Sonntag, 20. November 2011

Ehrliche Currywurst

Mittwochnachmittag vor der „Currystation 36“ in der Otto-Suhr-Allee. Ein Mann zahlt seine Currywurst und will gehen, als er vom Imbissverkäufer zurück gerufen wird. „Hier…“, er gibt dem Mann Geld zurück „…Sie haben einen Euro zu viel gezahlt!“ Der Mann guckt erstaunt: „Sie sind aber ehrlich!“ Da antwortet der Imbissverkäufer: „‘Ehrlich‘ ist mein Mädchenname.“

Diese Geschichte erschien am 20.11.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 18. Oktober 2011

Zunge in Autan




Von der avantgardistischen Gruppe Kraftwerk war ich damals in den 70er Jahren ein großer Fan. Ich hatte mir immer sehnlichst gewünscht, einmal in einem ihrer Musikvideos mitspielen zu dürfen.  
Die Berliner Gruppe Brandt Brauer Frick ist für mich heute das, was Kraftwerk einmal in den 70ern war. Nicht nur, weil sich ihr Artwork mit meinen Idolen etwas ähnelt. Sie sind nämlich auch avantgardistische Musiker und mixen außerirdische Cocktails aus Klassik, Techno und Elektronischer Musik zu einem angejazzten neuem Klangerlebnis.
In dem neuen Video "Pretender" von Brandt Brauer Frick geht es um das Zerrbild einer genusssüchtigen Gesellschaft, die sich letztlich selbst begräbt. Und ich mitten drin! So ist mein Wunsch doch noch in Erfüllung gegangen, wenigstens in einem Musikvideo von Kraftwerk des 21.Jahrhunderts mitzuspielen.
Für meine Rolle in dem Video werden mich viele Männer meines Alters beneiden und so mancher hätte dafür sicherlich viel Geld bezahlt. Doch ich kann Sie beruhigen. Da die alte Villa sich inmitten eines Sumpfgebietes befand, kamen auf einen Quadratmeter etwa einige Tredezilliarden Stechmücken und deshalb waren alle wohlgeformten Frauenbeine dick mit Autan eingeschmiert. Man kann sich vorstellen, wie sich eine Zunge anfühlt, die literweise Autan aufleckt - das schmeckt wie Hupe!
So, und nun viel Spaß bei der Suche nach dem Graf...

Sonntag, 16. Oktober 2011

KLAPPT DOCH!

Donnerstagabend im Intercity von Berlin nach Münster. Als der Zug in Wolfsburg hält, erschallt Beifall aus einigen Abteilen.

Diese Geschichte erschien am 16.10.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 2. Oktober 2011

