Montag, 19. Juli 2010

Interview mit dem Grafen



K.J.S.: Darf ich Dir ein paar hoch brisante Fragen stellen, oder bin ich dir nicht blau genug?

GRAF: Gott bewahre. Ich mache da keine Unterschiede. Mein Vorfahre, Graf Ulrich der Vielgeliebte, sagte einmal so treffend: Adel sitzt im Gemüte - nicht im Geblüte.

K.J.S.: Ich kenne dich nun schon seit acht Jahren. Du siehst als Graf plötzlich 16 Jahre jünger aus als 2002. Allein deshalb hat es sich schon gelohnt, adelig zu werden, oder?

GRAF: Ich habe es bis heute noch nie bereut. Ich habe ja tatsächlich adelige Vorfahren. Diese Gene schlummerten wohl seit Jahrzehnten in mir. Und jetzt, wo ich es ausleben kann, bin ich glücklich. Und glückliche Menschen sehen immer jünger aus, als sie in Wirklichkeit sind. Hinzu kommt, dass ich mich jetzt anders kleide (siehe auch in meinem Buch auf Seite 16). Wenn man sich nur in den klassischen Geriatriefarben wie beige, grau, schlamm und uringelb kleidet, muss man sich nicht wundern, dass man aussieht wie der große Bruder von Johannes Heesters.

K.J.S.: Hättest du damit gerechnet, dass dein hinreißendes Buch Werden Sie doch einfach Graf! leichsam Fan-Gemeinden gebärt, die dir über ungezählte Kilometer hinweg zu Lesungen folgen?

GRAF: Nein, nicht im geringsten. Ich werde überall gebührend empfangen, und meine Fangemeinde wächst täglich. Es gibt Fans, die meine Comedy-Lesungen schon mehrmals hintereinander besucht haben. Da freue ich mich sehr drüber. Dass ich einmal im legendären SO36 in Kreuzberg vor über 250 Zuhörern aus meinem Buch vorlese, hätte ich nie gedacht. Außerdem lerne ich Städte kennen, wo ich noch niemals war und wohl nie hingekommen wäre. Im SO36 habe ich übrigens einen lustigen Klospruch gelesen: Hier starb mein Sohn, neun Monate bevor er geboren wurde, in einem wilden Handgemenge.

K.J.S.: Wie geht's deinen Begleit-Geniestreichen wie etwa dem Duftwasser Blaues Blut?

GRAF: Mit dieser Frage rennst du mir offene Drehtüren ein. Also, den Duft Blaues Blut habe ich auf meinem Sommersitz Gut Dünken entwickelt. Das Parfüm zum Buch. Der klassische Duft für Damen und Herren nach einem alten traditionellen Parfümrezept der Grafen von Blickensdorf, seit dem 19. Jahrhundert unverändert – jetzt habe ich ihn wieder frisch aufgelegt. Ich habe allerdings total unterschätzt, dass die Parfümherstellung so aufwändig ist. Aber mit Hilfe einer guten Freundin, übrigens auch eine Gräfin, habe ich ein ganz passables Parfüm hin bekommen, das sich durchaus mit den großen Düften dieser Welt messen kann. Erhältlich ist dieser Wohlgeruch in meinem Adels-Shop:

http://blauesblut.bigcartel.com/product/parf%C3%BCm-blaues-blut

Dort gibt es auch einen königlichen Bleistift, ein Adels-Ratzefummel und eine Gräfliche Fahrradklingel, die ich auch persönlich an meinem alten Miele-Fahrrad, das ich zuweilen auch liebevoll  ITS (Ich Trete Selbst) nenne, benutze. Diese formschöne Klingel wird in einer kleinen traditionsreichen Klingelfabrik nahe der holländischen Grenze hergestellt. Ich konnte exklusiv eine kleine Stückzahl für meinen Adels-Shop ergattern. Um die Langlebigkeit dieser Klingel zu garantieren, solltest du allerdings deinem Kammerherrn auftragen, die Mechanik einmal jährlich mit einem Tropfen guten Öls zu versehen.

