Sonntag, 29. Mai 2011

Gute Ehe

Freitagnachmittag im Charlottenburger Park. Ein älteres Ehepaar steht am Schlossteich und beobachtet schweigend die quakenden Frösche. Nach einer Weile sagt der Mann zu seiner Frau: "Nun musste dir nur noch einen rausholen und küssen - dann haste endlich deinen langersehnten Traumprinzen."

Diese Geschichte erschien am 29.5.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik Berliner Liste.

Sonntag, 22. Mai 2011

Tag der Arbeit

Ein sonniger Nachmittag auf einer Liegewiese im Charlottenburger Schlosspark. Ein junges Paar legt sich in Badekleidung auf eine Decke. Nach zehn Minuten sagt die Frau zu ihrem Begleiter: "Boah, in der Sonne liegen ist ja ganz schön anstrengend."

Diese Geschichte erschien am 21.5.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik Berliner Liste.

Sonntag, 15. Mai 2011

Tortengedicht

Die Bedienung brachte umgekippte Torte,
in der Luft lag Tonband-Bach.
Da lag sie nun – mir fehlten die Worte.
„Was ist?“ – Ich sagte „Ach!“

Alien im Tiergarten

Freitagnachmittag bei einem Picknick im Tiergarten. Plötzlich großes Geschrei. Alt und Jung versammeln sich um eine Stelle. Man diskutiert aufgeregt und zeigt auf ein "komisches Tier". Alle rätseln, was es wohl sein mag. Als man näher kommt, entpuppt sich das "komische Tier" als - Maikäfer.

Diese Geschichte erschien am 15.5.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik Berliner Liste.

Montag, 25. April 2011

Urlaubsreif

Sonntagmorgen in einer Bäckerei in Charlottenburg. Eine Frau verlangt fünf Schrippen, ...aber bitte schöne braune!" Die Verkäuferin hält eine Schrippe hoch: "Brauner sind die alle nicht." Da sagt eine andere Frau: "Die waren ja auch noch nicht im Urlaub."

Diese Geschichte erschien am 24.4.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL unter der Rubrik Berliner Liste.

Freitag, 15. April 2011

Eine Nacht in Casablanca

Natürlich war ich nicht nur eine Nacht in Casablanca. Das wäre ja auch schade gewesen. Aber in meinem Hotel war es so herrlich altmodisch, dass man glaubte, jeden Augenblick kommt Graf Pfeffermann mit Groucho Marx um die Ecke, wie in dem Marx-Brother-Film Eine Nacht in Casablanca. In einem Frühstücksraum mit orientalischen Glasdach (Foto oben links) und in Gesellschaft von turbanbedeckten Berbern und weiß verhüllten Tuaregs gab es ein karges Frühstück. Um nämlich später in der Patisserie Amoud richtig zuschlagen zu können. Obwohl erst Anfang März war, trug ich schon meinen leichten Sommeranzug.
Das Majestic-Hótel, das schon mal bessere Zeiten erlebt hatte warb noch mit Marmortafeln, auf denen stand: "Eau Courante, Chaude & Froide, Bains, Électricité, Ascenseur, Comfort Moderne". Es lag in der Innenstadt in einem verwinkelten Viertel, vor dem die Touristen gewarnt werden. Einmal fuhr ein Touristenbus vorbei, aus dem ängstliche Menschen sich ihre Nasen an der Scheibe platt drückten. Casablanca ist eine wunderschöne Stadt, die zu drei Vierteln aus heruntergekommenen, aber malerischen Art-Déco-Häusern besteht und morbiden Charme hat. Und das schönste: Nicht ein Tourist! Mich einmal ausgenommen. Das Straßenbild ist sehr morgenländisch und die Betriebsamkeit der Marokkaner ähnelt einem Ameisenhaufen. Die Menschen, ob arm, ob reich, sind alle freundlich und warmherzig.  Selbst von der Kakerlake morgens im Bad glaubte ich ein "Pardon Monsieur!" zu hören. 
Am besten ist, wenn man sich in eines der zahlreichen Straßencafés setzt und sich das Treiben, bei einem göttlich schmeckenden Kännchen Nâa-naa-Tee, auch Whisky Maroc* genannt, anschaut. Das ist tausend Mal besser als Kino und ich kam mir vor wie im Comic Tim & Struppi im Orient.
Dienstleistung wird hier noch groß geschrieben. Wenn ein Mensch aus Casablanca in Berlin an einem normalen Werktag über die Straße ginge, dächte er sicher, es sei gerade ein hoher Feiertag, an dem die Leute nicht arbeiten dürften. 
In der Patisserie Amoud ließ ich mir ein kleines Sortiment von Petit Fours zusammenstellen und setzte mich mit der Schachtel in ein Straßencafé, um sie dort bei einem Nâa-naa-Tee genussvoll zu verspeisen. Der Verzehr der Törtchen glich einem Himmelsritt wie im Märchen "1001 Nacht" - ich wusste einen Augenblick nicht mehr, wo ich war. In der Regel verzehre ich immer nur ein Törtchen am Tag. Aber wie sagte Groucho Marx so schön? "Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." Womit alles gesagt wäre.


