolken kommen. Ein Tourist sagt: "Herrlich - diese Berliner Luft!"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 13. Juni 2013

Geschmacksbomben


Werkstatt der Süße ManjariIch hatte einen Traum: Ich aß eine raffinierte Mischung von Manjari-64%-Schokolade, Him-beer-Mousse und Marzipan-Biskuit und vergaß für einen kleinen Augenblick alle Katastrophen dieser Welt.
Meine Geschmacks-knospen gingen wie auf Samt und einige von ihnen vollführten sogar Freudentänze. So etwas hatten sie schon lange nicht mehr geschmeckt. Bin ich etwa im Paradies gelandet, dachte ich. Und das Unglaubliche: Vorne war das Törtchen hinten als höher (Nein, kleiner Scherz). Als der Kuchenteller nach 5 Minuten leer war, wachte ich auf und schaute mich um. Ich saß bei mildem Vorsommerwetter auf dem Trottoir der Husemannstraße in Prenzlauer Berg, wo gerade zwei Herren vom Ordnungsamt dabei waren, verkehrswidrig abgestellte Kraftfahrzeuge aufschreiben. Es war kein Traum! Ich saß vor der Werkstatt der Süße des Patissiers Guido Fuhrmann.
Werkstatt der SüßeVor mir saß meine charmante und überaus hübsche Begleitung in einem bunten Sommerkleid und aß ebenfalls mit verzückter Miene gerade trendige pastellfarbene Macarons – doch am leckersten ist immer das, was man selber isst. In meinem Falle das Manjari-Törtchen (siehe Foto oben). Eine Geschmacksbombe erster Güte! Und nicht nur das. Jedes Stück der Patisserie ist eine kleine kunstvolle Skulptur - der Patissier wäre bestimmt auch ein guter Bildhauer. Die überaus liebenswürdige Servierdame bemerkte meinen entrückten seligen Gesichtsausdruck und erklärte, dass das deliziöse Manjari-Törtchen (nur 3,20 €!) auch ihr Favorit sei. Sie könnte es jeden Tag essen – und zu jeder Jahreszeit. Ich auch! Zu meiner großen Freude stellte ich eingangs fest, dass die Törtchen…, äh…, Kunstwerke in der Verkaufsvitrine nun alle beschildert sind. Das hatte ich mal in meiner ersten Kritik am 8.12.2011 bemängelt. Das erleichtert das Studieren der Petit Fours ein wenig. Doch nicht leichter macht es das Auswählen - da fällt einem die Wahl sehr schwer, denn man 
Werkstatt der Süße 2möchte am liebsten alle probieren. Der Kreativität sind hier in der Werkstatt der Süße keine Grenzen gesetzt und das Publikum weiß das sehr zu schätzen. Nach meinem circa zweistündigen Auf-enthalt waren schon über die Hälfte der Törtchen verkauft. Ich wünschte mir, dass alle Cafés Berlins sich davon mal inspirieren lassen würden, denn ich bin es satt, unansehnliche Trümmertorte im "Café" Hackescher Hof zu essen, die eher nach einem chemischen Experiment schmeckt, als nach Genuss. Das Leben ist nämlich viel zu kurz, um schlechte Torte zu essen. Ein Facebook-Freund, der ein von mir gepostetes Törtchen von Geschmacksbomben-bauer Guido Fuhrmann bei Facebook sah, postete daraufhin begeistert: „Der Hersteller dieses Stücks ist mit dem Ritterschlag der Zunft ausgestattet. Er ist der aktuelle Berliner Meister der Patisserie. Dem iss nix mehr hinzuzufügen.“ Von mir auch nicht.

Werkstatt der Süße, Husemannstraße 25, 10435 Berlin, Dienstag bis Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr

Sonntag, 26. Mai 2013

WASSER STOPP!

