Mittwoch, 4. Juni 2014

Tortenkontrolle

Romanisches Cafe Teil 2Ich hatte vor über einem halben Jahr schlechte Erfahrungen im Romanischen Café (zum Waldorf Astoria Hotel zugehörig) gemacht und darüber berichtet. Aus reiner Neugierde wollte ich noch einmal nachschauen, ob sich mittlerweile etwas geändert hatte. Es hatte sich! Sogar über meine Erwartungen hinaus! Zu meinem Entzücken werden nun hochprofessionelle Torten und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie angeboten, dass mein Herz Luftsprünge machte. Ich konnte mich gar nicht entscheiden und wählte schlussendlich ein Stück “Chocolate-Crisp” (s. Foto oben) das in meinem Gaumen herrlich crisperte und die hochwertige Schokolade und diverse andere Ingredienzien brachten mich zum Träumen. Auch der Service war wieder erstklassig, wie man es eigentlich von dem berühmtesten Hotel der Welt erwartet. Sogar das obligatorische Romanisches Café Fußmatte Graf von BlickensdorfGlas Leitungswasser zum Cappuccino gab es! Chapeau! Das Stück kostete zwar stolze 6 Euro (!) und der Cappuccino 4,50 Euro – aber Qualität hat eben ihren Preis. Und Torten sind die Rettungsringe auf dem Strom des Lebens – und die sollten einem etwas wert sein. 
Nachdem ich beim Hinausgehen die verlockensten süßen Kreationen in der Vitrine warten sah, denke ich, dass mir noch höchste Genüsse bevorstehen. Vielleicht gibt es dann auch anstatt Dessertgabeln richtige Tortengabeln?

Romanisches Café im Waldorf Astoria Berlin, Hardenbergstr. 28, 10623 Berlin, www.waldorfastoria3.hilton.com

Freitag, 30. Mai 2014

Meine Entdeckung in Ecuador

ecuador dessertAls ich neulich bei Seiner Exzellenz dem Botschafter von Ecuador, Jorge Jurado, die wundervolle Küche seiner Heimat kenenlernen durfte, fiel mir eine mir vorher völlig unbekannte Frucht besonders auf: Die Tamarillo, auch Baumtomate genannt (auf dem Foto oben rechts im Anschnitt). Ihr Geschmack schwankt zwischen süß und säuerlich und hat obendrein noch einen leichten, sehr angenehmen Bittergeschmack.
Ich war so fasziniert, dass ich durch meine Entzückung die Aufmerksamkeit meiner charmanten Tischnachbarinnen aus Ecuador auf mich zog. Lächelnd klärten sie mich auf: Tamarillo sind eigroße, tomatenähnliche Früchte, auch Baumtomaten genannt. Sie wurden schon vor Jahrhunderten von den Indios kultivert und zählen zu den Nachtschattengewächsen, sind entfernt verwandt mit den Tomaten und Kartoffeln, zählen allerdings zu den Früchten und nicht zum Gemüse. Sie schmecken süß-säuerlich und haben die Konsistenz einer reifen Frucht, die vergleichbar mit der von Pflaumen ist.
Die kleinen Vitaminbomben haben viel Vitamin C, Eisen, Cacium, Magnesium, Phosphor. Man kann man die Frucht zu süßen Desserts (s. Foto oben) oder salzigen Gerichten zugeben oder auch damit exotische Drinks mixen. Leider sind die Geschmacksbomben in Europa sehr teuer. Aber jetzt weiß ich, was ich bei meinem nächsten Besuch in Ecuador als erstes bestelle: Tamarillos!
Für mich war es auf jeden Fall eine Neuentdeckung, die mir gute Laune gemacht hat – und aus diesem Grunde mache ich es Roberto Blanco nach und singe mit etwas abgewandeltem Text: „Ich komm‘ zurück nach Tamarillos, denn mein Herz hängt an Tamarillos, schallala lala lalala...“
Seine Exzellenz der Botschafter von
EcuadorJorge Jurado (rechts)

Samstag, 3. Mai 2014

DR. NO

Samstagmittag vor dem Fischimbiss Rogacki in der Wilmersdorfer Straße. Zu einem alten Mann an den Tisch gesellt sich ein jüngeres Paar. Sofort fängt der alte Mann an, von seinen zahlreichen Krankheiten zu erzählen. Nach einer Weile sagt der junge Mann von dem Paar: “Könnten Sie nicht von etwas anderem erzählen? – Ich bin nämlich Arzt.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 27. April 2014

Öö là là

Lo Graf von Blickensdorf und Lo Graf von Blickensdorf Montagnacht auf der Eröffnungsparty des Geschäfts von Harald Glööckler. Eine junge Dame erklimmt die Bühne und singt ein paar Lieder. Da sagt ein Herr zu seiner frau: “Sie will sich hier bestimmt einen Namen machen.” Die Sängerin war Xenia Gabriela Florence Sophie Iris Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 6. April 2014

Unfreundliche Aushilfskräfte oder Warum ich die Himbeer-schnitte nicht essen konnte