Kaiserwetter und Kaisertorte

Französische Zitronencremetorte Kaiserdiele BerlinAls ein Arzt einmal Kaiser Wilhelm II. beruhigte, er habe nur einen kleinen Schnupfen, soll sich der Kaiser empört haben: "Einen großen Schnupfen! Bei mir ist alles groß!" Hier irrte der letzte Kaiser: Denn das 1917 gebaute Straßenbahnhäuschen in Friedenau ist sehr klein und Wilhelm II. steht heute noch als Auftraggeber in den Bauunterlagen.
Nach den unterschiedlichsten Nutzern entdeckte eines Tages Oliver-Lloyd Böhm das Kleinod und erweckte es aus dem Dornröschenschlaf. Der Multikönner Böhm ist Schauspieler, Innenarchitekt, Designer, Koch und Maler und machte so aus dem alten Straßenbahnhäuschen auf einer Verkehrsinsel mit viel Sinn für kleine schöne Details einen Weingarten mit Kaffeebuffet und nannte es „Kaiserdiele“, weil es direkt am Reitweg des letzten Deutschen Kaisers lag. In der liebevoll gestalteten Speisekarte im Stil der damaligen Zeit findet man einige Klassiker aus der Kaiserzeit und auf der letzten Seite steht: „Druck: Katholische Mädchenbesserungsanstalt, Berlin SW“. Da musste ich sehr lachen. Speisekarte Kaiserdiele Berlin
So aufgeheitert wählte ich eine „Französische Zitronencremetorte“ (s. Foto) und dazu einen Cappuccino. Selbstverständlich bekam ich ohne Aufforderung ein Glas Leitungswasser dazu. So muss es sein und so liebe ich es! Apropos: Als der Marinefreund Wilhelm II. einmal Probleme mit Trinkwasser hatte, meldete sein Diener aufgeregt: "Majestät, wir haben einen Rohrbruch!" Daraufhin antwortete der Kaiser: "Dann bringen Sie mir meine Admiralsuniform!"
Zurück zur „Französischen Zitronencremetorte“. Es war ein wunderbarer warmer, goldener Oktobertag, also Kaiserwetter, und ich genoss die Torte. Beim ersten Bissen schmeckte sie noch etwas verhalten, als würde man mit angezogener Handbremse fahren – doch dann, als hätte jemand heimlich die Handbremse gelöst, entwickelte sie etwas zeitverzögert ihr ganzes zitroniges Aroma. Und der Abgang schmeichelte der gräflichen Kehle. Toll!!! Eine wahre Kaisertorte! Torte ist der Rettungsring auf dem Strom des Lebens, dachte ich und alle meine Sorgen waren für eine kleine Weile verflogen.
Während meine Geschmacksknospen etwas zu tun hatten, schaue ich auf die umliegenden Häuser des Liane-Berkowitz-Platzes. In Friedenau haben so berühmte Leute gewohnt oder wohnen noch wie: Max Frisch, Uwe Johnson, Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke, Günter Grass und Herta Müller. Und Marlene Dietrich hat hier in der Nähe Theater gespielt und im Hinterzimmer einer nahegelegenen Kneipe haben sich die Comedian Harmonists gegründet.
Kaiserdiele Berlin 2Von Gästen am Nebentisch erfahre ich, dass nicht nur der Kuchen sondern auch die frankophil angehauchte Küche in der Kaiserdiele sehr zu empfehlen sei. Auch hier war Oliver-Lloyd Böhm sehr stilsicher, denn auch am Hofe des Kaisers wurde überwiegend französisch gegessen.
Ach ja, und noch einmal irrte „Willem Zwo“, als er nämlich zur Zukunft der Mobilität befragt wurde, antwortete er selbstsicher: „Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd.“

KAISERDIELE, Südwestkorso 62a, am Liane-Berkowitz Platz, 12161 Berlin, Tel.  030-82 71 82 21

Geöffnet im Sommer von 16 bis mindestens 24 Uhr geöffnet. Im Winter ab 18 bis ebenfalls 24 Uhr

