| Cartoon: © Lo Graf von Blickensdorf |
Dienstag, 17. November 2015
Sonntag, 25. Oktober 2015
SICH VERSTEHEN
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 25.10.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Freitag, 2. Oktober 2015
Montag, 21. September 2015
FROMMER WUNSCH
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 20.09.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Foto: © Graf von Blickensdorf
Foto: © Graf von Blickensdorf
Montag, 7. September 2015
Paris-Moskau
Hier geht es zur Kolumne des Grafen:
http://www.qiez.de/mitte,tiergarten/essen-und-trinken/restaurants/der-graf-empfiehlt-das-restaurant-paris-moskau-in-tiergarten/173202589
Sonntag, 6. September 2015
GLEICHBERECHTIGUNG
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 6.09.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Sonntag, 23. August 2015
MANGELWARE
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.08.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Foto: Joelle Meissner
Sonntag, 16. August 2015
PICKNICK
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.08.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Foto: © von Blickensdorf
Sonntag, 2. August 2015
STERNENKRIEGER
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 2.08.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Cartoon: Lo Graf von Blickensdorf
Sonntag, 26. Juli 2015
Herzensangelegenheit
Sonntag, 19. Juli 2015
SCHATZSUCHE
Donnerstag, 16. Juli 2015
Sonntag, 5. Juli 2015
NAH DRAN
Foto: © Lo Graf von Blickensdorf
Mittwoch, 1. Juli 2015
E = mc²
E = mc² – das ist wohl die bekannteste physikalische Formel des Physiker Albert Einsteins, der mit seiner Relativitätstheorie weltberühmt wurde und von 1914 bis 1932 in Berlin lebte; unter anderem auch in der Wilmersdorfer Straße im damals noch sehr eleganten Charlottenburg.
Hier residierten die Gräfinnen Lichtenau und Wedel-Bérard, lebten der Schriftsteller Robert Walser sowie der Dirigent und Komponist Leo Blech. Selbst Franz Kafka war einmal hier. Und ein kleines Kuriosum nebenbei: Deutschlands erster professioneller Scharfrichter Julius Krautz war hier ansässig.
Im Teil der Fußgängerzone der „Wilmi“, wie sie auch liebevoll von den Charlottenburgern genannt wird, eröffnete in diesen Tagen eine Filiale der Kaffeekette „Einstein Kaffee“. Das hat jetzt direkt nichts mit Physik zu tun, außer dem Namen vielleicht. Aber alles ist relativ.
Das freute mich sehr, denn in dieser Gegend sind Cafés spärlich gesät und außerdem: endlich sind Café und Physiker einmal etwas mehr zusammengerückt, wie das der Name eigentlich verlangt. Und für mich als Kaffeehausliebhaber sowieso, da ich sehr häufig meine Besorgungen hier mache.
Da zufällig gerade Naschermittwoch war, betrat ich das Café mit der Absicht, meinen Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Ich war von der dem großen Torten- und Kuchenangebot sehr überrascht. Leider befanden sich keine Schildchen an den Torten, so dass ich um eine Tortenberatung bat.
Ich setzte mich ans Fenster sah dem Treiben auf der Fußgängerzone zu. Keine Gräfin Wedel-Bérard lustwandelt hier mehr, nur noch manchmal ein oller Tortengraf mit wenig Geld in der Tasche, der sich manchmal im Drogeriemarkt ein Kontingent von Rasierklingen aus dem Sonderangebot ergattert. Eigentlich sind sie ja schrecklich, diese gesichtslosen Zonen. Sie sehen in jeder Stadt gleich aus. Egal ob in Hildesheim, Wanne-Eickel oder Shanghai – überall sehen sie gleich aus mit ihren bekannten Ladenketten, die sich mittlerweile unbemerkt wie ein Netz um unseren Erdball gelegt haben. Ich hatte mir schon einmal meinen Frust darüber von der Seele geschrieben (klickst du hier!).