Rösler Himbeerschnitte Graf von BlickensdorfIch habe immer gedacht, ich wäre mit meinen Seidenkrawatten, der Windsor-Weste, dem englischen Tweedsakko plus Einstecktuch eine gepflegte Erscheinung. Auch achte ich (seit meiner Kindheit übrigens) stets auf saubere Fingernägel und dusche regelmäßig. Doch dieser Eindruck scheint bei manchen Leuten nicht anzukommen. Was war passiert? Eigentlich nicht viel. Ich kaufte bei der Bäckereikette Rösler in der Sophie-Charlotten-Straße 42 (im REWE-Markt) lediglich eine Himbeerschnitte für 1,60 €, weil mir die knallig rote Deko sofort ins Auge fiel. Wenn ich da noch eine Deko-Kirsche draufsetze, habe ich wieder ein prima Foto für meine Tortenfotoserie, dachte ich. Freundlich zeigte ich auf die Himbeerschnitte und bat die Frau hinter der Theke, sie mir für zu Hause einzupacken. 
Sie nahm nur widerwillig die Schnitte aus der Vitrine, als müsse sie sich von ihrem heißgeliebten Kanarienvogel trennen. Dann verpackte sie mit grimmigen Gesicht das Kuchenstück. Als ich ihr ein 2-Sprunghaft TagesspiegelEuro-Stück über die Theke reichte, brüllte sie mich zu meiner Überraschung mit überschlagender Stimme im barschen Kasernenton an: “Hinlegen!” Häh? Hinlegen? Hier vor der Kuchentheke? Hatte ich etwa übersehen, dass wir hinterhältig von einem verspäteten StuKa aus dem 2. Weltkrieg angegriffen werden? Nein. Sie meinte meine 2-Euro-Münze, die ich ihr entgegenhielt. Als ich nicht schnell genug auf ihren Befehl reagierte, rief sie wiederholt: “Hinlegen!” Neugierig fragte ich sie freundlich, warum ich die Münze hinlegen solle, kam ihre ruppige Antwort: “Weil ick dit sage!” 
Diese Filiale der oben genannten Bäckereikette ist mir schon öfters durch unhöfliches Benehmen negativ aufgefallen. So ist mir schon mehrmals das Wechselgeld an meiner geöffneten Hand vorbei auf den Verkaufstresen geknallt worden, so dass ich es mir mühsam Münze für Münze aufklauben musste. Was mit kurzgeschnittenen, gepflegten Fingernägeln gar nicht so einfach ist. Vielleicht sehe ich ja wie ein potentieller Überträger des Pfeifferschen Drüsenfiebers aus. Wer weiß? 
Ein anderes Mal war ich Zeuge, wie ein junger Mann etwas forsch einen Cappuccino bestellen wollte. Darauf antwortete eine andere Aushilfskraft, die noch mit Brotschneiden beschäftigt war: “Einen Augenblick – wir springen sofort!” (s. dazu auch meinen Text links aus dem TAGESSPIEGEL
Doch Moment, ich möchte hier nicht Witze über unterbezahlte und ausgebeutete Aushilfskräfte machen. Schuld daran sind die Unternehmen, die ihre Leute aus Geldgier schlecht bezahlen. “Gewinnmaximierung” wird das von den schnöseligen Managern verschönt genannt. Das ist aber falsch gerechnet. Dabei bleibt nämlich unter dem Strich: Man erhält billige Arbeit für billigen Lohn. Und das schlägt sich mittelfristig auf das Unternehmen und die “Gewinnmaximierung” nieder. 
Als ich endlich zu Hause das Kuchenpaket öffnete, erlebte ich noch eine Überraschung. Nicht nur, dass die Himbeerschnitte bei normaler Beleuchtung ihre ganze Leuchtkraft eingebüßt hatte (Wird man etwa durch Spezialbeleuchtung als Kunde getäuscht?), sondern dass ich auch noch auf  ihr ein unappetitlich langes Haar entdeckte! So blieb ihr der Weg in die Mülltonne, anstatt in den gräflichen Magen, nicht erspart.

Bäckerei Rösler (im REWE-Markt), Sophie-Charlotten-Straße 42, 14059 Berlin-Charlottenburg

Samstag, 5. April 2014

Globales Denken


Freitagnachmittag am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg. Zwei Fahrradfahrerinnen streiten sich lautstark darum, wer nun die Vorfahrt habe. Da sagt die jüngere zur älteren: "Egal - die Welt ist für alle da!"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 6.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Veränderung

SchokotorteSang und klanglos hat die Patisserie Harry Genenz ihre Räume in der Reichstraße 102A geräumt und das Zepter dem Café Thiel übergeben. Dem neuen Pächter alles Gute!

Café Thiel, Reichsstr. 102A, 14052 Berlin

Dienstag, 25. März 2014

Ausflug nach Paris


Galeries Lafayette Berlin Graf von BlickensdorfFrüher, als Paris noch ein Synonym für sinnliche Erotik war, sagte man, das beste Alter für Paris sei zwischen 18 und 34.  Das war zu Zeiten von Henri de Toulouse-Lautrec. Heute ist Paris eher bekannt für seine herrlichen Petit Fours. Dafür ist das beste Alter zwischen 3 und 93. Und man muss noch nicht mal eine lange Reise antreten, sondern man geht flugs in die Gourmet-Abteilung des Lafayette Berlin und wird im Tiefparterre von der guten Qualität der Törtchen überrascht. Ohlala! 

Galeries Lafayette Berlin, Friedrichstraße 76-78, 10117 Berlin

Sonntag, 23. März 2014

FALSCH GEBRIEFT

Dienstagmorgen vor dem Reichstagsgebäude. Eine Gruppe Touristen läuft etwas ratlos hin und her. Da zeigt ein Jugendlicher auf die Reichs-tagskuppel und ruft: "Gehen wir jetzt auf das Dach der Deutschen Einheit?"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 22.03.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Freitag, 14. März 2014