Mittwochnachmittag, ein Supermarkt am Klausenerplatz. Ein altes Ehepaar steht in der Getränkeabteilung. Die Frau packt zwei Flaschen Wasser in den Einkaufswagen, daraufhin ruft ihr Mann entsetzt: "Watt, Wasser? Ick bin doch nich' schmutzig - ick habe durscht!"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 26.05.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 14. Mai 2013

ALLGEGENWÄRTIG

Freitagabend im ICE. Kurz vor dem Berliner Hauptbahnhof spricht ein Mann in sein Handy: "Am Mittwoch komme ich nach Berlin."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 12.05.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Freitag, 10. Mai 2013

Künstlercafé ohne Künstler

Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht. Zuerst die schlechte: Das neue Romanische Café im Waldorf Astoria wurde vermutlich von einem Innenarchitekten eingerichtet, der in erster Linie BackLo Graf von Blickensdorf Romanisches Caféshops einrichtet. Inmitten von langweiligen Tischen und Stühlen stehen Regale, die auch gleichzeitig Raumteiler sein sollen, in denen sich ein Kraut- und Rüben-Sammelsurium von Büchern und Spielen wie in einer Jugendherberge befindet. Das ist natürlich in einem sogenannten „Künstlercafé“ namens „Romanisches Café“ so überflüssig wie eine dritte Schulter. Und unter der Decke befindet sich zu allem Überfluss ein Monstrum an Gemälde, dass vermutlich von einem Hobbymaler mit einsemestriger Volkshochschulausbildung gemalt wurde. Wenn man da länger drauf schaut, holt man sich einen irreparablen Augenschaden.
Romanisches Café AuslageIn den 1920er Jahren verkehrten im richtigen legendären Romanischen Café, nur ein paar hundert Meter vom jetzigen Standpunkt entfernt, Journalisten, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseure, Kritiker und Maler. Jedoch in diesem Café bin bzw. war ich wahrscheinlich der einzige Künstler, den das Café wohl je betreten hat. Was man auf den ersten Blick nicht sieht – die Möbel mit ihrem Backshop-Charme sind allerdings aus den teuersten Materialien. Das sieht man aber erst auf den zweiten Blick. Besser kann man sein Geld nicht versenken.
Romanisches Cafe Graf von BlickensdorfKommen wir nun zur guten Nachricht. Was muss ein richtiges Café anbieten? Richtig! Torten! Und die waren vom feinsten! Ich wählte ein mit 24 Karat blattgoldverziertes Törtchen (6 Euro) mit dem Namen „Tangana“ (s. Foto oben), was im Spanischen „Betrug“ heißt. Sollte das Blattgold etwa nur billigstes Trompetengold sein? Egal. Das Törtchen mundete vortrefflich und war bei weitem kein Betrug! Ganz im Gegenteil – es war ein wahrer Großgenuss! Meine Geschmacksknospen arbeiteten auf Höchsttouren und ich nahm dazu einen Schluck Kaffee. Romanisches CaféAuch er schmeckte hervorragend, zumal er auch vorbildlich auf Wiener Art auf einem silbernen Tablett mit einem Glas Leitungswasser und einem schmackhaften Keks serviert wurde. Bravo! Nach einem guten Kaffee und einem außergewöhnlichem Törtchen aus feinsten Zutaten verzeiht man sogar schlechten Innenarchitekten und ich lauschte dem Klang angenehmer Jazzmusik. Plötzlich fühlte ich mich sehr wohl und vergaß für eine Weile die innenarchitektonische Geschmacksverirrung. Auf dem Heimweg fiel mir der alte Witz wieder ein: Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Innenarchitekten? Antwort: Der Arzt begräbt seine Fehler. 