Montag, 12. September 2011

Vom Regen in die Traube

Traube BerlinEs war ein vernieselter Septembertag und da war es das Beste, mit meiner charmanten Begleitung vom Regen in die Traube zu gehen. Das klassizistische Gebäude von 1840 wurde von Prof. Hans Kollhoff mit viel Liebe bis ins kleinste Detail in ein Schmuckstück verwandelt. Mit einer zentralen Essigkastanie im granit-gepflasterten Hofgarten und Holzbriefkästen im Durchgang, deren Maserung exakt parallel mit der Wandvertäfelung einher läuft, strahlt die ehemalige Schmiede eine unaufdringliche Ästhetik aus. Dazu passte das Menü, das uns in die höheren Sphären des Gaumengenusses teleportierte. Wir wurden von einer Kaskade der unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen überrascht, so dass wir unsere Münder nicht mehr zu bekamen. Das war ganz praktisch, den dorthin verbrachten wir den getrüffelten Vulcanoschinken mit herrlichem knusprigem Zwiebelkuchen, zu dem passend der ersteTraube Berlin 2 Federweißer des Jahres gereicht wurde.
Nach einer traumhaft fruchtigen Tomaten-Consommé in der wir eine deliziöse Riesengarnele fanden und gefolgt von einem oberköstlichen Gelbflossenthunfisch, transportierten wir in unsere immer noch permanent offenen Münder einen zarten rosagebratenen Lammrücken mit einer würzigen Kräuterkruste, der auf der Zunge zerging. So wie wir. Vor lauter Genuss. Unsere Geschmacksknospen kamen, ebenfalls wie wir, aus dem Staunen nicht mehr heraus und wurden zum Schluss mit einer famosen Dessertplatte belohnt. Ich richtete mein Augenmerk als Tortengraf natürlich sofort auf die famose Citronentarte, die wohl alle 999 Citronentarts, die ich in meinem Leben schon so verschnabuliert habe, in den Schatten stellte. Chapeau! Dieses durfte ich auch den beiden Köchen Christian Gau und Jörg Paulick, die nicht nur groß im Können sondern auch von Gestalt sind, persönlich in der blitzblanken Küche ausrichten. Außerdem kamen wir noch zu der Ehre, den zufällig anwesenden Prof. Kollhoff zu begrüßen.
Das die immer passend zum Gang abgestimmten Weine in der Traube erstklassig waren, brauche ich hier ja wohl nicht groß erwähnen – bei dem Namen! Insgesamt kann man sagen: Dieser Besuch kam einem kulinarischem Himmelsritt gleich. Nach dem schlaraffischen Abend bekam ich am nächsten Morgen von meiner charmanten Begleitung eine SMS in der stand: “Ich schwebe immer noch im 7. Gourmethimmel!”. Besser kann man es wohl nicht sagen.

Sonntag, 11. September 2011

CHARMEOFFENSIVE

Freitagnachmittag in der Postfiliale am Spandauer Damm. Der Geldautomat ist kaputt und vor den Schaltern ist eine sehr lange Schlange. Eine stark übergewichtige Dame jammert lautstark, dass sie nun kein Fahrgeld für den Bus habe. Ein junger Mann erbarmt sich und bietet ihr an, sie mit seinem Auto zum nächsten Geldautomaten zu fahren. Die Frau meint: "Wenn ick da überhaupt rin passe?" Er beruhigt sie: "Ick hab'n Transporter."
  
Diese Geschichte erschien am 11.9.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 30. August 2011

Wurststärke 12

Bevor ich mir ein schönes Rindersteak in die Pfanne haue, lese ich noch etwas in dem Buch "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung". 
Es ist eine Sammlung von mehr oder weniger guten Geschichten über Vegetarier, Veganer, Fleischesser und Fleischverehrer. 35 Satiriker und Humoristen haben sich hier einmal mit dem Fleisch- Obst- und Gemüsekonsum beschäftigt. 
Besonders erwähnenswert finde ich Barbara Rademachers "Fleischliche Gelüste - Ein Text mit Wurststärke 12 auf der Dichterskala" in einer wunderbar witzigen Sprache und von Volker Surmann "Das Schweigen der Hennen", weil Hühner meine Lieblingstiere sind. Summa summarum ist das Buch amüsant und lesenswert.
So, nun lege ich dass Buch beiseite und hole mir lieber ein paar Möhrchen aus dem Gemüsefach...

"Fruchtfleisch ist auch keine Lösung", Heiko Werning, Volker Surmann (Hrsg.), 190 Seiten, 12,90 €, erschienen im Satyr Verlag

Flughafen Schönefeld

In Berlin wird ein Flughafen gebaut und plötzlich wird von den Verantwortlichen festgestellt, dass so etwas auch Lärm verursacht. Schularbeiten nicht gemacht, setzen, Sechs!