Erdbeertörtchen mit Stretch

Lo Graf von Blickensdorf und Konditormeister Wiacker
Ob ich auch auf meinen Lesereisen täglich ein Stück Torte esse, werde ich oft gefragt. Ja, tue ich. Denn eine Torte ist keine Gitarre, die man an die Wand hängt - man muss sie essen. Letzte Woche reiste ich durch das schöne Ruhrgebiet. In meinem Künstlervertrag hatte ich u.a. zwar „Stretch-Limo“ geschrieben, aber ich meinte eigentlich nur eine „Lange Limo“ zur Erfrischung - aber plötzlich stand da so ein langes Auto vor meinem Hotel. Mit Fahrer. Nun ja, wo es schon mal da war und gerade Kaffeezeit war, stieg ich ein und ließ mich zu einer Konditorei fahren. Als ich ausstieg, traute ich meinen Augen kaum: Ein Spalier weiß gekleideter Konditorgesellen hatten mit ihrem Meister Aufstellung genommen. So musste sich Friedrich der Große gefühlt haben, wenn er durch Preußen ritt und eine Herberge aufsuchte. Und auch ich führe, wie
Wiacker Erdbeertörtchen Foto_Lo Graf von Blickensdorfder Preußenkönig, stets die nach ihm benannte „Fritz-Krücke“ mit: Ein Flanierstock mit feinziseliertem Griff aus Sterlingsilber, der einen rechten Winkel zum Stock bildet. „Konditorei Wiacker“, las ich über dem Eingang. Nach einer feierlichen Begrüßung von Konditor-meister Wiacker und einem Foto-Shooting (s. oben, Foto: Lino Lässig) wurde ich höflich hineingebeten und studierte dort in aller Ruhe das zahlreiche Feingebäck, traumhafte, hausgemachte Trüffel und Pralinés und nicht zuletzt die herrlichen Torten. Herr Wiacker empfahl mir, die „Nr. 1“, die müsse ich probieren. Es handelte sich um ein Erdbeertörtchen, mit einen besonderen Tortenboden, das der Konditormeister sich extra als Patent angemeldet hat und ihn deutschlandweit bekannt gemacht hat. Niemand darf es nachmachen und das Rezept ist so geheim wie das von Coca-Cola.
Mir wurde nicht zu viel versprochen! Das Wiacker-Erdbeertörtchen (s. Foto links) bestach durch Fülle und Komplexität. Ein wahres Konglomerat wertvollster Ingredienzien. Tadellos! Die frische Fruchtigkeit der Erdbeeren bildete einen schönen Kontrapunkt zu dem herrlichen Tortenboden. Knackige Mandeln rundeten den Genuss perfekt ab.
Ich verließ nur ungern dieses gastfreundliche Café mit seinen freundlichen Menschen, das sogar einen Teppichboden mit eingewebtem Firmenlogo besaß - ein „W“ unter dem sich eine Krone befindet. Also sehr grafengerecht (zwinker, zwinker). Falls meine geneigten Leser einmal nach Herne kommen, dann sollten sie unbedingt (!) das Wiacker-Törtchen probieren! Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber ich musste zu meiner Lesung und die Stretch-Limo wartete schon ungeduldig. Übrigens: Stretch-Limos sind sehr umweltfreundlich – man steigt hinten ein und vorne wieder aus, schon ist man da, ohne auch nur einen Meter gefahren zu sein. Oder?

Café Konditorei Wiacker, Neustraße 1, 44623 Herne, www.wiacker.de

Sonntag, 2. März 2014

VERKEHRSERZIEHUNG

Freitagnachmittag. Mutter und Sohn radeln auf Fahrrädern über die Seelingstraße in Charlottenburg. Als der Sohn Schlangenlinien fährt, und ein Auto naht, ruft die Mutter: “Du sollst ordentlich fahren – du machst mich noch ganz wahnsinnig!” Daraufhin der Sohn brav: “Ja, Wahnsinnige.”

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 02.03.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 25. Februar 2014

FKK am Lietzensee!

Bootshaus Stella am LietzenseeBei schönem Wetter betrete ich natürlich nicht die dunklen Caféräume wie im Winter, denn da betreibe ich FKK - nämlich Freikuchenkultur. Das ist natürlich das Aller-aller-aller-schönste für mich. Im Freien ein Stück Kuchen, einen Kaffee und viel Sonne! Dann sitze ich gerne zum Beispiel in dem Café am Ufer des Lietzensees und schaue schweigend zum Funkturm hinüber, denn je älter man wird, desto mehr schätzt man die Kunst des konstruktiven Schweigens. Und dieses Jahr kann man sogar schon im Februar draußen schweigen... äh... sitzen!

Bootshaus Stella am Lietzensee, Witzlebenplatz 1, 14057 Berlin

Karamellkuchen Stella Lietzensee

Sonntag, 16. Februar 2014

FRÜHLINGSERWACHEN

Tulpen Lo Graf von Blickensdorf
Montagnachmittag – ein sonniger Vorfrühlingstag. Im vorzeitig eröffneten Café am Lietzensee sagt ein Gast bei seiner Bestellung euphorisch: “Herrlich, die Sonne, sie ist ja besonders gut für… äh… für…” Da kommt ihm der Kellner schnell zur Hilfe und ergänzt: “…für alles!”

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.02.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Süßes Rendezvous

Ivoire 36% Passionsfrucht Passionsfruchtbiskuit Werkstatt der SüßeDieses nette Rendezvous hatte ich in der Werkstatt der Süße, wo ich dieses kleine Kunstwerk namens Ivoire 36% Passionsfrucht, Passionsfruchtbiskuit bestaunte und anschließend genüsslich verzehrte. Ein Traum! Die Dame gehörte nicht dazu – sie kam zufällig vorbei und verweilte einen Augenblick. 