Während ich noch darüber erschauderte, wurde mir von einer freundlichen Servierkraft die Torte gebracht. Die Tortengabel auf dem Teller war dick in eine warme Serviette eingemummelt und schlief. Ich traute mich nicht, sie zu wecken und wollte erst die Erdbeersahnetorte mit den Fingern essen. Aber dann entschloss ich mich doch, sie sanft zu wecken und mit ihr sanft, ja fast zärtlich in die Erdbeersahnekomposition hinein zu bohren. Sie schmeckte nicht schlecht, was ich bei einer Kaffeekette eigentlich nicht erwartet hätte. Auch der Cappuccino war schmackhaft! Dass der Kaffee hier sowieso sensationell gut ist, ist allgemein bekannt und wahrscheinlich auch das Geheimnis des Erfolgs dieser Kaffeehauskette.
Auch die Einrichtung ist recht ansprechend und gemütlich. Hinter der Theke hängen zwei dekorative Bahnhofsuhren (siehe Foto oben links) , die einmal die Zeit von Berlin und einmal von Istanbul anzeigen. Ein toller Service, falls ich mal Geschäfte mit Istanbul von hier aus abwickeln muss, das beruhigte mich sehr. So kann ich noch schnell über meine Börsen-App reagieren, falls mal unverhofft die Tortenaktien an der Istanbuler Börse sinken. Zeit und Raum stimmen hier!
Und das Beste zum Schluss: die charmante Servierkraft brachte mir das Wechselgeld auf einem kleinen Teller zurück – nicht nur ich, sondern auch Albert Einstein hätte daran seine helle Freude gehabt!
Einstein Kaffee, Wilmersdorfer Straße 112, 10627 Berlin-Charlottenburg
Sonntag, 28. Juni 2015
WUNSCHDENKEN
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 28.06.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Foto: (c) Lo Graf von Blickensdorf
Sonntag, 21. Juni 2015
GEGEN DIE WAND
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 21.06.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Foto: (c) Lo Graf von Blickensdorf
Mittwoch, 27. Mai 2015
Montag, 11. Mai 2015
SCHON GENUG
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 10.05.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste"
Samstag, 25. April 2015
Nach den Worten soll man Torten folgen lassen
Irgendwann sind der Worte genug geschrieben und nach den Worten müssen Torten folgen. Aus diesem Grunde steige ich dann besonders gern im Frühling von meinem gemütlichen Elfenbeinturm herab – denn im Lenz, wenn alles blüht und duftet, riecht Berlin für kurze Zeit wie eine ganz feine Dame. Genussvoll tief einatmend, wie der geniale Duftfanatiker Jean-Baptiste Grenouille aus dem Süskind-Bestseller, lustwandele ich dann über die von Linden gesäumte Schloßstraße, vorbei an den heftig
über Wurftechniken diskutierenden Boulespielern. Weiter über den Sophie-Charlotte-Platz zur Suarez-straße, mit ihren zahlreichen Antiquitätengeschäften, fachsimpele ich dort eine Weile mit den Händlern über Flanierstöcke des 19. Jahrhunderts, um dann links in die Kantstraße einzubiegen.
Dort befindet sich eine kleine Insel für Liebhaber der Biedermeierzeit und köstlicher Torten: Das Café Kredenz (ich berichtete schon einmal darüber). Auf schönem Oma-Geschirr serviert einem die, stets elegant gekleidete, liebenswürdige Maria einem Weiße Trüffeltorte (s. Foto oben), Marcellotorte, Pralinentorte, Orangentorte, Napoleonschnitte, Dacquoise-Baiser-Torte und viele andere mehr, je nach Belieben. Bei dezenter Musik kann man die Torte genüsslich verspeisen und dabei herrlich nachdenken und sinnieren. Dabei kommen mir die besten Ideen. Wie es sich für ein Café aus einer anderen Zeit gehört, gibt es dort auch selbstverständlich W-LAN.
Dort befindet sich eine kleine Insel für Liebhaber der Biedermeierzeit und köstlicher Torten: Das Café Kredenz (ich berichtete schon einmal darüber). Auf schönem Oma-Geschirr serviert einem die, stets elegant gekleidete, liebenswürdige Maria einem Weiße Trüffeltorte (s. Foto oben), Marcellotorte, Pralinentorte, Orangentorte, Napoleonschnitte, Dacquoise-Baiser-Torte und viele andere mehr, je nach Belieben. Bei dezenter Musik kann man die Torte genüsslich verspeisen und dabei herrlich nachdenken und sinnieren. Dabei kommen mir die besten Ideen. Wie es sich für ein Café aus einer anderen Zeit gehört, gibt es dort auch selbstverständlich W-LAN.