Dienstag, 2. August 2011

Falscher Cappuccino und 12 Wespen

Das Schloss Charlottenburg wurde 1699 von Kurfürst Friedrich III. und späterer erster König von Preußen gegründet. Die Große Orangerie liegt links von der Schlosskuppel und der Vorplatz war früher der Küchengarten des Schlosses und dort steht noch ein 170 Jahre alter knorriger Maulbeerbaum. Maulbeerbäume wurden damals vom Alten Fritz überall in Brandenburg angepflanzt, um die immer hungrigen Seidenraupen mit den Blättern des Baumes zu füttern. Und nun kann man dort im Sommer in bequemen Korbstühlen Kaffee und Kuchen zu sich nehmen. Große Orangerie Chloss CharlottenburgEs war ein milder Augusttag und da ich hungrig wie eine Seidenraupe war, und der Kuchen zwischen 14 und 16 Uhr am süßesten schmeckt, wählte ich ein Stück Kirschstreusel, einen Cappuccino und dazu, wie üblich, ein Glas Leitungswasser. Die nette Kellnerin in langer Schürze erklärte mir in charmantem französischem Akzent, dass das Café leider nicht über einen Wasseranschluss verfügt und ich mit Selters vorlieb nehmen müsse. Ich teilte mir also den Kirschstreuselkuchen (für 3 Euro) mit zwölf Wespen, der recht ordentlich schmeckte – so ein bisschen zwischen Hohenzollern und Gardeoffizier. Ich nahm dazu einen Schluck Cappuccino, namens „Alfredo“. Das ist eigentlich eine Namenstäuschung, denn „Alfredo“ kommt nämlich in Wirklichkeit aus einer Hamburger Kaffeefabrik und hat Bella Italia nie gesehen. Und so schmeckte er auch. Die Minitasse kostete stattliche 3,30 EUR! 
Während ein Kind von einer Wespe gestochen wurde und von einem zufällig anwesenden belgischen Arzt-Ehepaar mit einem Wespenstich-Gel verarztet wurde und eine ältere Dame aus Hildesheim hysterisch gegen die Angriffe der Wespen mit der Speisekarte so heftig wedelte, dass ihr dabei die Tasse Pfefferminztee auf ihre beigefarbene Seniorenkleidung kippte, betrachtete ich entspannt die Kuppel des Schlosses und ich kam mir vor, als würde ich mich in einer kitschigen Fototapete befinden. Irrtümlicherweise wird von Touristenführern gerne behauptet, dass der Berliner Volksmund zur Schlosskuppel „Kaffeemütze“ sagt. Doch das stimmt überhaupt nicht. Oder haben Sie, lieber Leser, zu Hause noch eine Kaffeemütze? 
Während die Touristen hunderte Kilometer fahren müssen, um zu diesem schönen Anblick zu kommen, bin ich in weniger als fünf Minuten von zu Hause mit meinem ITS (Ich Trete Selbst) von 1953 da. Alles in allem eine schöne Kaffeestunde, aber - von 1699 bis heute wäre eigentlich genug Zeit gewesen, einen Klempner zu beauftragen, um eine Wasserleitung in die Große Orangerie zu legen. Oder?

Montag, 1. August 2011

Konditern in Münster

280934_188997757830621_100001611932224_525210_2314166_oIch lebe nun fast 30 Jahre in der Kuchen-Diaspora Berlin. Immer wenn ich meine Heimatstadt Münster besuche, fühle ich mich wie im Paradies - im Torten- und Kuchenparadies. Dann besuche ich meistens das Café Kleimann auf dem Prinzipalmarkt, wo schon mein Opa konditerte. Er kaufte sich dort gerne eine Tüte Marzipankartoffeln für 20 Pfennige, die er dann beim Schaufensterbummel „unter den Bögen“ genüsslich verzehrte. Das Café wurde durch Bomben im 2. Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt – nur der historische Giebel von 1627 war wie durch ein Wunder stehen geblieben. Dort sitze ich am liebsten Nusssahnetorte Café Kleimannauf den 50er-Jahren-Cocktailsesseln im plüschigen „Blauen Salon“ mit einer Nusssahne-Torte, die ich dann bis zum letzten Zungenschlag genieße und lese dabei mit Vergnügen die Westfälischen Nachrichten. Oder es geht direkt vom Bahnhof ins Café Grotemeyer in der Salzstraße, wo ich gerne inmitten von Gemälden des Menzel-Schülers und Sohn des Café-Gründers, Fritz Grotemeyer (1864 -1947), meine Sinne schweifen lasse. Die Atmosphäre dort ist sehr anregend und fördert allerlei Kreatives aus meinen kleinen grauen Gehirnzellen hervor. Café Grotemeyer MünsterDanach fällt es mir immer schwer, wenn ich die heimliche Kuchen- und Tortenhauptstadt Münster wie­der in Richtung Kuchenwüste Berlin verlassen muss. Mein Nachbar in Berlin würde jetzt sagen: "Nu mach' ma hier nich den Lohenjrien, Jraf."
Fotos: Christian Hömberg (oben), L.G.v.B. (unten)