Werkstatt der Süße, Husemannstraße 25, 10435 Berlin

Sonntag, 9. Februar 2014

HA HO NEE

Sonntagabend in einer Studentenkneipe in Charlottenburg. Ein angetrunkener junger Mann grölt so unangenehm herum, dass sich andere Gäste bei ihm beschweren. Daraufhin er: “Entschuldigung, ick war heut bei Hertha – bin noch auf anderem Niveau..”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 9.02.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 26. Januar 2014

RECHT HAT ER

GlatteisMontagnachmittag. Ein Mann kommt aus dem Zoo und gerät aufgrund des Blitzeises ins Straucheln. Er flucht: “Glatt wie Affenfett ist das hier!”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 26.01.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 12. Januar 2014

Männer in Not

Dienstagnachmittag in der Suarezstraße. Zwei Männer stehen vor einem Trödelladen und unterhalten sich. Als eine junge Frau in Uniform der Bundesmarine vorbeikommt, unterbrechen sie ihr Gespräch und schauen ihr hinterher. Sagt der eine zum anderen: “Kiek ma, Orje: Fregatte uff Landgang.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 12.01.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Etwas Warmes braucht der Graf!


Suppinger
Darf ein Tortengraf auch etwas anderes als Torte essen? Er darf! Auch ich lebe nicht nur von Torten allein und achte auf gesunde und ausgewogene Ernährung. Denn sonst wäre ich mittlerweile so dick, dass ich in meinem Bauchnabel keine Flusen, sondern ganze Pullover finden würde! So will ich niemals werden! Nie! Also esse ich manchmal als Mittagsmahl, wenn es schnell gehen muss und keine Zeit zum selber kochen ist, außerhäusig gerne herzhafte Eintöpfe. Chemiecocktails wie Tüten- und Dosensuppen oder lieblos zusammengepanschte Eintöpfe in den großen Kaufhäusern kommen für mich nicht in Frage. Da entdeckte ich in der Nähe des Kaiserdamms das Suppinger, ein familiengeführtes Bistro, wo es u.a. wöchentlich drei wechselnde Eintöpfe in zwei verschiedenen Größen (groß 3,80 / klein 2,30) gibt. In dem zweckmäßig eingerichteten kleinen Gastraum ohne Chichi löffelte ich eine herrlich schmeckende „Winterliche vegetarische Minestrone“ und bekam dazu sogar noch gratis etwas schmackhaftes Brot. Und das Ganze ohne Verwendung von künstlichen Zusatzstoffen, aber dafür frische Kräuter aus dem eigenen Garten. Das schmeckte man! Bei dem Winterwetter wird man dabei von innen wieder ganz warm und hat wieder Lust auf ein schönes Stück Torte!

Suppinger, Danckelmannstraße 30, 14059 Berlin-Charlottenburg, Frühstück Mo-Fr 07:00 – 11:00 + Mittagstisch 11:30 – 16:00 Uhr

Sonntag, 15. Dezember 2013

Chinesen landen auf dem Mond

Mond China Glutamat Top Beschnitt

Märchenland

Schloss CharlottenburgSehr früher Sonntagmorgen. Zwei junge Frauen betreten den vom Schnee-griesel leicht eingepuderten, fast menschenleeren Charlottenburger Schlosspark: “Boah! Geil! Und noch keine Menschen da!” Ein einsamer Spaziergänger raunt ihnen zu: “Nur Elfen und Kobolde.”

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 15.12.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 2. Dezember 2013

Fester! Fester!

Konditorei Fester Spandau Amaretto Torte 1“Mama? Sind Spandauer eigentlich schlechte Menschen?” fragt das Kind. Antwort der Mutter: “Nein - aber grüßen muss man sie nicht.”
Ja, Spandauer sind schon merkwürdige Menschen. Wenn sie zum Kurfürstendamm fahren, sagen sie: “Wir fahren nach Berlin.”, obwohl Spandau zum Verwaltungsbezirk Berlin gehört.
Mitten in der Spandauer Altstadt liegt die Konditorei Fester. Ein Oma-Café, Konditorei Fester Spandau Amaretto Torte 2wie es im Buche steht. Postbeamtenwitwen mit Betonfrisuren und Seidentüchern (gern mit aufgedruckten Pferdeköpfen aufgedruckt) um die Schultern gelegt, kloppen sich um die raren freien Plätze in den zwei Etagen, während im Hintergrund amerikanische Schnul-zenmusik dudelt – herrlich!
Ich wählte aus dem großen Tortenangebot die Amaretto-Torte, bei der ich leider nur einen Hauch Amarettogeschmack mehr ahnte als schmeckte. Außerdem war sie mir einen Tick zu süß, aber handwerklich perfekt (s. Fotos).
Das etwas angeranzte Siebziger Jahre Ambiente entschädigte mich für die kleinen Patzer. In den hippen Gegenden Berlins wäre das der coolste Laden und tätowierte schwäbelnde Latte-Macchiato-Mütter mit ihren hochaufgerüsteten High-Tech-Kinderwägen (die sie rücksichtslos wie Panzer benutzen) hätten ihn schon längst für sich okkupiert. Während der Trend von modernen Coffeeshops wieder zurück zum Oma-Café geht, hat die Konditorei Fester alle Trends ausgelassen und ist das geblieben, was es schon immer war – ein Oma-Café.

Konditorei Fester, Markt 4, 13597 Berlin-Spandau

Sonntag, 27. Oktober 2013

Mangelerscheinung

Mittwochnachmittag in einem Café in der Kreuzberger Bergmannstraße. Eine junge Mutter mit zwei Kindern kommt gestresst herein, wo schon zwei andere Mütter ungeduldig warten. Sie sagt: “Ich glaube, ich habe eine Schlafstörung – und die heißt ‘Kinder’.”