Romanisches Café im Waldorf Astoria Berlin, Hardenbergstraße 28, 10623 Berlin

Sonntag, 21. April 2013

Modernes Märchen

Freitagnachmittag auf der Wilmersdorfer Straße. Eine Mutter sagt zu ihren drei Kindern: "Wenn ihr nicht gehorcht, lass' ich euch hier alleine zurück!" Darauf sagt das älteste: " Wie bei Hänsel und Gretel?" Die Mutter etwas milder: "Naja, nicht ganz so..."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 21.04.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 7. April 2013

FLUCHTGEFAHR

Donnerstagabend in einem Drogeriemarkt am Spandauer Damm. An der Kasse sucht eine junge Frau hektisch in ihrer Einkaufstasche nach ihrer Geldbörse. "Moment, gleich hab' ich sie..." Daraufhin sagt die Kassiererin: "Keene Angst, ick loof nich weg!"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 7 .04.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 31. März 2013

Frohe Ostern…

Oster Cup Cake
…mit Niki's Cakes - The American Style Bakery

AUSVERKAUFT

Donnerstagmittag in den Wilmersdorfer Arkaden. Ein kleiner Junge steht mit seinem Vater vor der Verkaufstheke vom Schnellimbiss. Fragt der Vater: "Was möchtest du denn?" Der Junge gelangweilt: "Gaaar nichts." Sagt der Verkäufer: "Gar nichts ist alle."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 31.03.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 19. März 2013

„…und bitte ein Glas Leitungs-wasser zum Kaffee!“

Wie oft habe ich diesen Satz schon in meinem Leben gesagt. Wenn ich für jeden Satz einen Euro bekäme, wäre ich heute mehrfacher Millionär! Deshalb möchte ich das kleine tapfere Café Reet loben, weil es dort schon seit Jahr und Tag immer ein Glas Leitungswasser zum Kaffee gibt. Und zwar OHNE Aufforderung! Das ist sehr löblich und das schätze ich sehr. Diese nette Geste ist in Berlin und anderen Städten unserer Republik leider sehr, sehr selten. Es gibt natürlich ein paar Ausnahmen, aber die sind Glas Leitungswasser Graf von Blickensdorfrar. Sogar Unverschämtheiten wie in der „Großen Orangerie“ (ich berichtete schon darüber) gibt es, wo dem Gast Lügen aufgetischt werden („…wir haben keinen Wasseranschluss“), nur dass der Gast das total überteuerte Mineralwasser kauft.
Warum sollte denn eigentlich ein Glas Wasser zum Kaffee serviert werden? Nun, liebe Kaffeehausbesitzer, aufgepasst: Um dem Kellner, den man dreimal gebeten hat, ein Glas Leitungswasser zu bringen, es ins Gesicht zu schütten. Jawoll! - Nein, kleiner Scherz.
Jetzt mal im Ernst: Es gibt mehrere Gründe. Zum einen neutralisiert der Kaffeegenießer mit Wasser seinen Gaumen, der vielleicht vorher mit einer ordinären Bockwurst in Berührung kam, um den Wohlgeschmack des herrlich duftenden Kaffees noch genüsslicher zu gestalten. Zum anderen kann man Durst nicht mit Kaffee löschen, deshalb trinkt man vorher dagegen einen Schluck Kraneberger.
Und außerdem hat man kein schlechtes Gewissen, wenn die Lektüre der Zeitung länger dauert, als das Trinken der Tasse Kaffees; dann hat man immer noch das halbvolle Glas Wasser vor sich und kommt sich nicht so blöd vor. In sehr, sehr guten Kaffeehäusern (auch in meinem Lieblingscafé Reet) wird dem Gast sogar kostenlos ein frisches Glas nachgeschenkt. Das hat Stil und man kommt sich richtig wie in einem Wiener Kaffeehaus vor.
Es gibt sicherlich noch viele andere Gründe, ein Glas Leitungswasser zum Kaffee zu servieren. Ins Reich der Mythen gehört, dass man von Kaffee dehydriert und deshalb immer Wasser zum Kaffee trinken soll. Das stimmt nicht, denn sonst wäre ich längst schon Staub.