Donnerstag, 28. Juli 2011

Eiserner Wille

Dienstagmittag. Trotz Mittagshitze joggt ein übergewichtiger Mann mit hochrotem Kopf durch den Charlottenburger Schlosspark. Hinten auf seinem T-Shirt steht: "Yes, I can!"

Diese Geschichte erschien am 24.7.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik Berliner Liste.

Montag, 11. Juli 2011

Kanzlerin mobil

Sonntagnachmittag. Über dem Lietzensee kreisen zwei Hubschrauber der Bundespolizei. Ein Mann sagt zu seiner Frau: "Kiek ma Else, olle Merkel kommt aus'm Wochenende zurück."

Diese Geschichte erschien am 10.7.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik Berliner Liste.

Freitag, 8. Juli 2011

MARIA


„Warstn?“ war deine lapidare Frage am nächsten Tag bei facebook, als ich 2010 nicht auf einem Berlinale-Empfang unserer Agentur war, weil ich eine Lesung hatte. Wir hatten unsere eigene Sprache. An deiner Art konnte ich spüren, was Du mir sagen wolltest. Und ich verstand es. Andere hätten dafür drei DIN-A-4-Seiten vollgeschrieben. Aber Du warst darin die Meisterin im ausdrucksvollen Reduzieren.
Wie in deinen Rollen im Kino und im Fernsehen. Da warst Du überzeugend authentisch und beängstigend echt. Deine ausdrucksstarken Augen und deine einzigartige Stimme machten aus deinen Charakteren wertvolle Juwelen. Immer wenn ich Dich dann sah, vergaß ich die private Maria restlos und sah nur die Filmfigur in Dir.
Aber deine größte Leidenschaft war deine schrille und geniale Kunstfigur „Paff Meisi“! Ich werde nie vergessen, wie Du damit im HAU am Halleschen Ufer die große Theaterbühne gefüllt hast. Alleine! Das hat mich so schwer beeindruckt und ich habe es Dir auch gesagt. Am selben Abend bekamst Du noch DIE GOLDENE KAMERA von HÖRZU als beste Nachwuchsschauspielerin und wir konnten uns deshalb nur ganz kurz sehen. Ich freute mich so sehr über deinen Preis!



“Aquas de Meisi” mit Maria Kwiatkowsky in einer Doppelrolle


Das Theaterstück, und nicht zu vergessen deine außerordentlichen Paff-Meisi-Kurzfilme, waren das Grandioseste, was ich in letzter Zeit an Komik gesehen habe. Selbst nach mehrmals wiederholtem Anschauen schüttelten mich immer wieder Lachkrämpfe. Göttlich! Ich bezeichnete dich immer als der „weibliche Helge Schneider“. Und ebenso wie Helge, warst Du obendrein noch eine begnadete Sängerin. Zum Beispiel deine Interpretation von Antonio Carlos Jobims Aquas de marco (Aquas de meisi - “Mir juckt die Banane”) – unnachahmlich und genial!
Und dann hast Du mir auf deinem letzten Geburtstag am 23. April 2011 in deiner neuen und sehr liebevoll eingerichteten Wohnung noch gesagt, dass ich der Vater von Paff Meisi sein könnte. Weil wir beide ein Menjou-Bärtchen tragen und Krawattenträger sind. Und überhaupt. Da fühlte ich mich sehr geehrt von Dir, war stolz wie Oskar und bin mit stolz geschwellter Brust nach Hause gegangen, nein, eher geschwebt.
Nun bist Du weg. Und Paff Meisi auch, der alte Sausack. „Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern, in alle Formen mich kleiden, in alle Sprachen des Lebens, um dir einmal wieder zu begegnen.“, hat Friedrich Hölderlin einmal gedichtet. Doch ich frage dich nur: „Bistn?“

Donnerstag, 7. Juli 2011

Alles Banane oder was?