Zug verpasst
Dienstagnachmittag im Charlottenburger Schlosspark. Vom Himmel ertönt das Trompeten der nach Süden ziehenden Kraniche. Sagt ein Mann wehmütig zu seinem Begleiter: “Alle hauen sie ab – nur wir müssen hier bleiben.”
Diese beiden, von mir persönlich erlebten und aufgeschriebenen Geschichten, erschienen am 27.10.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 6. Oktober 2013

Serviervorschlag

Mittwoch, an einer Kneipe in der Kreuzberger Yorckstraße hängt ein Schild: “Königsberger Klopse mit Rote Bete und Salzkartoffeln, 9,80, dazu empfehlen wir Instagram mit dem Amaro- oder 1977-Filter.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 6.10.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Waldorf Salat

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Obwohl das Romanische Café im Waldorf Astoria eine innen-architektonische Geschmacksverirrung ist (ich berichtete darüber), aß ich dort Anfang des Jahres vorzügliche kleine Törtchen, die ich auf jeden Fall wieder probieren wollte. Doch, oh Schreck, ich fand heute leider nur gewöhnliche Torten vor. Ich setzte mich also voller böser Vorahnungen an einen Tisch.
IMG_0943Die Kellnerinnen schauten etwas sparsam zu mir herüber, so dass ich nach 15 Minuten aufstehen musste, um mir an der Theke Gehör zu verschaffen. Ich bestellte die Schokotorte (s. Foto oben). Die Torte wurde leider mit einer vierzackigen Dessertgabel statt mit einer dreizackigen Kuchengabel serviert. Das fing ja schon mal gut an. Beim zerteilen mit der Dessertgabel zerfiel das Stück in lauter trockene Krümel. Der Kuchen (5,50 €, unerhört der Preis!) verkrümelte sich regelrecht. Da fiel mir unweigerlich der alte Witz wieder ein. "Herr Ober der Kuchen ist zu trocken!" Ober: "Dann machen Sie bitte den Mund zu, damit es nicht so staubt!"
Der Kuchen schmeckte nach einem Stück Pappe, in dem einmal vor langer Zeit minderwertige Schokolade eingepackt war und die Ummantelung bestand aus Billigmarzipan vom Konditorengroßhandel. Nun hatte ich den Salat! Kein schöner Nachmittag bei einem Großgenuss eines Petit Fours, bei dem ich meinen Gedanken nachhängen konnte. In dem Augenblick, als ich mich beschweren wollte, eilte lächelnd ein Kellner heran und ich wurde von ihm als "der Tortengraf aus dem Fernsehen" erkannt. Er hörte sich meine Kritik freundlich und verständnisvoll an, entschuldigte sich dafür und gelobte Besserung. Da die Petit Fours nicht so gut liefen, bekommt das Romanische Café nun von einer Konditorei (einer mittelmäßigen, deren Namen ich hier nicht nennen möchte) von außerhalb die Torten und den Kuchen geliefert, erfuhr ich von ihm. Dann stand ich auf und machte das, was der Kuchen zuvor gemacht hatte: Ich verkrümelte mich.

Romanisches Café im Waldorf Astoria Berlin, Hardenbergstraße 28, 10623 Berlin

Sonntag, 29. September 2013

Jungbrunnen

Graf von Blickensdorf und Rolf Eden 2013Donnerstagnachmittag im Café Richter in Charlottenburg. Ein Herr möchte zahlen, aber die Bedienung lässt auf sich warten. Als sie endlich kommt, entschuldigt sie sich. Daraufhin lächelt der Gast sie an: “Ich bin ja noch jung – ich kann warten.” Der Herr war Rolf Eden.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 29.09.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 24. September 2013

Rettet die Romantik!

Cafe Kredenz Torte Rettet die Romantik
Wie schön war es früher, mit der Bahn zu reisen. Man wurde von seinen Lieben zum Bahnhof gebracht, die sich selbstverständlich eine Bahnsteigkarte für 20 Pfennige kaufen mussten, suchte sich sein Zugabteil und stand dann solange plaudernd am offenen Abteilfenster, bis der Zug sich schnaubend und ächzend in Bewegung setzte. Man winkte sich gegenseitig durch den weißen Dampf der Lokomotive mit Stofftaschentüchern so lange zu, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Dann schloss man das Zugfenster, zog man sich aus einer hübsch gestalteten Zigarettenschachtel (ohne Krebswarnhinweis, siehe Foto) eine Zigarette, steckte sie sich genüsslich an und schaute melancholisch rauchend der vorbeiflitzenden Landschaft zu. Ende! Aus! Vorbei! Heute können die Zugfenster nicht mehr geöffnet werden und von außen hindurchschauen geht auch nicht mehr.
Diese Gedankenlosigkeit zieht sich durch alle Bereiche. Zum Beispiel Restaurantbesitzer, die es erlauben, dass ihre Gäste in hässlicher und unpassender Funktionskleidung von Jack Wolfskin (und ähnlich unerträglichen Firmen), mit schmutzigen Turnschuhen an den Füßen, unrasiert an ihren weißgedeckten Tischen herumlümmeln - von einer Krawatte ganz zu schweigen. Gute Kleidung hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Wenn man seine liebe Tante besucht, geht man ja auch nicht in der Unterhose dort hin. Dasselbe gilt natürlich auch für Theateraufführungen.

Khedive Orient TabakEs gibt unzählige Kaffeehausketten mit ausschließlich englischen oder italienischen Namen, von denen nicht eines das schöne Wort „Kaffeehaus“ im Namen trägt. Und überall gibt es diesen schrecklichen „Coffee to go“, der wie Wasser schmeckt, das aus einem nassen Ärmel gewrungen wurde – das ist der Untergang des Abendlandes! Eine amerikanische Kaffeekette wurde sogar von Waffenlobbyisten für ihre Zwecke vereinnahmt und nimmt es so hin. Das früher wunderbare Café Kranzler auf dem Kurfürstendamm ist zu einem Touristennepp verkommen, weil in den restlichen Räumen sich eine Modekette mit hässlicher Mode breitmacht. Heute stehen vor jedem popeligen Drogeriemarkt martialische gekleidete Sicherheitsleute mit misstrauischem Blick, als wäre es das Bundeskanzleramt – dabei will man nur Klopapier kaufen. 