Und wenn ich wieder ganz oben in meinem Elfenbeinturm angekommen bin, setze ich die Ideen flugs um, die mir beim Torte essen eingefallen sind und die ich mir in mein kleines, ledergebundenes Skizzenbuch (s.Foto oben rechts) mit dem roten Lesebändchen notiert habe. Wie sagte Goethe so schön? „Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ Und das besonders im Café Kredenz!
Montag, 13. April 2015
„Die Unschuld sitzt neben mir und isst Apfelkuchen“
Solche und andere schöne Sätze stehen in dem fabulösen Erstlingswerk „Kopf Schweine Sterben“ von Frau Kopf. Zum Beispiel auch dieser: „Typen, die sich als total crazy und amüsant bezeichnen, sind ungefähr so reizvoll, wie ein Darmverschluss oder ein feiner Intimherpes“.
In ihrer saftig-barocken Sprache mit zahlreichen neuen Wortschöpfungen, die wohltuend fast ohne Anglizismen auskommt, beschreibt sie, wie eine
junge Frau sich die hippe Kultstadt Berlin einscannt und sinnlich verarbeitet. Frau Kopf beschreibt kraftvoll, wütend, sanft, hart, versaut, witzig, vulgär und aggressiv das vielfältige Leben in der deutschen Bohemé-Metropole, dass einem fast schwindelig wird.
Herrlich amüsant die Geschichte von „Schmalz- stullenuschi, variabel auch Bahnhofsbritta oder Gefühlsgisela. Heute ist sie ganz kurz das verspätete Hosenmädchen.“, die unter ihrem luftigen Kleid die Unterhose ihres neuen Geliebten trägt und auf dem Bahnhof auf ihren Zug wartet, während sie vorher heimlich ihr eigenes Höschen in eine Ecke des fremden Bettes des fremden Mannes versteckt hat. Umwerfend komisch!
Herrlich amüsant die Geschichte von „Schmalz- stullenuschi, variabel auch Bahnhofsbritta oder Gefühlsgisela. Heute ist sie ganz kurz das verspätete Hosenmädchen.“, die unter ihrem luftigen Kleid die Unterhose ihres neuen Geliebten trägt und auf dem Bahnhof auf ihren Zug wartet, während sie vorher heimlich ihr eigenes Höschen in eine Ecke des fremden Bettes des fremden Mannes versteckt hat. Umwerfend komisch!
Mein absolutes Lieblingskapitel ist „Mutsch“, in dem Frau Kopf plötzlich so gefühlvoll und zärtlich über ihre Mutter schreibt, dass ich zu Tränen gerührt war. Liebevoller kann man den Müttern dieser Welt kein Denkmal setzen! Grandios!
Ich wünsche Frau Kopf und der gesamten Menschheit noch viele so großartige Bücher wie „Kopf Schweine Sterben“, bei dem einem mal wieder positiv auffällt, wie wunderschön und vielfältig die Deutsche Sprache sein kann – und zwar ohne Anglizismen.
Foto: Jenni
Montag, 6. April 2015
Ein Relikt
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 5.04.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
VERTAN
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 5.04.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Samstag, 14. März 2015
GROSSES PLUS
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 15.03.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Mittwoch, 25. Februar 2015
Ei-Ei-Eierlikörtorte!
Die wohl beste Eierlikörtorte Berlins gibt es definitiv bei Kultkonditor Mr. Minsch in der Yorckstraße. Groß wie die Eiger-Nordwand (s. Foto) und sehr schmackhaft. Dieses Stück Torte erhellt mein Herz und macht einen trüben grauen Wintertag für einen kurzen Augenblick unwillkürlich zum bunten LSD-Trip. Und das nur für 3 Euro. Prost!
Sonntag, 15. Februar 2015
Selber schuld
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 15.02.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Sonntag, 8. Februar 2015
Finanzexperte
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 08.02.2015 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Dienstag, 27. Januar 2015
Dienstag, 2. Dezember 2014
Jubelgraf
Wenn man durch den ungepflegten S-Bahnhof Greifswalder Straße geht und auf die Straße tritt, ist Berlin ganz arm und unsexy. Menschen mit grauen Gesichtern und ebensolcher Kleidung hetzen an einem vorbei und bei der Kälte sieht man ihren regelmäßig ausstoßenden Atemhauch, nur unterbrochen von stakkatoartigem Husten.