Bananentorte Patisserie Pakolat 2Nein, nicht alles war Banane an dieser Torte, die ich heute in Prenzlauer Berg gegessen, nein, nicht gegessen sondern genossen habe. 
Sie hatte nämlich auch einen herrlich trockenen Biskuitboden, der einen schönen Kontrapunkt zu der köstlich leichten Buttercreme bildete, die liebevoll fruchtige Bananenstücke um- armte. Das ganze wurde von einem samtigen Schokoladenguss zusammengehalten.  Meine Geschmacksknospen auf der Zunge tanzten einen Rumba und ich aß die Torte extra sehr langsam, damit ich besonders lange etwas von ihr hatte. Ich saß vor der Konditorei und Kaffeerösterei Pakolat (www.kaffee-pakolat.de) an einem warmen, nachPakolat 4 Lindenblüten duftenden Sommertag an einem gusseisernen Kaffeehaustisch, aus einer Wohnung schallte das Lied “Michelle” von den Beatles zu mir herunter und ich hätte am liebsten die Zeit angehalten. Nach dem Verzehr sah mein Teller so sauber aus, als hätte die große Zunge einer Kuh drübergeleckt. Dazu trank ich einen sensationell kräftig schmeckenden Milchcafé. Bei starkem Kaffee werde ich immer schwach. Ich erfuhr von der Besitzerin, Frau Bohn, dass sie für die Torten zuständig ist und ihr Mann den Kaffee persönlich röstet. Ich Pakolatkonnte mir nicht verkneifen, ihr vorzuschlagen, eine neue Kaffeesorte zu kreieren, die “Bohn-Kaffee” heißt. Nomen est omen. In dem wunderbar nostalgisch eingerichteten Ladenlokal wähnt man sich in einem Kaufmannsladen der Jahrhundertwende und im Caféraum kann man durch ein riesiges Fenster direkt in die Backstube schauen. Frau Bohn erzählte, dass es den Laden erst seit anderthalb Jahren gebe und zu DDR-Zeiten sich dort wohl vermutlich eine Zweigstelle der Stasi befand, weil sie bei den Renovierungsarbeiten soviel Elektrokabel von den Wänden reißen mussten, dass man damit eine Kleinstadt mit Strom hätte versorgen können. Bevor die Stasi die Räume belegte, war dort die alteingesessene Bäckerei Haubold. Denn man fand tatsächlich bei den Renovierungsarbeiten in einer Ritze eine alte Haubold-Praline, die tatsächlich noch nach etwas Schokolade roch. In der Hektik kurz vor der Eröffnung verschwand jedoch unter mysteriösen Umständen die Praline. Pakolat 2Hat eine helfende Hand wegen totaler Unterzuckerung sie einfach kurzerhand verkasematuckelt? Oder hat sie sich die Stasi geholt, weil sich in der Praline geheime Dokumente befanden? Passend zur Bananentorte und dem Kalten Krieg fiel mir folgender Witz dazu ein, den man sich damals in West-Berlin erzählte: Kann man eigentlich aus einer Banane einen Kompaß machen? Na klar, abends die Banane auf die Berliner Mauer legen und da, wo am nächsten Tag abgebissen war, war Osten. Aber das ist schon lange her. Bei meinem nächsten Besuch probiere ich die Wirtschaftswundertorte (Erdbeertorte mit Buttercreme). Oder den Mohn-Mandel-Kuchen, oder die…, oder..., oder...?

Feinrösterei – Vorkosthandlung – Patisserie Pakolat, Raumer Straße 40, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg, Öffnungszeiten: Mo., Mi.-Fr. 10:00 - 20:00 Uhr + Di., Sa.-So. 10:00 - 18:00 Uhr