Nach den unterschiedlichsten Nutzern entdeckte eines Tages Oliver-Lloyd Böhm das Kleinod und erweckte es aus dem Dornröschenschlaf. Der Multikönner Böhm ist Schauspieler, Innenarchitekt, Designer, Koch und Maler und machte so aus dem alten Straßenbahnhäuschen auf einer Verkehrsinsel mit viel Sinn für kleine schöne Details einen Weingarten mit Kaffeebuffet und nannte es „Kaiserdiele“, weil es direkt am Reitweg des letzten Deutschen Kaisers lag. In der liebevoll gestalteten Speisekarte im Stil der damaligen Zeit findet man einige Klassiker aus der Kaiserzeit und auf der letzten Seite steht: „Druck: Katholische Mädchenbesserungsanstalt, Berlin SW“. Da musste ich sehr lachen. 
So aufgeheitert wählte ich eine „Französische Zitronencremetorte“ (s. Foto) und dazu einen Cappuccino. Selbstverständlich bekam ich ohne Aufforderung ein Glas Leitungswasser dazu. So muss es sein und so liebe ich es! Apropos: Als der Marinefreund Wilhelm II. einmal Probleme mit Trinkwasser hatte, meldete sein Diener aufgeregt: "Majestät, wir haben einen Rohrbruch!" Daraufhin antwortete der Kaiser: "Dann bringen Sie mir meine Admiralsuniform!"
Zurück zur „Französischen Zitronencremetorte“. Es war ein wunderbarer warmer, goldener Oktobertag, also Kaiserwetter, und ich genoss die Torte. Beim ersten Bissen schmeckte sie noch etwas verhalten, als würde man mit angezogener Handbremse fahren – doch dann, als hätte jemand heimlich die Handbremse gelöst, entwickelte sie etwas zeitverzögert ihr ganzes zitroniges Aroma. Und der Abgang schmeichelte der gräflichen Kehle. Toll!!! Eine wahre Kaisertorte! Torte ist der Rettungsring auf dem Strom des Lebens, dachte ich und alle meine Sorgen waren für eine kleine Weile verflogen.
Während meine Geschmacksknospen etwas zu tun hatten, schaue ich auf die umliegenden Häuser des Liane-Berkowitz-Platzes. In Friedenau haben so berühmte Leute gewohnt oder wohnen noch wie: Max Frisch, Uwe Johnson, Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke, Günter Grass und Herta Müller. Und Marlene Dietrich hat hier in der Nähe Theater gespielt und im Hinterzimmer einer nahegelegenen Kneipe haben sich die Comedian Harmonists gegründet.
Ach ja, und noch einmal irrte „Willem Zwo“, als er nämlich zur Zukunft der Mobilität befragt wurde, antwortete er selbstsicher: „Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd.“
KAISERDIELE, Südwestkorso 62a, am Liane-Berkowitz Platz, 12161 Berlin, Tel. 030-82 71 82 21Geöffnet im Sommer von 16 bis mindestens 24 Uhr geöffnet. Im Winter ab 18 bis ebenfalls 24 Uhr

