Überall sieht man Billigkauf- und Fastfoodketten und ein Imbiss der „Lecker & Satt“ heißt. Fehlt nur noch die Kneipe „Saufen & Lallen“, denke ich. Von weiter Ferne blinkt mir
nervös der Fernsehturm durch das triste Herbstgrau entgegen, als wolle er mich zum umkehren bewegen.
Doch ich lasse mich von ihm nicht ins Bockshorn jagen und promeniere neugierig die Greifswalder Straße in südlicher Richtung herunter, vorbei an tristen Häusern und dem ungepflegten Ernst-Thälmann-Park mit seinem gleichnamigen Denkmal, das über und über mit schlecht gemachten Graffitos übersät ist. Hier möchte man noch nicht mal seinen räudigen Hamster begraben. Überall verwaiste Dauerbaustellen und unansehnliche Plattenbauten aus der ehemaligen DDR im Waschbeton-Look. Und hin und wieder entdecke ich längst ausgestorben geglaubte Videotheken. Wahrscheinlich besitzen die Bewohner hier noch Videorekorder, die so groß wie Tiefkühltruhen sind, in die sie lexikongroße VHS-Kassetten schieben, um sich in grauen Trainingsanzügen Made in GDR und sich literweise Ost-Cola hineinschüttend, Filme wie „Die Olsen-Bande - alle Folgen“ oder die Shows von „Ein Kessel Buntes – Best of“ reinzuziehen. Weil ihnen nämlich niemand gesagt hat, dass Deutschland inzwischen wiedervereinigt ist und es mittlerweile das Internet gibt.
Doch ich lasse mich von ihm nicht ins Bockshorn jagen und promeniere neugierig die Greifswalder Straße in südlicher Richtung herunter, vorbei an tristen Häusern und dem ungepflegten Ernst-Thälmann-Park mit seinem gleichnamigen Denkmal, das über und über mit schlecht gemachten Graffitos übersät ist. Hier möchte man noch nicht mal seinen räudigen Hamster begraben. Überall verwaiste Dauerbaustellen und unansehnliche Plattenbauten aus der ehemaligen DDR im Waschbeton-Look. Und hin und wieder entdecke ich längst ausgestorben geglaubte Videotheken. Wahrscheinlich besitzen die Bewohner hier noch Videorekorder, die so groß wie Tiefkühltruhen sind, in die sie lexikongroße VHS-Kassetten schieben, um sich in grauen Trainingsanzügen Made in GDR und sich literweise Ost-Cola hineinschüttend, Filme wie „Die Olsen-Bande - alle Folgen“ oder die Shows von „Ein Kessel Buntes – Best of“ reinzuziehen. Weil ihnen nämlich niemand gesagt hat, dass Deutschland inzwischen wiedervereinigt ist und es mittlerweile das Internet gibt.
Direkt gegenüber von Ernst Thälmanns verschmiertem Denkmal befindet sich der „Schnitzel-König“ mit XXL-Schnitzeln so groß wie Autoreifen und DDR-„Spezialitäten“ wie „Würzfleisch“, „Schopska-Salat“ und „Soljanka“, die hoffentlich nicht so alt wie die Wiedervereinigung sind und eigentlich ins Museum müssten.
Doch sobald man die Danziger Straße überquert hat, ändert sich wie durch Zauberhand das Stadtbild. Hipsterläden aller Art fallen einem ins Auge und die ersten, um 14 Uhr gerade aufgestanden Gothic-Hipster in
schwarzen Fledermaus-Mänteln und bleichen Gesichtern, kommen mir mit dampfenden Togo-Kaffee-Bechern in den dünnen Tattoo-Fingern entgegen.