K.J.S.: Ich habe eine Kammer-Frau(!). Ganz unter uns: Du kannst mir doch nicht erzählen, dass die Heerscharen von Damen jeglicher Provenienz, die dich als Graf jetzt unentwegt in Versuchung führen, spurlos an deinem Schlafrhythmus etc. vorüber gehen...

GRAF: Diese Frage passt nicht zu meiner Antwort. Ich bevorzuge nach wie vor mein Schlafzimmer, dass ich zumeist Kathedrale des Erotischen Elends nenne, weil ich schon an meinem zweiten Buch arbeite. Die Versuchung ist allerdings sehr groß. Aber der Kavalier genießt und schweigt...

K.J.S.: Und jetzt spielst du auch noch in Werbefilmen mit?

GRAF: Das ist richtig. Und zwar für Wulle-Bier.

K.J.S.: Wulle-Bier? Ist das ein Witz?

GRAF: Nein, das Bier gibt es wirklich. Es kommt aus einer kleinen Stuttgarter Brauerei und wird jetzt hier in den Berliner Scene-Clubs langsam zum richtigen Szene-Kult-Getränk. Wahrscheinlich weil sich das Wort "Wulle" sehr berlinerisch anhört. Schon Sam The Sham and the Pharaos sangen damals 1965 Wulle Wulle (hihi, kleiner Witz). Da war ich 14 und im Internat. Der geniale Regisseur Oliver Kyr hat mit seinem Team eine schöne kleine skurrile Reihe gedreht: Der Graf und sein Töchterlein. Meine Tochter spielt übrigens die wunderbare Schauspielerin Nike Martens.

K.J.S.: Bei einer deiner letzten Lesungen hast du nebenbei ein Schwert verschluckt. Verändert der Adel auch die Essgewohnheiten?

GRAF: Absolut! Ich habe ja in mein Programm kleine Zaubertricks und akrobatische Übungen eingebettet. Und inspiriert durch die Einladung der Ritterbruderschaft Edler Namen bin ich auf das Schwert gekommen, mit dem schon meine Vorfahren in die Kreuzzüge gezogen sind. Ich verschlucke es bis zum Griff. Deshalb darf ich an dem Tag nichts essen, sonst ziehe ich nämlich einen gespickten Schaschlik-Spieß wieder heraus. Und das möchte ich den Zuschauern nicht zumuten. Wichtig ist, dass das Schwert immer schön scharf ist, denn sonst verderbe ich mir bei der Nummer den Magen. Ich habe dadurch sehr abgenommen. Egal, Adel verpflichtet.

K.J.S.: Du hast auch im Yorckschlösschen gelesen. Das machte den Eindruck eines gefeierten Heimspiels...

GRAF: Das war es auch. An diesen Abend denke ich immer noch gerne zurück. Eine glückliche Fügung wollte es, dass die großartige Jazzsängerin Nina Ernst live (!) das von ihr extra für mich komponierte und getextete Lied  Achtung, der Graf kommt! sang und es dadurch ein fulminanter Abend wurde. Sehr viel dazu beigetragen haben auch der Chef vom Yorckschlösschen und sein Team, denen ich an dieser Stelle meinen Gräflichen Dank aussprechen möchte. Das legendäre Yorckschlösschen findet übrigens auch in meinem Buch löbliche Erwähnung.

K.J.S.: Woran liegt es, dass Symptome wie Orientierungslosigkeit, allgemeine Flugangst, Ess- und Trinkstörungen oder auch frühzeitiges jähes Altern speziell bei Menschen diagnostiziert werden, die noch nie im Yorckschlösschen waren oder einfach zu selten dort hin gehen?