Dann die Nachrichtenüberflutung – ich will nicht 24 Stunden am Tag aus meinen Träumen gerissen werden, weil gerade in China eine Überschwemmungskatastrophe mit 20 toten Rindern stattfindet (so traurig wie das auch ist) – aber ändern kann ich es sowieso nicht. Sobald ein Bundesminister das Zipperlein hat, wird flugs ein „Brennpunkt“ mit wichtig guckenden Moderatoren ins Fernsehprogramm genommen. Es nervt einfach und die Nachrichtenagenturen verdienen sich daran goldene Nasen. Katastrophen gab es schon, seit es Menschen gibt, nur dass sie es nicht immer erfuhren, wenn am anderen Ende der Welt etwas passierte. Und das war auch gut so! Denn kein Mensch kann so viele Katastrophenmeldungen verarbeiten.
An den Tankstellen gab es noch höfliche uniformierte Tankwarte, die nicht nur das Auto betankten, sondern auch die Scheiben säuberten und nach dem Reifenluftdruck schauten. Heute sind Tankstellen zu überteuerten Supermärkten verkommen, in denen der mittelalte Gouda ein Benzinaroma hat. Und wenn man mal eine fachspezifische Frage zum Thema Auto an das Tankstellenpersonal hat, wird man mit Schafsblick angeschaut, als hätte man gefragt: „Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren?“

Die Liste könnte man endlos fortsetzen: Heute wird Zitronensaft mit künstlichem Aroma hergestellt und Spülmittel mit echten Zitronen. Und in jeder Schule gibt es heute Schulpsychologen, die den Kindern Tabletten gegen übermäßige Lebhaftigkeit oder Trägheit verschreiben. Früher gab’s einen Schlag in den Nacken und der Fall war erledigt. Mit Fotoapparaten wurde NUR fotografiert und nicht telefoniert, Blutdruck gemessen und Pizza bestellt. Und so weiter, und so weiter…
Natürlich bin ich für den Fortschritt. Ich möchte nicht noch in der Postkutsche reisen müssen, schreibe lieber Emails als Briefe und will mein iPhone auch nicht mehr missen. Und gegen prügelnde Lehrer (die ich noch selbst erlebt habe) bin ich auch. Aber was mich stört, dass Dinge am Menschen vorbei gemacht werden, um nur eines zu erreichen: Gewinnmaximierung. Wo soll das nur alles enden? Hier ein Aufruf an alle Entscheidungsträger: Bei aller Geldgier – vergesst bitte die Romantik nicht!


Montag, 5. August 2013

Die Katze im Sack und ein Biotörtchen

Bio HeidelbeertörtchenNachdem es in letzter Zeit öfter mal gewitterte und mir meine Kaffeehausbesuche verhagelte, nahm ich meinen Spruch „Eichen sollst du weichen, aber Kuchen sollst du suchen“ wörtlich und kehrte in das Park-Café in Wilmersdorf ein, um im schattigen, eher Bier- als Cafégarten, ein Stück Torte zu genießen.
Als ich in das Café kam, suchte ich vergeblich die Kuchentheke. Eine Bedienung fragte ich nach den Torten, doch sie antwortete freundlich und mit russischem Akzent: „Unsere Torten sind alle in der Küche.“ Da stehen sie gut, dachte ich. 
Das ist leider eine weit verbreitete Marotte in Berlin, dass Kuchen und Torten in der Küche aufbewahrt werden und man die Katze im Sack kaufen muss. Das ist kulturlos. Ein Autoverkäufer würde nicht ein einziges Auto verkaufen, wenn er dem Kaufinteressierten sagen würde: „Unsere Autos stehen alle hinten in der Küche – aber da dürfen Sie nicht rein.“ 
Ich verließ schlecht gelaunt das kulturlose Café und radelte die Westfälische Straße hinunter und als ich ein kleines verträumtes Café namens "Biokonditorei Tillmann" entdeckte, war meine schlechte Laune schnell verflogen. Dort verzehrte ich ein, vorher an einem richtigen Kuchenbuffet (!) ausgesucht,  Bio-Heidelbeertörtchen (s. Foto oben) mit herrlich mürben Tortenboden. Es war Liebe auf den ersten Blick! Na bitte, geht doch! 

Park Café Berlin, Fehrbelliner Platz, Berlin-Wilmersdorf

BioKonditorei Tillmann, Westfälische Straße 41, 10711 Berlin-Wilmersdorf

Sonntag, 28. Juli 2013

HEISSE SPUR

Donnerstagnachmittag am Lietzensee. Der Besuch erzählt, dass er sein Berlin-Wissen über die Krimireihe “Wolffs Revier” bezogen hat. In diesem Augenblick läuft der Hauptdarsteller Jürgen Heinrich mit seinem Hund vorbei…

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 28.07.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 27. Juli 2013

NANU?

Mohnkuchen
Tante Hedwig in versunkener Betrachtung der hervorragenden Mohn-Johannisbeer-Torte von der Frau Bäckerin auf der schattigen Gartenterrasse in der Villa Oppenheim.

Frau Bäckerin in der Villa Oppenheim, Schloßstr. 55, 14059 Berlin

Sonntag, 21. Juli 2013

BERLIN AM MEER

Samstagabend im Bus M45. Der Busfahrer fährt derartig ruppig, dass alle Fahrgäste hin- und hergeschüttelt werden. Da singt ein Mann leise vor sich hin: “Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön…”

TROCKEN
Sonntagnachmittag vor der Terrasse einer Konditorei in der Reichsstraße läuft ein älteres Ehepaar vorbei. Die Frau bleibt kurz stehen, schaut in Richtung Café und fragt ihren Mann: “Haste Kaffeedurst?” Der Mann schüttelt seinen Kopf und antwortet: “Nicht die Bohne!”