*Whisky Maroc: Das marokkanische Nationalgetränk wird von den Berbern liebevoll als Whisky Maroc bezeichnet, weil die Farbe des Tees an Whisky erinnert. Er besteht aus chinesischem Grünen Tee, frischer Nâa-naa-Minze und viel Zucker.

Donnerstag, 14. April 2011

Jedes Törtchen endet einmal im Magen...












...sollen wir es deswegen nicht weniger bewundern? Hier das Törtchen "Opéra" zum Beispiel. Eine Symphonie aus Schokoladen- und Moccabuttercreme auf einem leckeren Mandelboden. Bewundert, gegessen und von einer außergewöhnlich charmanten Bedienung serviert in Albrechts Patisserie in der Fasanenstraße 29 in Berlin.

Montag, 11. April 2011

Ein Törtchen ist das Lächeln des Nachmittags

"Dass Sie jeden Tag Torte essen, kann ich nicht verstehen!" rief mir eine Dame auf dem Klausener Platz zu, als ich gerade zum Kon- ditern ging. Ich er- widerte ihr: "Ernst ist das Leben, heiter die Kunst, meine Liebe."
Wahre Kunst in Form und Geschmack ent- deckte ich in Albrechts Patisserie in der Fasanenstraße, die nach König Friedrich II. benannt ist, der hier in der Nähe eine Fasanerie betrieb. Die Patisserie liegt nur einen Mokkapralinenwurf vom Kurfürstendamm entfernt. Beim ersten Besuch nahm ich ein Champagner Mousse Törtchen (Foto oben) zu mir. Ein Traum! Ich vergaß beim Verzehr kurzzeitig wie ich heiße. Horst? Heinz? Egal. Der Geschmack zählte.
In dieser Patisserie muss man ein Mann des schnellen Entschlusses sein, denn in der Vitrine entdeckt man viele Törtchenkleinode, die ich alle gerne wie im Museum noch intensiver betrachtet hätte. Doch dann würde ich wohl noch um Mitternacht dort stehen. 
Bei meinem zweiten Besuch wählte ich das Zitronenmoussetörtchen (Foto rechts) im Bis- kuitmantel, gefüllt mit Erdbeermark. Sensatio- nell! Es schmeckte frisch und war luftig-leicht, hatte aber durch den Biskuitteig dennoch Biss. Einziger kleiner Kri- tikpunkt ist die für meinen Geschmack et- was mädchenhafte rot-weiße Einrichtung des Ladens à la Brigitte-Einrichtungstipp. Aber wenn man im siebten Tortenhimmel schwebt, könnte man auch im Kartoffelkeller sitzen.
Ach ja, der Dame vom Klausener Platz rief ich noch hinterher: "Ein Törtchen ist das Lächeln des Nachmittags."

Albrechts Patisserie, Fasanenstraße 29, Berlin-Charlottenburg, Öffnungszeiten Montags-Samstag 10 - 18 Uhr, Sonntags 12 - 17 Uhr 

Montag, 4. April 2011

Im Moment sehr begehrt


Wer derzeit einen Geigerzähler kaufen möchte, hat es jedoch gar nicht so leicht. Das Problem ist die immens große Nachfrage. So viele Personen sind verunsichert und haben deshalb den Handel leer gekauft. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern im Prinzip auch für alle anderen Länder. Aufgrund der momentan hohen Nachfrage muss jedoch mit stolzen Preisen gerechnet werden. Personen, die so schnell wie möglich einen Geigerzähler haben möchten, sollten bei der Auswahl sehr vorsichtig sein. Beim Großteil der Geigerzähler, die für den Privatkundenhandel von Interesse sind, handelt es sich um vergleichsweise einfache Modelle. Viele dieser Geigerzähler können gerade mal bis zehn zählen. Wer einen Geigerzähler haben möchte und sich wirklich absichern will, sollte deshalb einen Geigerzähler wählen, der auch die logische Verknüpfung von Zahlen beherrscht. Allerdings ist anzumerken, dass diese Fachleute ihren Preis haben und daher nicht für jedermann erschwinglich sind. Die Kosten liegen vergleichsweise hoch, weshalb man sich genau überlegen sollte, ob sich der Kauf am Ende bezahlt macht.

Sonntag, 3. April 2011

Ihr Revier

Donnerstagnachmittag. Ein paar jugendliche Touristen schlendern über die Schloßstraße in Richtung Schloss. Jemand aus der Gruppe fragt, ob hier noch Berlin-Mitte sei. Eine alte Frau, die etwas abseits ihren Dackel Gassi führt, ruft trotzig: "Dit is hier immer noch Charlottenburg - und dit is auch jut so!"

Diese Geschichte erschien am 3.4.2011 auch im Berliner TAGESSPIEGEL unter der Rubrik Berliner Liste.

Donnerstag, 17. März 2011

Leipziger Buchmesse


Vom 17. bis 20. März 2011 ist wieder die Leipziger Buchmesse. Beachten Sie bitte auch das Buch von Lo Graf von Blickensdorf "Werden Sie doch einfach Graf!", erschienen im Rotbuch Verlag.

Mittwoch, 9. März 2011

Serviererinnen mit Selbstmordabsichten

Die Serviererin knallte mir die Schwarzwälderkirschtorte auf den Tisch, als wäre es eine ordinäre Schmalzstulle in einer verrauchten Berliner 24-Stunden-Kneipe. Und den Milchcafé stellte sie so hin, dass der Henkel von mir wegzeigte. Als wäre ich eine achtarmige Krake, die keine Mühe hat, mit einem ihrer Tentakel um die Ecke zu greifen. Und das ganze obendrein noch mit einem Gesichtsausdruck, als hätte sie vor, sich in den nächsten zehn Minuten zu entleiben.
So geschehen in einem renommierten Berliner Kaffeehaus. Für immerhin 3,80 EUR pro Stück erwartet man eine gute ausgebildete Bedienung und keine übernächtigte studentische Aushilfskraft, die wahrscheinlich mehrere dieser Jobs machen muss, um ihr BWL-Studium zu finanzieren. So dicke habe ich es auch nicht. Schließlich bin ich kein Bundestagsabgeordneter, der immer zu 1000 Spesen aufgelegt ist.
Manchmal sehne ich mir die servilen Serviererinnen mit den weißen, frisch gestärkten Häubchen und Schürzchen aus dem legendären und nicht mehr existenten Café Schucan in Münster zurück, das Münsteraner Bauhaie auf dem Gewissen haben.
Ist eigentlich Serviererin heute kein Lehrberuf mehr? Das wäre doch eine gute Alternative für viele Jugendliche, die händeringend eine Lehrstelle suchen.
In der Patisserie Harry Genenz (http://www.harry-genenz.de/genuss.html) ist es gottlob nicht so. Hier faszinieren mich jedes Mal die mannigfaltigen, wunderschön verzierten Törtchen (s.Fotos) in ihren vielen Formen und Farben. Hier wird hohe deutsche Konditoreikunst mit der französischen Patisserie verschmolzen und zu kleinen kunstvollen Skulpturen arrangiert. Sie tragen poetische Namen wie Charlotte von Waldfrucht oder  Mousse Chocolat-Törtchen Madagaska. Die Bedienung ist perfekt, doch leider gehört es auch hier nicht zum Standard, dass man ein Glas Leitungswasser zum Kaffee serviert bekommt. Und auch die Hintergrundmusik lässt manchmal etwas zu Wünschen übrig.
Doch was sagte neulich eine meiner Freun-dinnen, der ich mein Leid klagte, zu mir? „Voll-kommen ist niemand – nur der Graf von Blickensdorf, wenn er Torte isst.“ Das lass’ ich hier mal unkommen- tiert so stehen.



Patisserie Café Harry Genenz, Reichsstraße 102a, 14052 Berlin-Westend

Freitag, 4. März 2011

Törtchen wie Gedichte


Nun beginnt wieder die Zeit, wo man melancholisch draußen in der Sonne sitzt und sich ein Törtchen zu sich nimmt. Dabei schreibt man sich Sätze in sein Notizbuch wie zum Beispiel: Ein Törtchen kann ein Gedicht sein - aber ein Gedicht niemals ein Törtchen.

(Törtchen aus dem Museumscafé Surreale Welten der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Eingang Berlin-Charlottenburg, Schloßstr. 70)

Mittwoch, 23. Februar 2011

Frau Dr. Mabuse

Ich warte schon seit Wochen, dass es in meinem Stammcafé wieder den grandiosen anbetungswürdigen  Mohnkuchen gibt. Aber die nette Besitzerin bedauert, dass sie mir heute wieder keinen servieren kann. Kein Wunder, denke ich, nach all den Katastrophen ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns eine Mohnkrise heimsucht. Ich esse stattdessen ein Stück Chocolat Royal und höre dabei "Love Is a Losing Game" von Amy Winehouse.
Ich schaue mich um. Das übliche Publikum. Unausgefüllte fünfzigjährige Frauen mit viel Zeit und schlecht gekleidete unrasierte Freiberufler, die das kostenlose und reichhaltige Zeitungsangebot weidlich ausnutzen. Am Tisch neben der Tür sitzt wieder wie stets eine Frau mittleren Alters mit hexenhaft abstehenden, grauen Haaren, die immer wie besessen und manisch in akkurater Schrift wieselflink irgendetwas in einen Schreibblock kritzelt, um alle fünf Minuten den Zuckerstreuer gerade zu rücken. Nach einer Stunde ist der Schreibblock voll. Ich nenne sie in Gedanken "Frau Dr. Mabuse". Sie erinnert mich an den Film Das Testament des Dr. Mabuse von 1962.
Man vermutet, dass sie aus der nahe gelegenen Psychiatrie der Schlossparkklinik kommt und Freigängerin ist. Ich habe etwas Angst vor ihr, denn wenn man Blickkontakt mit ihr bekommt, werden ihre Augen klein wie Stecknadelköpfe und ihr Blick ist dann so stechend, dass man einen echten Schmerz zu verspüren glaubt.
Schnell schleiche ich an ihr vorbei ins Freie, sorgsam darauf bedacht, ihr nicht in die Augen zu blicken.

Theaterhitze

Es ist ein bitterkalter Mittwoch- nachmittag in Berlin. Man sitzt gemütlich in der Patisserie Harry Genenz in der Reichsstraße und isst genüsslich eines dieser kleinen Kunstwerke. Plötzlich kommt eine junge Frau  herein und setzt sich theatralisch an den Nachbartisch. Während sie sich hektisch ihren Pullover über den Kopf zieht, fragt sie: „Finden nicht Sie nicht auch, dass es hier sehr heiß ist?“ Als man genauer hinschaut, erkennt man die Schauspielerin Anouschka Renzi.

Patisserie Café Harry Genenz, Reichsstraße 102a, 14052 Berlin-Westend, Tel.: 030 - 33 77 19 77

Montag, 24. Januar 2011

TREUE

Bei Kaiser’s am Klausenerplatz in Charlottenburg. Ein alter Mann steht an der Kasse und die Verkäuferin fragt ihn: „Sammeln Sie Treueherzen?“ Darauf der Mann: „So viele könn'se mir gar nicht geben - ick bin nämlich seit über 50 Jahren verheiratet.“

Sonntag, 2. Januar 2011

KASSENKRACHER

Mittwochnachmittag in einem Geschäft auf dem Kaiserdamm, das Silvesterfeuerwerk anbietet. Zwei Jugendliche fragen den Verkäufer: "Haben Sie 1-Euro-Kanonenschläge?" - Darauf der Verkäufer: "Ja, aber nur gegen eine Bescheinigung vom JobCenter."