GRAF: Weil das Yorckschlösschen ein magischer Ort ist. Ich liebe besonders den Yorckschlösschen-Biergarten über alles. Wenn es meine knapp bemessene Zeit erlaubt, gehe ich dort immer hin. Es gibt nichts Schöneres, als in einer lauen Sommernacht dort ein leckeres Bier zu trinken, sich eine schmackhafte, hausgemachte Rindsroulade (schön mit Rotkohl) zu Gemüte zu führen und den eiligen Schritten der hübschen Kellnerin im weißen Kies zu lauschen. Dann könnte ich ausrufen: Oh Augenblick, verweile, du bist so schön!

K.J.S.: Was möchtest du noch los werden, bevor ich dir für dieses aufschlussreiche Gespräch vielmals danke?

GRAF: Liebe Leute, kauft alle mein Buch. Damit tut ihr Gutes. Denn der Reinerlös ist für einen guten Zweck - nämlich für mich!

K.J.S.: Ich danke dir für dieses aufschlussreiche Gespräch vielmals!

GRAF: Ganz meinerseits, bis danzig...

(Das Interview führte Karl Johannes Schindler)

Freitag, 16. Juli 2010

Die Volksunterhose

Als kleine Ergänzung zu meinem Buch hier ein Brief, der aus terminlichen Gründen leider nicht gedruckt werden konnte:

An die unter Insolvenzverwaltung stehende Schiesser AG:
Betr.: Geschäftsidee
Sehr geehrte Damen und Herren! 
Aus der Tagespresse erfuhr ich mit Schrecken, dass es Ihrem Unternehmen sehr schlecht geht. Da unsere ganze Familie männlicherseits traditionell ausschließlich Schiesser-Unterwäsche (Doppelripp mit Eingriff) trug und immer noch trägt, wäre es sehr schade, wenn so eine althergebrachte Firma vom Markt verschwinden würde. Deshalb möchte ich Ihnen vorschlagen, eine neu entwickelte Unterhose herauszubringen, die von der Bevölkerung in Massen gekauft wird. Eine so genannte „Volksunterhose“. Dafür würde ich Ihnen sogar meinen Namen zur Verfügung stellen („Graf Blickensdorf Underware“). Und unser Familienwappen könnte quasi an der Stelle prangen, hinter der sich die Männlichkeit verbirgt. Sie wissen schon was ich meine („zwinker, zwinker“).
Es ist ja bekannt, dass sich Produkte mit Adelsnamen sehr gut verkaufen und bei den Kunden Vertrauen hervorruft. Als Beispiel nenne ich nur „Fürst Metternich Sekt“, Graf Lambsdorff (trotz Vorstrafe!) von der FDP, Steffi Graf (nein, kleiner Scherz) und Graf Zeppelin.
Alles weitere würde ich gerne mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch besprechen und verbleibe
Hochachtungsvoll
Lo Graf von Blickensdorf

Und hier die Antwort vom 20. März 2009:

Sehr geehrter Herr Graf von Blickensdorf, 
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 17. Februar 2009.
Wir freuen uns sehr über die Welle der Sympathiebekundungen, die unserem Unternehmen und der Marke Schiesser in den letzten Wochen entgegengebracht wurde; sind sie doch Zeichen und Ausdruck dafür, dass Schiesser als feste Größe in der Wäschebranche nicht vom deutschen Markt wegzudenken ist.
Vielen Dank für Ihr Angebot, uns Ihr Familienwappen zur Vermarktung unserer Produkte zur Verfügung zu stellen. Wir freuen uns natürlich sehr über ideenreiche Anregungen und Vorschläge zur Unterstützung der Marke Schiesser. Momentan sehen wir leider keine Einsatzmöglichkeiten für Ihr Wappen. Wir werden die Idee jedoch im Auge behalten und bei Bedarf gerne wieder auf Ihr freundliches Angebot zurückkommen.
Mit freundlichen Grüßen
S C H I E S S E R   A G
Sprecher des Vorstandes
Rudolf B.