Als ich links in die Hufelandstraße einbiege, fällt mir ein unscheinbarer Schriftzug einer Patisserie ins tortengeschulte Auge: „Jubel“. Komischer Name für eine Patisserie, denke ich und trete gespannt ein. Drinnen fällt mir sofort die geschmackvolle bauhausige Einrichtung mit pastelligen Fliesen (s. Foto Mitte) einer ehemaligen Fleischerei an der Wand positiv auf. Ich setze mich an einen schönen Tisch direkt am Fenster und beobachte amüsiert draußen auf der Straße zwei verfrorene Männer vom Ordnungsamt mit roten Nasen, die mit klammen Fingern Falschparker aufschreiben.
Nach mir kommen zwei männliche Hipster mit Schnauzbärten, wie ihn Folklore-Sänger Scott McKenzie in den 60igern trug. Ich wähle dreierlei Petit Fours (3,50 €, s. Foto oben) und bekomme von der freundlichen Bedienung den gutgemeinten Rat, in welcher Reihenfolge man sie am besten essen sollte (auf dem Foto oben von rechts nach links). Und sie hatte Recht! Zum ersten Mal bekam ich eine fachgerechte Tortenberatung! Dadurch erhielt ich das optimale Geschmackserlebnis. Die männlichen Hipster werden nach einer Weile von zwei weiblichen Hipstern mit bunten Hipstermützen abgelöst. Doch da schwebe ich schon im Siebenten Tortenhimmel und meine verwöhnten Geschmackspapillen jubeln so laut, dass ich Angst habe, dass die beiden weiblichen Hipster, die sich zwei Tische weiter gesetzt haben, können auf mich aufmerksam werden.
Zum guten Schluss gibt es noch einen Miniaturzimtschokokuss (s. Foto unten) auf Kosten des Hauses (keine Bestechung, denn ich habe mich nicht als Tortengraf zu erkennen gegeben, denn ich trug zur Tarnung einen schwarzen Gothic-Fledermaus-Mantel, eine bunte Hipster-Mütze mit lustigen Bommeln und einen angeklebten Scott-McKenzie-Schnauzbart. Nein! Natürlich nicht! Kleiner Scherz des Autors dieser Zeilen).
Der Miniaturzimtschokokuss gab mir den Rest, selbst meine hintersten Geschmacksknospen wurden nun auch noch wach und feierten Jahrmarkt und ich wusste endlich, wie die Pâtisserie auf ihren komischen Namen kam: weil sie sogar einen Tortengraf zum Jubeln bringen kann!
Der Miniaturzimtschokokuss gab mir den Rest, selbst meine hintersten Geschmacksknospen wurden nun auch noch wach und feierten Jahrmarkt und ich wusste endlich, wie die Pâtisserie auf ihren komischen Namen kam: weil sie sogar einen Tortengraf zum Jubeln bringen kann!
Jubel - feine Pâtisserie, Hufelandstraße 10, 10407 Berlin
Sonntag, 30. November 2014
SPORTLICH
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
NOSTALGIE
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Sonntag, 23. November 2014
Sonntag, 16. November 2014
ZUNGENBRECHER
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Sonntag, 9. November 2014
AUF DIE OHREN
Sonntag, 2. November 2014
DEHNBAR
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 02.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Sonntag, 19. Oktober 2014
GROBER SCHNITZER
| Pauline Stolze, Henry de Winter (Foto: ©Lo Graf von Blickensdorf) |
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 19.10.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Ab durch die Mitte
Wenn die Torte nicht zu mir kommt, gehe ich eben zu der Torte, dachte ich und stieg in die U-Bahn. Ich hatte morgens früh geduscht. Ich vergaß, dass man dann in der U-Bahn negativ auffällt. Vor mir saß eine alterslose Frau voller Akne-Pickel im Gesicht, die mit der einen Hand ein Laptop auf den Knien bediente und mit der anderen Hand einen stinkenden Döner aß, aus dem ein Teil sich auf Sitz und Fußboden verteilte. Zwischen meinen Beinen rollte scheppernd eine leere Bierdose hin und her. Ich
nahm schalen Biergeruch wahr. Neben mir saß ein Rapper mit hässlicher Bushido-Frisur Kopfhörern, aus denen schrille Geräusche kamen. Seine Geruchsaura bestand aus einer Mischung aus Schweiß, Sperma und Red Bull. Eine Sitzreihe weiter saß ein südeuropäisch aussehender junger Mann mit Basecap, der sich gedankenverloren mit einem Nagelknipser die Fingernägel pedikürte.