Galerie & Café Reet, Klausenerplatz 5, Berlin-Charlottenburg

Montag, 18. März 2013

Trümmertorte im Wiener Kaffeehaus

Ich betrat zum ersten Mal das „Restaurant & Café Hackescher Hof“ und war freudig überrascht. So müssen Kaffeehäuser aussehen! Lange, mit Leder Hackescher Hofbezogene Bänke, Spiegel und schöne Kronleuchter an den Decken. Und das alles dort, wo Berlin am hippsten ist: Am Hackeschen Markt. Es war gerade Kaffeezeit und ich freute mich auf ein Stück Torte.
Doch am „Kuchenbuffet“ standen nur zwei gelangweilte Bedienungen herum (die zuerst ihr privates Gespräch gemächlich weiterführten und mich warten ließen, bevor sie sich bequemten, mich zu bedienen) und ebensolche Torten, da sie vermutlich schon ein paar Tage ihr trauriges Dasein in der Vitrine verbracht hatten. Später erfuhr ich, warum. Ich wählte das kleinste Übel. Eine Orangentorte. Die sah von weitem von allen Torten noch halbwegs nach Torte aus. Und einen Cappuccino und ein Glas Leitungswasser. Als mir serviert wurde, sah die Torte aus, als hätten sie Trümmerfrauen mit stumpfem Werkzeug aus Stein gehauen (siehe Foto). War es etwa die Rache vom Tortenbuffet, weil ich es gewagt hatte, das Privatgespräch zu stören?
Nachdem ich das tägliche Foto wie üblich bei facebook postete, kamen Sekunden später hämische Kommentare. Eine facebookerin kommentierte mein Foto: „Im Hackeschen Hof werden die Torten nicht geschnitten, sondern gehackt?“ Ein anderer: „Trümmertorte…“ Es kam noch schlimmer – die Tortenlümmelei (3,20€) war schon ein paar Tage alt, schmeckte wie Hupe und der Cappuccino (2,80 €) kam mir vor wie Wasser, das man aus einem nassen Ärmel gewrungen hatte. Kein Wunder, dass die Torten im Buffet plus Tortenfrolleins so gelangweilt aussahen.
Mir wurde wieder bewusst, dass ich ja hier in Berlin leider in der Tortendiaspora lebe. Eine Bitte, lieber Hackescher Hof. Bitte entfernen Sie das Wort „Café“ aus ihrem Firmennamen. Sofort!

Restaurant & Café Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin-Mitte

Sonntag, 17. März 2013

Frau am Steuer

Mittwoch. Durch den Schlosspark Charlottenburg fährt ein kleiner Traktor. Am Steuer sitzt eine stattliche Dame im Gärtneroutfit. Auf ihrem Anhänger steht in großen Buchstaben: "Amazone".
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 17.03.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 16. März 2013

Kööstliche Pralinöös

Glööckler Pralinöös Graf von BlickensdorfDie Zeiten sind vorbei, dass die Frau zu Hause in der Kittelschüürze an den Kochtööpfen steht, während der Mann in der Eckkneipe seine Bierchen und Liköörchen trinkt. Und wenn es mal eins zu viel war, wurde eine Schachtel „Drachenfutter“ gekauft. So nannte man früüher scherzhaft diese Pralinenkäästen, die man direkt in der Kneipe kaufen konnte, zur vorsorglichen Ruhigstellung der Ehefrau, der man eigentlich lieber nichts schenken mochte.
Glööckler Pralinen Graf von BlickensdorfDie Pralinenkäästen trugen hochtrabende und schnööde Namen wie „Pralinentraum“ oder „Paradiessortiment“ – und hatten ebenso langweilig und ööde aussehende und schmeckende Pralinen zum Inhalt. Nun ist in der Entwicklung von Pralinen dem Modedesigner und Tausendsassa Harald Glööckler ein Quantensprung gelungen. Ich behaupte jetzt einfach mal generöös: Endlich gibt es wieder schöön gestaltete und traumhaft schmeckende Pralinen. Originalton Harald Glööckler: „Deshalb ist jetzt nun … eine Pralinenmischung dran, bei deren Genuss sich jede Frau wie eine wahrhafte Prinzessin fühlen kann.“ Der Preis ist allerdings pompöös und für die schmale Geldböörse nicht gut geeignet: Der abgebildete 360-Gramm-Kasten kostet bei Karstadt stolze 18,99 Euro.
Ich will jetzt nicht viele Wöörter verlieren, denn ich göönne mir jetzt, nachdem ich diesen Artikel hochgeladen habe, erst einmal die Praline „Prunk“, zartschmelzendes Gianduja-Nugat umhüüllt von feiner Vollmilch-Schokolade. Schmeckt deliziöös! Denn, Herr Glööckler, ich mööchte hier jetzt zwar nicht maliziöös werden - aber nicht nur Frauen möögen Pralinen! Jaaa, auch Määnner können sich bei dem Genuss Ihrer pralinöösen Pralinen wie ein wahrhaftiger Prinz füühlen! Oder wenigstens wie ein Lööööööwe.

