Dienstag, 4. Februar 2020

Der elektrische Helmut


Eines Abends stand ich am Tresen des Kreuzberger Yorckschlösschens, als neben mir ein Mann um die Sechzig lauthals „Noch eine Luwine!“ bestellte. Als geborener Münsteraner stutzte ich und erkannte sofort: der spricht Masematte und kann nur auch aus Münster sein! Schnell kamen wir ins Gespräch. 
Es stellte sich heraus, dass der Mann „Helmut“ hieß, auch in Münster geboren war und in Berlin Berufschullehrer für Elektriker ist. Er merkte schnell, dass ich nach fast  vierzig Jahren Berlin nicht mehr so gut die „Speismakeimersprache“ drauf hatte und zählte mir laut von eins bis zehn oberlehrerhaft vor: „olf – bes – kimmel – dollar – hei – wohf – sore – schess - -tess -jut.“ Dabei zeigte er mir mit den Händen gestikulierend wie ein Gebärdendolmetscher immer die jeweilige Zahl.  
Ich war begeistert! Ein Stück münstersche Heimat mitten in Berlin! Ich erinnerte mich wieder an meine Zeit in Steffi Stephans Jovel, dass ja auch ein Masemattewort für „gut“ ist. Damals noch in einem alten Kino auf der Weseler Straße. Ich hatte es mit gestaltet und bemalt, führte die Galerie „Neuer Krug“, hatte mit Freund und Künstler Roxie Heart die „Scheinheilige Nacht“ erfunden und dort legendäre Konzerte von den Einstürzenden Neubauten, Hermann Brood, Eric Burdon, Udo Lindenberg, Champion Jack Dupree, Götz Alsmann, Bill Wyman usw. erlebt. 
Ganz zu schweigen von den After Show Partys bis in die frühe Morgenstunden. Das Jovel war in den Wilden Achtziger Jahren mein zweites Wohnzimmer. Mit dem Elektrischen Helmut wurde es noch eine lange luvinenreiche Kreuzberger Nacht mit vielen Geschichten aus vergangenen Münsteraner Zeiten. Wie heißt es doch so schön? (frei nach Wilhelm Busch) Olf, bes, kimmel im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit.
 
(Dieser Text erschien auch am 1.2.2020 in der Münsterschen Zeitung in der Kolumne "Seitenblicke")

Foto: Christian Schneegaß

Mittwoch, 29. Januar 2020

Heinrich-Zille-Karikaturenpreis

Eine sehr schöne Ausstellung möchte ich allen meinen Freunden wärmstens ans Herz legen. Noch bis zum 4. April 2020 ist die sehenswerte Heinrich-Zille-Karikaturenausstellung mit Cartoons zum Thema "Der nächste bitte!" von den besten Zeichnern Deutschlands (und mir) im Heimatmuseum Radeburg zu sehen. Ideal für Geist und Seele bei diesem trüben Wetter! Das wäre doch ein schöner Ausflug in das kleine romantische Städtchen Radeburg,
oder? Mit dem Auto sind es nur unter zwei Stunden Autofahrt und hinterher belohnt man sich mit einem original "Meißner Fummel" im Stadtcafé Mensch. 

Stadtcafé und Konditorei Mensch, Dresdner Str. 3, 01471 Radeburg/Sachsen (bitte auf die Öffnungszeiten achten)


Fotos (2): 
©Lo Graf von Blickensdorf

Sonntag, 12. Januar 2020

GUT ABGELAGERT

Frühstück im Brotgarten
Morgens in der Vollkornbäckerei Brotgarten in der Seelingstraße. Ein älterer Herr hätte gern ein Roggenbrot. Die Verkäuferin bedauert: "Das haben wir leider nur noch von gestern." Antwort: "Das passt gut - ich bin ja auch von gestern."
(Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 12.1.2020 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste")

Foto: ©Lo Graf von Blickensdorf