Zu allem Überfluss setzte sich eine blondierte Mittdreißigerin noch zu uns, die eine aufdringliche Parfümwolke vor sich hertrug, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Iiiihhh … Dicounter-Parfüm! Müssen die sich dann auch noch darin marinieren? Summa summarum: Ich passte hier nicht rein. U-Bahn fahren ist reine Körperverletzung. Beim Aussteigen drängelte sich ein Mann an mir vorbei, der wie zehn volle Aschenbecher stank. Auf dem U-Bahnhof roch es überall nach alten Turnschuhen und Pisse. Angeekelt machte ich, dass ich weg kam.
Zu allem Überfluss setzte sich eine blondierte Mittdreißigerin noch zu uns, die eine aufdringliche Parfümwolke vor sich hertrug, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Iiiihhh … Dicounter-Parfüm! Müssen die sich dann auch noch darin marinieren? Summa summarum: Ich passte hier nicht rein. U-Bahn fahren ist reine Körperverletzung. Beim Aussteigen drängelte sich ein Mann an mir vorbei, der wie zehn volle Aschenbecher stank. Auf dem U-Bahnhof roch es überall nach alten Turnschuhen und Pisse. Angeekelt machte ich, dass ich weg kam.
Vom U-Bahnhof Weinmeisterstraße ist es nur noch ein Rumkugelwurf bis zum Kaffeemitte, dass sich in einem alten DDR-Plattenbau puristisch eingerichtet hat. An den Tischen saßen vollbärtige Hipster mit Klapprechnern, die still vor sich hin hipsterten. Zwei tätowierte Frauen kamen plappernd herein, mit Handtaschen, die so groß waren, dass mir nicht ganz klar war, wer eigentlich wen trägt. Man hätte den Hausrat meiner Zweizimmerwohnung locker darin verstauen können, plus Toaster. Wenn man da eine volle Mülltüte reintut, findet man sie nie wieder. Praktisch eigentlich. Sie holten ebenfalls ihre Klapprechner heraus und abrupt erstarb das Plappern und ihre Gesichter wurden plötzlich von den Monitoren in bläuliches Licht gehüllt, so dass sie beim Casting für einen Tatort als Leiche in der Pathologie bestimmt den ersten Platz gemacht hätten.
Ich hatte mir ein Stück „Lemon-Bars“ (auf deutsch: Zitronen-Schnitte) an der Theke geholt und verzehrte es genüsslich. Es schmeckte sehr angenehm zitronig und am Puderzucker war nicht gespart worden. Endlich bekam ich den restlichen S-Bahn-„Duft“ aus der gräflichen Nase. Eigentlich eine glatte Zwei, aber für den englischen Namen gab es leider Punkteabzug. Undenkbar, dass in einem Café in Paris „Gâteau de crème de beurre“ einfach als „Buttercremetorte“ angeboten wird. Der Cappuccino bewegte sich erstaunlicherweise im höheren Geschmacksniveau. Kein Wunder, er stammt ja auch von der italienischen Kaffeerösterei Caffé Belardi.
Als ich daran dachte, dass ich mit der Stinkebahn gleich wieder in meine heimatlichen Gefilde fahren musste, wurde mir ganz schummrig. Nein, ich wollte diesen wunderbar zitronigen Duft in meiner Nase nicht gegen den Horror-Geruchs-Cocktail in der U-Bahn eintauschen und schnappte mir einen wohlriechenden Mini-Cooper von DriveNow und rauschte ab durch die Mitte.
Als ich daran dachte, dass ich mit der Stinkebahn gleich wieder in meine heimatlichen Gefilde fahren musste, wurde mir ganz schummrig. Nein, ich wollte diesen wunderbar zitronigen Duft in meiner Nase nicht gegen den Horror-Geruchs-Cocktail in der U-Bahn eintauschen und schnappte mir einen wohlriechenden Mini-Cooper von DriveNow und rauschte ab durch die Mitte.
KAFFEEMITTE, Weinmeisterstraße 9a, 10178 Berlin-Mitte
Sonntag, 12. Oktober 2014
ANGEZÄHLT
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 12.10.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".
Abonnieren
Posts (Atom)