Diese von mir persönlich erlebten und aufgeschriebenen Geschichten, erschienen am 21.07.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 7. Juli 2013

Torten und Lachen

Café Noir Torte Patisserie Harry Genenz
Nachdem ich gestern von der Fehlkonstruktion „Kaffeehaus“ Grosz berichtete und meine gute Laune auf dem Tiefpunkt angelangt war, nahm ich mir heute vor, unbedingt mal wieder etwas Positives zu schreiben. Denn mir macht es, im Gegensatz zu anderen Rezensenten, keinen Spaß, negative Kritiken zu schreiben. Lieber schwelge ich im Glück. Denn Torten und Lachen können das Alter zur Jugend machen. „Ein froher Sinn ist wie der Frühling – er öffnet die Blüten der Natur." schrieb einst der große Jean Paul. Und ich hatte Glück! Ich ging nämlich auf Nummer Sicher und besuchte nämlich die Patisserie Harry Genenz in der Reichsstraße (ich berichtete schon mehrfach darüber).
Es war ein schöner sonniger Sonntag und ich setzte mich also draußen in den Schatten eines leise vom Wind vor sich hin raschelnden Bambusstrauches und die freundliche Serviererin brachte mir eine Café-Noir-Schnitte (siehe Foto oben), die anscheinend neu im Sortiment war. Als ich probierte, war ich auf Anhieb begeistert vom Geschmack dieser Preziose! Der Belag bestand aus angerösteten Haselnüssen und
zerkleinerten Baiserstücken - vermählt mit erlesener Café-Schoko-Creme. Hier hat mal wieder der Patissier sein ganzes Können lustvoll aufgedreht. Ein wahres Konglomerat wertvoller Ingredienzien. Einziges Manko: Es fehlte noch ein kleiner optischer Akzent. Deshalb gibt es von mir nur leider nur eine glatte 2.
Und noch eine kleine Eintrübung meines Aufenthaltes. Leider gibt es bei Harry Genenz zur Torte immer nur vierzackige Dessertgabeln und nicht dreizackige Tortengabeln, wie sich das gehört. Das ist so, als wenn man im feinen Restaurant guten Rotwein aus Wassergläsern serviert bekommt. Aber über diese Thematik berichte ich ein anderes Mal ausführlicher.
Als dann noch ein älteres Ehepaar vorbei lief und die Frau ihren Mann fragte: „Haste Kaffeedurst?“ und der Mann nur trocken antwortete: „Nicht die Bohne.“, fühlte ich mich um 20 Jahre jünger!

Patisserie Harry Genenz, Reichsstraße 102a, 14052 Berlin-Westend


Samstag, 6. Juli 2013

Armer Grosz

Grosz_ Herrentorte Prinz Reuss
Grosz Quittung„Meine Zeichnungen sind Ausdruck meiner Verzweiflung, Hass und Enttäuschung.“ sagte einmal der große George Grosz, nach dem nun ein Kaffeehaus und Restaurant im Haus Cumberland auf Berlins Kurfürstendamm eröffnet hat. Ich war nun schon einige Male im Grosz, in der Hoffnung wenigstens einmal ein positives Erlebnis zu haben. Fehlanzeige! Entweder man gerät an einen arroganten Schnöselkellner, der einen auch noch nach dem vierten Fingerzeig ignoriert oder das Stück Torte schmeckt nicht. 
Im ohne Zweifel sehr schönen Ambiente, einem gehobenen Wiener Kaffeehaus nachempfunden, machen einem leider obendrein rücksichtslose, laut telefonierende Russen mit Unmengen von Chanel-Tüten um sich verteilt, rucksäckige Touristen mittleren Alters in sündhaft teurer Funktionskleidung, als kämen sie gerade von einer Nanga-Parbat-Besteigung und beklunkterte Damen nebst halsspeckigen älteren Männern mit Goldkettchen und zerknitterten Hugo-Boss-Sakkos, den Aufenthalt zum Horrortrip.
Ich wählte eine hübsch anzusehende Herrentorte namens „Prinz Reuss“ (siehe Foto oben), die prompt von der ausnahmsweise mal netten Kellnerin auf edlem Geschirr und mit schönem Besteck serviert wurde. Doch die Torte hielt leider nicht, was ihr Aussehen und der Name versprach. Der Orangenlikörgeschmack überdeckte den Schokoladengeschmack total. Die kleingehackten Mandeln an der Rückseite schmeckten muffig-alt. Außerdem war das missglückte Lehrlingsstück total übersüßt. Das hatte zur Folge, dass mir die Torte noch Stunden nach dem Verzehr Pfötchen gab. Mein Tipp an den Konditorlehrling: Beim nächsten Backversuch einfach eine Packung Bullrich-Salz-Tabletten mit einbacken. Das beugt dem unweigerlich aufkommenden Sodbrennen vor. Oder noch besser - gleich den Beruf wechseln. Denn mit der „Torte“ bestehst du die Gesellenprüfung bei der Konditoreninnung sowieso nicht.
Der Cappuccino schmeckte obendrein auch noch eher nach einem chemischen Experiment als nach richtigem Cappuccino. Hier passt das Preis-Leistungsverhältnis keineswegs: Torte 4,50 EUR, Cappuccino 4,50 EUR, Summa Summarum: 9 Euro! Ein teurer „Spaß“!
Wie fast immer in Berlin (ich habe schon mehrfach darüber berichtet) stimmen schönes Ambiente und Qualität mal wieder nicht überein. Speziell Torten- und Kaffeefreunden rate ich deshalb von einem Besuch ab. Da kann ich nur ähnlich wie George Grosz sagen: Diese Rezension ist Ausdruck meiner Verzweiflung, Hass und Enttäuschung über ein „Kaffeehaus“ namens „Grosz“, das den Namen leider nicht verdient. Wenn das der alte Grosz noch miterlebt hätte - er würde sich im Grab umdrehen wie eine von Sodbrennen angetriebene Dampfturbine.