Montag, 12. Juli 2010

Schloss Blickensdorf


Erste Erwähnung fand Schloss Blickensdorf am 1. August 1776 in einer Urkunde, als mit der ersten polnischen Teilung das Herzogtum Pomerellen an das Königreich Preußen fiel, wo es Teil der Provinz Westpreußen wurde, auch Polnischer Korridor genannt. Traditionell war das Gebiet ethnisch gemischt besiedelt: Hier wohnten Deutsche, Polen und Kaschuben.
Der Gründer des Schlosses war Graf Bernhard der Erste, der aus dem Flecken Blickensdorf bei Baar in der Schweiz stammte. Als es zunehmend zu Repressalien gegen die Protestanten kam, verließ er die Schweiz und ließ sich im Herzogtum Pomerellen nieder und errichtete auf den Grundmauern einer verlassenen Slavenburg das Schloss. 
Auf Schloss Blickensdorf wurde das Theaterspiel sehr geschätzt. Zu diesem Zweck wurde von Graf Ulrich dem Vielgeliebten ein Nebengebäude als Hoftheater errichtet. Da sich seinerzeit die Aristokratie nicht gerne wusch, aber die Theateraufführungen wegen der starken Körperausdünstungen nicht auszuhalten waren, erfand Graf Ulrich der Vielgeliebte ein Parfüm namens „Blaues Blut“, das ein Nachfahre heute wieder nach altem Rezept herstellt.
Auch soll es auf Schloss Blickensdorf gespukt haben. Das kam so: Graf Gisebrecht der Schöne hatte einen Hang zum Personal. Und als eines Tages die schöne Gärtnerstochter Bärbel von ihm schwanger war, gab ihr heimlich seine eifersüchtige Frau, die Gräfin Josepha, Gift. Als die schöne Bärbel daraufhin von der Dienerschaft tot in der Orangerie gefunden wurde, heuchelte Gräfin Josepha Trauer und sorgte für eine prunkvolle Beerdigung in der Familiengruft. Genau auf den Tag ein Jahr später wurde Gräfin Josepha exakt an der selben Stelle in der Orangerie, an der die Gärtnerstochter lag, unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Seitdem spukten die Gärtnerstochter und die Gräfin in ihren weißen Totengewändern gemeinsam Hand in Hand durch das Schloss.
Während des Zweiten Weltkriegs war das Schloss ständig durch den Beschuss russischer Panzer bedroht. Die Grafenfamilie flüchtete unter abenteuerlichen Umständen nach Westfalen, wo sie bei befreundeten Adelsfamilien Unterschlupf fand. Nach dem Krieg war das Schloss notdürftig zum Krankenhaus umfunktioniert worden, bis es 1949 unter rätselhaften Umständen bis auf die Grundmauern abbrannte. Heute befindet sich genau an der Stelle von Schloss Blickensdorf ein Lidl-Parkplatz. Dort wollen Einheimische schon öfters um Mitternacht in der Nähe des Unterstands der Einkaufswagen zwei weißgekleidete Frauen gesehen haben...

Dienstag, 29. Juni 2010

Entsetzliche Ferien

Was gab es in der Kinderzeit Schöneres, als nach dem samstäglichen Wannenbad im Schlafanzug, noch nach "Badedas" duftend, mit dem Ohr an der elterlichen Musiktruhe mit Zehnplattenwechsler zu kleben und Kinderkrimis hören?
Für alle jungen und jung gebliebenen Fans dieses Genres gibt es die CD "Die Ferienbande und die entsetzlichen Ferien" von dem Radio-Comedy-Duo Kai & Sven, die die unzähligen Hörspiele von "TKKG" bis "Fünf Freunde" parodieren. Die Ferienbande, bestehend aus Bernd, früher genannt Beate, Baul, Billy, genannt Bröckchen, Babsi und Bambi, der Hund, bestehend aus allerhand skurrile und turbulente Abenteuer auf der Ferieninsel Rügen.
Da ist zum Beispiel "Strandkorb-Norbert" (exzellent gesprochen von Konrad Halver), der hanebüchene Geschichten über die Insel Rügen erzählt: Von dem Edeka-Markt, der vor hundert Jahren von einem tunesischen Einwanderer und seiner Frau, einer echten baskischen Tusnelda, gegründet wurde, unde über das Gruselhaus in der Mitte der Insel, in dem später ein Single-Club war. Aber genau für das Gruselhaus interessiert sich die Ferienbande nun mal - wie das in Kinderkrimis immer so ist!
Die CD ist aufwendig produzier, und die bekannten Hörspielsprecher und Urgesteine Lutz Mackensy ("Fünf Freunde"), Konrad Halver ("Winnetou") und Oliver Rohrbeck ("Die drei ???") nehmen sich dabei selbstironisch auf die Schippe. 70 Minuten Nonsens, Spaß und Satire. Beim Hören fühlt man sich direkt wieder in seine Kinderzeit versetzt und riecht förmlich den Badedas-Duft. Für meinen Geschmack leider nicht anarchistisch genug - aber für mich liegt die Kinderkrimizeit ja auch schon Jahrhunderte zurück. Und Musiktruhen gibt's heute auch nicht mehr.

"Die Ferienbande und die entsetzlichen Ferien", Label Funstation, CD und MP3

Donnerstag, 24. Juni 2010

Der Ball ist Kunst

Das Runde muss in das Eckige: Runde Brötchen in den eckigen Toaster. Oder die runde CD in die eckige CD-Hülle. Aber auch das eckige Bild in das runde Museum of Modern Art. Und Ecki?
 (Illustration: Öl auf Leinwand, 55 x 50 cm)

Mittwoch, 23. Juni 2010

Die neue Geizigkeit

Der Gemüsehändler Hassan bei mir an der Ecke verwickelte mich in ein interessantes Gespräch über Wassermelonen. Ich wusste ja gar nicht, dass sie unter anderem auch nierenreinigend sind. Weil ich meinen Nieren mal was Gutes tun wollte, fragte ich Hassan, ob ich eine Melone haben könne. Als er bejahte, schnappte ich mir ein prächtiges Exemplar und ging weiter. "Halt...!" rief mir Hassan hinterher. Als ich ihn verwundert anschaute, sagte er: "...kosten 2,50 das Stück. Ich kann sie nicht verschenken, weil ich davon leben muss." Ich hatte gedacht, er schenkt sie mir.
Nein. So war es gar nicht. Diese Geschichte habe ich mir ausgedacht. Und warum? Weil es mir in letzter Zeit ähnlich wie Hassan oben in der Geschichte geht. Wenn ich nämlich mit vermögenden Freunden über mein Buch rede und sie dann Interesse bekunden und gerne eines haben möchten. Wenn ich ihnen dann eine Widmung reingeschrieben habe und dann höflich um 16,90 Euro bitte, schauen sie mich an wie ein Pferd, das zum ersten Mal vor die Kutsche gespannt werden soll. Dabei geben sie an einem Urlaubstag so viel Geld aus wie ich im ganzen Monat.
Und das Seltsamste ist: Daraufhin werde ich dann später von den "Geschröpften" nur noch sehr kühl gegrüßt. Mit einem Blick, als hätte ich ihr Tafelsilber mitgehen lassen. Und das alles wegen läppischen 16,90? Na Bravo! Feine "Freunde" sind das. Geiz ist die Armut der Reichen, schrieb einmal Werner Mitsch so treffend.
Ach so, übrigens: Gestern hat mich die Putzfrau, die bei mir im Haus immer die Treppe putzt, angesprochen. Sie habe mich im Fernsehen gesehen und fragte nun, wie teuer mein Buch sei. Wenn es nicht zu teuer wäre, würde sie es sich kaufen. Ich schenkte es ihr.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Ist das die Unendlichkeit?

Wie weit geht das Foto im IPhone? Unendlich? Und darf man das überhaupt, weil so Schwarze Löcher entstehen könnten? Ist das Universum unendlich oder hört es irgendwo auf, nämlich an einer Mauer, die mit einer Blümchentapete tapeziert ist? Trotz einer starken Lupe habe ich es an meinem IPhone nicht herausgefunden. Albert Einstein sagte einmal dazu: "Das Universum und die Dummheit der Menschen sind unendlich - wobei ich mir beim Universum nicht ganz sicher bin."

Dienstag, 8. Juni 2010

New York für 90 Euro

Der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, müsste stolz sein, dass die Künstlerin Isa Genzken ein Collagen-Buch namens "I love New York, Crazy City" geschaffen hat. Der über 4 Kilo schwere, hervorragend gedruckte Bildband ist groß wie ein Laptop.
Unter dem Einfluss der enormen Dynamik der Stadt New York ist der scheuen Künstlerin eine hervorragende und sehr private Momentaufnahme gelungen.
Es sind Schnappschüsse, Selbstportraits, Hotel- und Restaurantrechnungen, Werbeanzeigen amerikanischer Zeitungen, Preisschilder und bekritzelte Bierdeckel unter- und übereinander, kreuz und quer, die die Autorin mit Klebeband nicht nur zusammen hält, sondern auch teilweise einrahmt. Dadurch entstehen verblüffend echt wirkende vermeintlich dreidimensionale Seiten.
Doch was hier so zufällig und leicht wirkt, wie ein zufällig entstandenes Sammelsurium, ist fein komponiert und voller ironischer Anspielungen gepaart mit leidenschaftlichen Liebeserklärungen an New York.
Ich hatte einmal an einem verregneten Nachmittag das große Vergnügen, mit Isa Genzken gemeinsam ihren Bildband durchschauen zu dürfen. Nach den 460 Seiten, ihren ausführlichen Kommentaren und 3 Milchcafés, kam es mir vor, tatsächlich mit ihr zusammen in New York gewesen zu sein. Besser kann man New York nicht zeigen.
Deshalb fordere ich Sie, Mr. Bloomberg, hiermit auf, Isa Genzken zur Ehrenbürgerin Ihrer Stadt zu machen. Und nicht lange überlegen! Versprochen?

Isa Genzken, "I love New York, Crazy City", 460 Seiten, Verlag jrp/Ringier, 90 Euro

Sonntag, 6. Juni 2010

Kuchenteller

Diese und andere originelle Kuchenteller gibt es bei dem Kreuzberger Kult-Konditor Mr. Minsch (siehe auch ausführlichen Bericht mit der Überschrift "Käsekuchen to go" weiter unten).

 Mr. Minsch, Yorckstr. 15, 10965 Berlin-Kreuzberg, Telefon 28 45 08 94, U-Bhf. Mehringdamm

Donnerstag, 3. Juni 2010

Erdbeerzeit

Wer Erdbeeren nachmacht oder verfälscht oder sich nachgemachte oder verfälschte Erdbeeren verschafft und in die Supermärkte bringt ist ein  - Jogurtfabrikant.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Die geheime Welt des Mr. X

Ich beobachte einen elegant gekleideten Mann, der unter dem Stahlskelett der klapprigen Hochbahn in Kreuzberg etwas befestigt. Als ich näher komme sehe ich, wie er sorgfältig einen kleinen Mann auf einem Fahrrad an einen Stahlträger klebt. Es ist eine dieser Plastikfiguren, wie sie in jedem Modellbahngeschäft erhältlich sind. Ein paar Typen mit Basecaps und Migrationshintergrund in der Nähe schauen kurz misstrauisch zu uns herüber, widmen sich aber dann wieder schnell ganz ihren Handys.
Ich erfahre von dem Mann, der seinen Namen nicht sagen möchte, dass er Künstler ist und schon seit einigen Jahren die Stadt mit seinen kleinen Figuren bestückt. "Ganz Berlin ist mein Atelier." sagt er und klebt eine weitere Figur auf einen wild wuchernden Zweig. "Sogar am Brandenburger Tor klebt schon seit Wochen eine unentdeckte Figur,..." schmunzelt er schelmenhaft, "...trotz der vielen Touristen. Manchmal besuche ich sie..."
Warum nur Figuren und keine Bilder, frage ich ihn. Er entgeht so der kunsthistorischen Last, die das Malen von Bildern mit sich bringt, antwortet er. Er überlässt seine kleinen Figuren der harten Realität - wie im richtigen Leben. Manche Figuren bleiben Jahre und manche sind schon nach wenigen Stunden verschwunden. "Ich sage niemanden, wo sich die Figuren befinden. Das überlasse ich dem Zufall des Betrachters. Umso größer und rätselhafter ist der Augenblick, wenn man zum Beispiel so eine kleine Figur Zeitung lesend auf einer weggeworfenen Coladose entdeckt. Und Fotos mache ich davon auch nie, weil es Aktions-Kunst ist. Manche Figuren werden nie entdeckt - aber das gehört zu meinem Konzept." Während er das sagt, schraubt er die Klebstofftube wieder zu, verabschiedet sich höflich und saust mit seinem Fahrrad davon. Also, Augen auf, vielleicht entdeckt man ja den geheimen Mikrokosmos des introvertierten Mr. X irgenwo in Berlin und lässt sich davon verzaubern.

Freitag, 21. Mai 2010

Klingelingeling, hier kommt der Grafenmann

Gegen diese Fahrradklingel ist der Kölner Dom nur ein müdes Gebimmel. Diese Klingel wird jetzt schon in Reiseführern schlicht als »Sound of Charlottenburg« bezeichnet. Denn ich benutzte sie sogar persönlich an meinem Miele-Fahrrad. Aus diesem Grunde ziert sie eine kleine eingearbeitete Krone. Sie ist laut, und sie muss es auch sein, was jedem klar wird, der einmal vor Ort die Kantstraße oder den Kurfürstendamm in Charlottenburg zu sehen bekommen hat: Die Fahrradklingel ist dort überlebenswichtig und ich betätigte sie praktisch auf jedem Meter meines Weges, um im Verkehrsgewühl auf mich aufmerksam zu machen.
Diese formschöne Klingel wird in einer der letzten kleinen Klingelfabriken direkt an der holländischen Grenze in einem aufwändigen Arbeitsprozess in kleiner Menge von liebevoller Meisterhand hergestellt. Wir konnten uns noch exklusiv eine kleine Stückzahl für unsere verehrte Kundschaft sichern. Um die Langlebigkeit dieser Fahrradklingel zu garantieren, sollten Sie Ihrem Kammerherrn auftragen, die Mechanik etwa einmal jährlich mit einem Tropfen guten Öls zu versehen. (erhältlich hier im Adels-Shop, äh..., die Klingel, nicht das Öl)

Sehen bald alle Banken so aus, Herr Ackermann?

Donnerstag, 20. Mai 2010

Hier entstand "Blaues Blut"


Hier in dieser Hexenküche habe ich die letzten zwei Monate zugebracht, bis mir fast die Nase abgefallen ist. Zwischendurch musste ich immer an Kaffeebohnen riechen, um die Nase zu neutralisieren. Doch es hat sich gelohnt - herausgekommen ist das luxuriöse Parfüm "Blaues Blut" für Damen und Herren, dass sich durchaus mit den gängigen Weltmarken messen kann.

Dienstag, 18. Mai 2010

Euro-Gedicht

Mein kleiner Euro.
Du bist mein Teuro.
Was ich nicht mag?
Du bist zwei Mark!

Ab 1. Juni neue EU-Warnhinweise

Am 1. Juni 2010 tritt die zweite Phase der EU-Richtlinien für Lebensmittelverpackungen in Kraft. Nach den Tabakwarenherstellern sind nun alle Lebensmittelhersteller verpflichtet, Warnhinweise gut sichtbar auf ihre Verpackungen zu drucken. Hier sind schon einmal ein paar Beispiele:

Und ab 1. Januar 2011 tritt die dritte und letzte Phase der EU in Kraft. Von da an müssen auch an allen Autos, Flugzeugen und Schiffen Warnhinweise angebracht sein.

Sonntag, 16. Mai 2010

Graf fitti


Das war heute im Tagesspiegel. Die 13 Euro für das bedruckte T-Shirt haben sich schon gelohnt. Meine Zeit für den 10-km-Lauf betrug übrigens 01:02:01 - meine Bestzeit auf dieser Strecke (zum besseren Lesen auf den Zeitungsausschnitt klicken).

Samstag, 15. Mai 2010

Adels-Ratzefummel

Nein, ein Ratzefummel ist nicht dass Messgewand von Papst Ratzinger. Es ist ein Radiergummi. Aber kein gewöhnlicher. Die Heimat unseres formschönen Radiergummis ist ein kleines Dorf in Amazonien, in dem die Gummibäume für den Radiergummi im sonnenreichen, vom feucht-tropischen Klima des Amazonabeckens gedeihen. Wir beziehen sie vom einzigen Hersteller, dem Compañero Diaz del Castillo, der sich den Adelsradiergummis verschrieben hat – mit Erfolg, wie zahlreiche Prämierungen belegen. In seiner kleinen Manufaktur wird jedes einzelne Radiergummi von Hand gerichtet und einzeln auf Funktionsfähigkeit und Radiersicherheit geprüft. Eine solche Nacharbeit führt zu einem absolut feinen und rückstandfreien Lauf des Radierens. Zahlreiche renommierte Designer aus dem In- und Ausland gaben diesem wertvollem Stück sein innovatives Aussehen. Radieren Sie energisch alles Bürgerliche in Ihrer Umgebung weg.

(Erhältlich im Adels-Shop. Klicken Sie bitte oben rechts auf die Parfüm-Flasche und dann auf die  jeweiligen Produkte)

Käsekuchen to go

"Käsekuchen, Käsekuchen!" ruft ein kleines besoffenes Schweinchen in einem genialen Cartoon von dem leider viel zu früh verstorbenen F.K.Waechter, während im oberen Geschoss eines Hauses sich jemand aus dem Fenster lehnt und "Pinki hierher!" ruft. 
Als ich gestern in blaublütiger Begleitung dem Kultkonditor Mr. Minsch in Kreuzberg meine Aufwartung machte, stand mir eigentlich der Sinn nach Käsekuchen. Es ist eine ungewöhnliche Konditorei, eigentlich nur ein Straßenverkauf, weil es keine Gasträume gibt. Wenn jedoch das Wetter schön ist, kann man draußen in einer skurrilen Mischung aus 70er-Jahre-Deko und Botanischer Garten zwischen Riesenpflanzen (wahrscheinlich Gimmicks aus den YPS-Heften), plätscherndem Springbrunnen und schrillen Wachstuchtischdecken seinen zuvor erstandenen Kuchen auf witzig bedruckten Sammelwandtellern (siehe Foto) verzehren.
Als ich die Schwarzwälderkirschtorte sah, ließ ich spontan meinen Käsekuchenwunsch fallen und wählte sie stattdessen (3 Euro, die Stücke sind aber größer als in konventionellen Konditoreien) und meine adelige Begleitung entschied sich für die Grenobler Walnusstorte. Da aber die Witterungsverhältnisse nicht zum Draußen sitzen animierten, erlaubte uns der nette Wirt vom Yorckschlösschen nebenan, dass wir unseren Kuchen in seinen Räumlichkeiten verspeisen durften. Dazu gönnten wir uns frisch aufgebrühten Bohnenkaffee. Es war wohl das reichhaltigste, leckerste und ungewöhnlichste Stück Schwarzwälderkirschtorte, das ich je gegessen habe! Meine Erlauchte Bekannte schaffte die Grenobler Walnusstorte gerade mal zur Hälfte und hatte so am nächsten Tag eine unerwartete zweite Kaffee- und Kuchenzeit.
Wäre in diesem Augenblick zufällig unser Pinki vorbeigekommen, hätte ich sofort auf Mr. Minsch gedeutet und laut gerufen: "Pinki, dahin!"

Mr. Minsch, Yorckstr. 15, 10965 Berlin-Kreuzberg, Telefon 28 45 08 94, U-Bhf. Mehringdamm