http://www.pralinöös.de/

Sonntag, 3. März 2013

ORAKEL VON KREUZBERG

Graffito an einer Hauswand in der Yorckstraße: "Leute, kauft Deckel, die Welt ist bald im Eimer!"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 03.03.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 23. Februar 2013

Reisetorte

Torte_to_go_BoxUm innovative Produkte ging es bei der Nachwuchsförderung von Studenten der Hochschule Coburg, unterstützt von der Firma Tchibo. Dabei kam zum Beispiel diese praktische Tortenhaube mit integrierter Kuchengabel heraus (3,95 €), entwickelt von dem Nachwuchsdesigner Tobias Kotulla. Unentbehrlich zum Beispiel auf Reisen mit der Bahn, denn dort ist das Tortenangebot mehr als bescheiden. Wolfgang Amadeus Mozart wäre bestimmt einer der ersten Abnehmer dieser Tortenhaube gewesen, um auf seinen beschwerlichen Reisen nicht auf sein geliebtes Naschwerk verzichten zu müssen. Und wir hätten wahrscheinlich noch schönere Kompositionen von ihm geschenkt bekommen - leider zu spät.

Sonntag, 17. Februar 2013

Ruhestand

Louvre TorteDienstagnachmittag in einer Charlottenburger Konditorei unterhalten sich zwei Frauen. „Der Papst geht ins Kloster!“ Daraufhin die andere: „Dann hat er endlich seine Ruhe.“

Mittwoch, 6. Februar 2013

Bäcker-Philosophie

Brotmeisterei SteineckeDienstagnachmittag in der Filiale einer Selbstbedienungsbäckereikette auf dem Spandauer Damm. Man hat einen großen Milchkaffee, einen Teller mit Kuchen und ein Glas Leitungswasser zum Tisch zu transportieren - und außerdem noch eine Einkaufstüte. Auf die höfliche Frage nach einem Tablett, antwortet die Verkäuferin knapp: „Gibt es nicht.“ Als man dies bedauert, fügt sie schnippisch hinzu: „Man kann eben im Leben nicht alles haben.“

Dienstag, 5. Februar 2013

Konditern in Heidelbörg

Café Knösel HeidelbergEs gibt nichts schöneres, als nach einer Lesung vor wunderbarem Publikum durch die grandiose Heidelberger Altstadt zu flanieren, um sich dann anschließend im gemütlichen Café Knösel, dem ältesten Café Heidelbergs, eine rassige “Mousse-au-Chocolat-Bananen-Torte” (Foto oben) zu Gemüte zu führen. Wie sang doch damals 1966, als ich noch ein junger Dachs war, Peggy March so schön? ”Memories of Heidelbörg, sind Memories of you…. schabba-dabba-dab.... ...und von dieser schönen Zeit, da träum’ ich immer zu... ” Ich auch, schabba-dabba-dab...

Dicker Fisch

Letzten Donnerstagmittag in der Filiale einer Fischimbisskette in der Wilmersdorfer Straße. Die Bedienung fragt eine alte Dame ob sie ihre Scholle in „XXL“ wünscht. Sie schüttelt den Kopf und sagt: „Nein! Ein großes Stück.“

Sonntag, 30. Dezember 2012

AVANTGARDE

U-Bahnhof Kaiserdamm, erster Weihnachtsfeiertag. Eine ältere Dame steigt in die U2, setzt sich, zieht mit spitzen Fingern einen Schokoladenosterhasen aus ihrer Handtasche, wickelt ihn aus und verzehrt ihn genüsslich.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.12.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 23. Dezember 2012

Na dann ein Frohes Fest!

Weihnachtsmenue aus der Tube

Jahresrückblick

Lo Graf von Blickensdorf PerformanceIm Tagesspiegel vom 22.12.2012 wurden zwei meiner kleinen, selbst erlebten und aufgeschriebenen Geschichten, die regelmäßig in der Rubrik “Berliner Liste” erscheinen, zu den besten des Jahres gekürt. Hier sind sie noch einmal:

MEHR GESUNDHEIT
Ein Nachmittag im Café am Lietzensee. An der Theke bestellt eine mollige Frau ein Stück Sachertorte “mit einer doppelten Portion Sahne”, schaut sich zu den hinter ihr wartenden Leuten um und fügt entschuldigend hinzu: “Ich will mal wieder meine Kalziumwerte auf Vordermann bringen.”

WAS ZUM ANFASSEN
Eine Frau kommt mit ihrer Teenager-Tochter in eine Buchhandlung an der Wilmersdorfer Straße und sagt: “Du immer mit deinem Facebook – jetzt kaufe ich dir mal ein richtiges Buch!”

Sonntag, 9. Dezember 2012

MANNSWEIB


Dienstagnachmittag in der Patisserie Harry Genenz in Westend. Zwei Damen bemerken lautstark und mehrfach, dass heute ausnahmsweise ein Herr bedient. Darauf der Herr: "Soll ich mir vielleicht ein Kleid anziehen?"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 09.12.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 8. Dezember 2012

Unlust



Mittwochnachmittag vor einem Straßencafé am Kurfürstendamm. Sagt eine junge Frau zu ihrem Begleiter:„Hast du Lust auf einen Kaffee?“ Daraufhin antwortet er: „Nicht die Bohne.“

Montag, 26. November 2012

Bei Anruf: Suche


Montagmittag in der Patisserie Harry Genenz am Adenauerplatz. Ein ständiges Handyklingeln stört die bisherige Ruhe. Ein älterer Herr sucht nervös in allen Taschen nach seinem Handy. Als er es gefunden hat und sich meldet, stutzt man. Die Stimme kennt man doch? Es ist Peter Scholl-Latour.


Sonntag, 4. November 2012

Der Graf is(s)t Kunst

Ein Tipp für Gentlemen

Einstecktuch PappeIch hatte immer ein großes Problem. Wenn ich von einer Party nach Hause kam, war stets mein seidenes Einstecktuch verschwunden. Anfangs dachte ich, dass die blaublutrünstige Dame, mit der ich zuvor auf der Party geflirtet hatte, eigentlich eine militante Tierschützerin war und sich für den Schutz von Seidenraupen einsetzte und aus diesem Grunde mir mein Einstecktuch stibitzt hatte. Doch weit gefehlt. Beim näheren Hinsehen entdeckte ich, dass es im Laufe des Abends immer tiefer in die Einstecktuchtasche meines Jacketts gerutscht war, bis es irgendwann ganz verschwunden war. Nachdem mir das oft passiert war, hatte ich die blitzgeborene Idee, mir eine Vorrichtung zu Basteln, um dem Abhilfe zu schaffen. Und so geht's,  also: Man nehme einen Karton, schneide ihn sorgfältig zurecht (1 + 2), stecke ihn in die Jackettasche (3) und stülpe das Seidentuch darüber (4) – fertig! Diese pfiffige Idee habe ich mir schützen lassen und nenne es den „Graf Blickensdorfer“. Demnächst wird er nur von exklusiven Herrenmodeherstellern aus hochwertigen Materialien hergestellt und vertrieben und so werde ich in die Herrenmodengeschichte eingehen - ach ja, ...und schweinereich.

Montag, 29. Oktober 2012

Eine wahre Geschichte passend zu Halloween


KreuzNeulich ging ich Nachts mit einem Kollegen von einer Party nach Hause und wir beschlossen, die Abkürzung über den Friedhof zu nehmen. Als wir uns gerade gegenseitig übermütig  Friedhofswitze erzählten, hörten wir zwischen den Gräbern plötzlich ein Geräusch und erschraken. „Tack-Tack-Tack“. Uns war plötzlich nicht mehr zum Lachen zu Mute. Wir schauten vorsichtig nach, von wo das Geräusch kam. Nach einer Weile fanden wir einen alten grauen Mann, der mit Meißel und Hammer einen Grabstein bearbeitete. Wir fragten den Mann: „Was meißeln Sie denn hier mitten in der Nacht herum? Sie haben uns ja fast zu Tode erschreckt. Wir glaubten schon, Sie wären ein Gespenst!” Der graue Mann antwortete: “Ach, diese blöden Steinmetze haben meinen Namen falsch geschrieben!”

Freitag, 26. Oktober 2012

Hallo Wien!

Nikis Cupcakes halloweenOb in Wien Halloween gefeiert wird, weiß ich nicht so genau. Mir ist zum Beispiel dieser Brauch fremd gewesen, denn als ich Kind war, wurde Halloween nicht zelebriert. Vor ein paar Jahren wurde ich zum ersten mal mit Halloween konfrontiert, als plötzlich eine Handvoll kostümierter Kinder vor meiner Schlosstür standen und im Chor sagten: “Wir sind kleine Geister, essen gerne Kleister, wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hierCupcakes Nikis Cakes 1 kleben.” Noch vor 10 Jahren hätte man noch erstaunt ausgerufen: “Ick kleb’ euch gleich eine!” Nun gut, ich wollte nicht, dass sie vor meiner Tür kleben blieben, denn das hätte nur hässliche Flecken gegeben und so gab ich ihnen reichlich Süßigkeiten.
Wem ebenso wie ich, Halloween fremd ist, aber trotzdem dem Ganzen etwas aufgeschlossen ist, macht den Anfang bei Niki’s Cakes, denn dort gibt es jetzt schon die passenden Leckereien, die wunderbar schmeckenden “gruseligen” Cupcakes (siehe Fotos) – und man muss nicht extra nach Wien dafür fahren!

Niki’s Cakes - The American Style Bakery, Windscheidstraße 1, 10627 Berlin (direkt am Sophie-Charlotte-Platz), Öffnungszeiten: DI – SA 11 – 18 Uhr, SO 12 – 18 Uhr

Sonntag, 21. Oktober 2012

Servicewüste Deutschland

Restaurantschiff Captn Schillow
Letzten Sonntagnachmittag an der Straße des 17. Juni um halb Drei. Beste Kaffee und Kuchenzeit. Weit und breit kein Café, außer dem Restaurantschiff Capt’n Schillow am Landwehrkanal. Der Kellner weist einem einen kleinen Tisch auf dem Oberdeck zu, an dem man noch die letzten Strahlen der Herbstsonne genießen kann. Doch bedient wurde ich nicht. Anscheinend ging es einer Gruppe von Touristen am Nachbartisch eben so, denn eine Frau fragte beim Kellner nach, ob ihr bestelltes Getränk noch komme. Sie warte doch schon so lange darauf und hätte fürchterlichen Durst. Daraufhin vertröstet der Kellner sie: „Ich bekomme auch nicht immer alles sofort.“ Als auch ich auf Nachfrage die knappe Antwort bekam, dass der Kuchen „aus“ wäre, verließ ich das ungastliche Schiff.

Restaurantschiff Capt’n Schillow, Straße des 17.Juni, am Charlottenburger Tor, 10115 Berlin

Samstag, 13. Oktober 2012

Backen für den Tortengraf

Ruth Moschner in Graf von Blickensdorfs Tortenblog
Bei meinen zahlreichen privaten Einladungen zu Kaffee und Kuchen habe ich schon öfters eine Schrotkugel in der nicht gerade ansehnlichen Torte gefunden. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wie so etwas passieren kann? Ganz einfach: Die oder der Gastgeber haben beim Backen die Flinte ins Korn geworfen. Den verzweifelten Satz: „Entschuldigen Sie, aber die Torte ist mir etwas verunglückt...“ habe ich schon sehr oft gehört. Mal ehrlich, liebe Leserin, lieber Leser, das ist Ihnen doch bestimmt auch schon mal widerfahren, oder?
Das kann einem mit dem Backbuch „Backen für Angeber“ der beliebten TV-Moderatorin und Journalistin Ruth Moschner nicht passieren. In ihm Rotkppchens Rettung Graf von Blickensdorf _Ruth Moschnerfindet man leicht nachzumachende Backrezepte, deren Resultate sich auch noch sehen lassen können. Wenn man dazu die exzellenten Fotos sieht, möchte man am liebsten alles noch am selben Tag nachbacken. Da wird man mit ein paar kleinen Tricks zum Chefpatissier. Mit viel Sachkenntnis und Humor macht es Ruth Moschner dem Laien und Hobbybäcker einfach, die Rezepte selber in die Tat umzusetzen. Es gibt so traumhafte Leckereien mit wunderbaren Namen wie „Dekadenter Pistazienkuchen“, „Schwangere Brezel“, „Kaiser-Soufflé“, „Heiße Hüpfer“ oder „Rotkäppchens Rettung“ (s.Foto oben). Da braucht man keine Angst mehr haben, wenn sich der Chef oder gar der Tortengraf mit kritischer Zunge zum Besuch angekündigt haben.
Ein Satz aus dem Vorwort spricht mir besonders aus der Seele: „Torten, Cupcakes und Co. sollten während ihrer Verspeisung immer die volle Aufmerksamkeit bekommen.“ Da haben Sie ja sooo recht, liebe Frau Moschner, meine Seelenschwester!
Nach dem Kauf dieses Buches findet der Tortengraf garantiert keine Schrotkugel mehr in Ihrem heimischen Kuchen und Sie können mit Ihrer Backkunst so richtig angeben!

Ruth Moschner „Backen für Angeber“ ist erschienen im Südwest Verlag, 16,80 EUR (alle Fotos aus dem Buch)

Sonntag, 23. September 2012

Charlottenburg

Mittwoch in Charlottenburg. Vor einem Café genießen zahlreiche Mütter mit Kinderwagen die warme Herbstsonne, während ihre Kleinen johlend und kreischend spielen. Ein älterer Herr beobachtet die Szene und sagt zu seiner Begleiterin: "Hier geht's ja zu wie in Prenzlauer Berg!" 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.09.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Freitag, 14. September 2012

Sonntag, 9. September 2012

Sport ist Mord

Freitagabend im Charlottenburger Schlosspark. Sagt ein Jogger völlig verschwitzt und kurzatmig zum anderen: “Es würde mir mehr Spaß machen, wenn der Schlosspark etwas kleiner wäre!"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 09.09.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 26. August 2012

SPIEGEL-Affäre

Montagmorgen in einem Kiosk am Spandauer Damm. Ein Obdachloser mit mehreren Plasiktüten kauft vier Flachmänner Weinbrand - und den "Spiegel".

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 26.08.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 5. August 2012

DREI DAMEN SIND SCHRILL

Montagnachmittag bei Karstadt in der Wilmersdorfer Straße. Hinter dem Schokoladen- und Pralinenstand sitzt eine Verkäuferin auf einem Hocker und hat einen lauten Lachanfall. Sie wird von zwei Kolleginnen beruhigt, doch sie prustet umso heftiger los. Sagt eine mollige Kundin im Vorübergehen zu ihrem Begleiter: "Siehste, Schokolade macht doch glücklich!" 

WESTEND GIRL

Dienstagnachmittag am S-Bahnhof Westend. Eine gut gekleidete Frau um die Vierzig telefoniert mit einem brillanten-verzierten iPhone - während sie mit der anderen Hand die Papierkörbe nach Pfandflaschen durchstöbert.

Diese beiden, von mir persönlich erlebten und aufgeschriebene Geschichten, erschienen am 5.08.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".