GROSZ, Kurfürstendamm 193/194, 10707 Berlin


Sonntag, 30. Juni 2013

ZU FRÜH

Mittwochnachmittag im Bus M45. Als die Durchsage “Nächste Haltestelle Krematorium Ruhleben” kommt, sagt ein älterer Mann zu seiner Frau: “Dit is noch zu früh, wat Else?”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 24. Juni 2013

Geadelt

Geschmacksache Lo Graf von BlickensdorfIn eigener Sache: Richtig geadelt fühlte ich mich, dass ausgerechnet ein österreichisches Gourmet-Magazin namens “Geschmacksache” aus dem Land der schönsten und besten Kaffeehäuser der Welt über mich berichtet hat. Vielen Dank!

www.geschmacksache2013.at 

(großes Foto: Oliver Rathhttp://www.rath-photografie.de/ )

Sonntag, 23. Juni 2013

DREI TAGE WACH

Freutagnachmittag, ein Café am Klausenerplatz. Die Kellnerin fragt einen allein sitzenden älteren Herrn, ob es noch ein Kaffee sein darf. Daraufhin antwortet der Mann: "Lieber nicht, sonst kann meine Frau wieder die ganze Nacht nicht schlafen."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 16. Juni 2013

LUFTKURORT

Donnerstagnachmittag auf der Schloßstraße am Schloss Charlottenburg. Eine Gruppe Touristen kommt an einem Lkw vorbei, der mit laufendem Motor am Straßenrand steht und aus dessen Auspuff blaue Abgaswolken kommen. Ein Tourist sagt: "Herrlich - diese Berliner Luft!"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.06.2013 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 13. Juni 2013

Geschmacksbomben


Werkstatt der Süße ManjariIch hatte einen Traum: Ich aß eine raffinierte Mischung von Manjari-64%-Schokolade, Him-beer-Mousse und Marzipan-Biskuit und vergaß für einen kleinen Augenblick alle Katastrophen dieser Welt.
Meine Geschmacks-knospen gingen wie auf Samt und einige von ihnen vollführten sogar Freudentänze. So etwas hatten sie schon lange nicht mehr geschmeckt. Bin ich etwa im Paradies gelandet, dachte ich. Und das Unglaubliche: Vorne war das Törtchen hinten als höher (Nein, kleiner Scherz). Als der Kuchenteller nach 5 Minuten leer war, wachte ich auf und schaute mich um. Ich saß bei mildem Vorsommerwetter auf dem Trottoir der Husemannstraße in Prenzlauer Berg, wo gerade zwei Herren vom Ordnungsamt dabei waren, verkehrswidrig abgestellte Kraftfahrzeuge aufschreiben. Es war kein Traum! Ich saß vor der Werkstatt der Süße des Patissiers Guido Fuhrmann.
Werkstatt der SüßeVor mir saß meine charmante und überaus hübsche Begleitung in einem bunten Sommerkleid und aß ebenfalls mit verzückter Miene gerade trendige pastellfarbene Macarons – doch am leckersten ist immer das, was man selber isst. In meinem Falle das Manjari-Törtchen (siehe Foto oben). Eine Geschmacksbombe erster Güte! Und nicht nur das. Jedes Stück der Patisserie ist eine kleine kunstvolle Skulptur - der Patissier wäre bestimmt auch ein guter Bildhauer. Die überaus liebenswürdige Servierdame bemerkte meinen entrückten seligen Gesichtsausdruck und erklärte, dass das deliziöse Manjari-Törtchen (nur 3,20 €!) auch ihr Favorit sei. Sie könnte es jeden Tag essen – und zu jeder Jahreszeit. Ich auch! Zu meiner großen Freude stellte ich eingangs fest, dass die Törtchen…, äh…, Kunstwerke in der Verkaufsvitrine nun alle beschildert sind. Das hatte ich mal in meiner ersten Kritik am 8.12.2011 bemängelt. Das erleichtert das Studieren der Petit Fours ein wenig. Doch nicht leichter macht es das Auswählen - da fällt einem die Wahl sehr schwer, denn man 
Werkstatt der Süße 2möchte am liebsten alle probieren. Der Kreativität sind hier in der Werkstatt der Süße keine Grenzen gesetzt und das Publikum weiß das sehr zu schätzen. Nach meinem circa zweistündigen Auf-enthalt waren schon über die Hälfte der Törtchen verkauft. Ich wünschte mir, dass alle Cafés Berlins sich davon mal inspirieren lassen würden, denn ich bin es satt, unansehnliche Trümmertorte im "Café" Hackescher Hof zu essen, die eher nach einem chemischen Experiment schmeckt, als nach Genuss. Das Leben ist nämlich viel zu kurz, um schlechte Torte zu essen. Ein Facebook-Freund, der ein von mir gepostetes Törtchen von Geschmacksbomben-bauer Guido Fuhrmann bei Facebook sah, postete daraufhin begeistert: „Der Hersteller dieses Stücks ist mit dem Ritterschlag der Zunft ausgestattet. Er ist der aktuelle Berliner Meister der Patisserie. Dem iss nix mehr hinzuzufügen.“ Von mir auch nicht.

Werkstatt der Süße, Husemannstraße 25, 10435 Berlin, Dienstag bis Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr