Sonntag, 24. August 2014

KAPITULATION

Lietzensee Graf von BlickensdorfDonnerstagnachmittag im Café am Lietzensee. Ein Mann kommt aufgeregt zur Theke und erkundigt sich, ob sein Portemonnaie gefunden wurde. Der Kellner nickt. Sicherheitshalber bittet er den Mann, die Geldbörse zu beschreiben. “Da ist ein Waffenschein drin”, sagt der Mann. Erschrocken händigt ihm der Kellner das Portemonnaie aus. 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 24.08.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 17. August 2014

Generation Smartphone

Handycap
Sonntagmorgen vor einer Bäckerei in Charlottenburg. Ein vierjähriger Junge läuft telefonierend vorbei und sagt lässig in sein Smartphone: "Und? Alles in Ordnung bei euch?"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 17.08.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 2. August 2014

Sein letztes Gedicht

Casablanca Törtchen 2a

An meine Süße

Hausgemachte Meistertorten
Findest du heut‘ allerorten.
Auch nach allerfeinsten Kuchen
Musst du nicht mehr lange suchen:
Eierkuchen, Spritzgebäcke
Findest du an jeder Ecke.

Gedeckter Strudel, Krokant-Nuss
Guglhupf mit Zuckerguss
Schokotorte mit Baiser
Erdbeer-Rum mit Eierschnee
Süßer Likör. Trauben-Sahne
Stracciatella mit Banane
Karamell mit Flockenboden
frisch kandierte Hammelhoden
Kranz aus Frankfurt, mächtig stark
Rhabarber mit gequirltem Quark.

Gezupfter Kuchen mit Bisquit
Mürbeteig mit Kandissplit
Pistazien, Kokos, Marzipan
(Geheimrezept von Aga Khan)
Hollands echte Olliebollen
Tarts mit mit ganzen Ingwerknollen
Kosakenschnittchen mit Krokant
Marmorstriezel auf die Hand.

Allerfeinste petit four
Lieblingskuchen von Ben Hur.
Berliner, prall vor Marmelade
Zitronat und Orangeade
Mutzenmandeln, Eiserhörnchen
Weihnachtsplatz in Herzenförmchen.
Mandelsplitter, Blätterteich
heiße Kirschen, feucht und weich.
Tafelspitz… HALT! Ist kein Kuchen –
weitersuchen!

Herrencreme – nicht nur für Männer
Damenschoko für den Kenner
Buttercreme und Mangozipfel
schaumig feine Nougatgipfel
Kaiserschmarrn mit Rumrosinen
honigmilde Clementinen
fein gepritzte Nußmakronen
marinierte Röstmaronen
Blätterteig wie Schweineohren
Zuckerguss aus allen Poren
Streuselkuchen, Bienenstich –
aber einmal nur, da gibt es Dich!

(von Peter Grzan )

Mittwoch, 30. Juli 2014

Peter Grzan †

Peter Grzan Performance
Meine erste Begegnung mit Peter Grzan war 1978 in Münster. Ich leitete damals die Kneipengalerie Neuer Krug von Steffi Stephan, seines Zeichens Bassist bei Udo Lindenberg und Jovel-Betreiber, und stand nachts am Tresen, als Steffi zu mir kam und meinte, draußen auf dem Parkplatz warte jemand auf mich, der gerne in der Galerie ausstellen möchte. Da ich immer eine Wartezeit von einem Jahr hatte, war ich nicht sehr erfreut darüber. Die Galerie war nämlich immer total ausgebucht.
Peter Grzan WanderschuheDraußen auf dem Parkplatz empfing mich ein baumlanger Kerl mit Frank-Zappa-Bart, der lässig an seinem Volvo lehnte und mich sofort mit einem Scherz begrüßte. Dann öffnete er seinen Koffer­raum und präsentierte mir im trüben Schein der Straßenlaternen einige seiner Arbeiten. Ich traute meinen Augen nicht! Das waren ja die von mir immer bewunderten Bilder, Objekte und Gags aus der damals sehr erfolgreichen Satirezeit­schrift PARDON (später TITANIC). Nun hatte ich die Originale vor mir! Plötzlich gab es keine Wartezeit von einem Jahr mehr und ich zog ihn für den nächsten Monat vor – seine Ausstellung war ein voller Erfolg!
Doch leider gab es einen kleinen Wermutstropfen. Besonderes High­light waren nämlich seine Wanderschuhe mit den Mercedessternen. Dummerweise wurden die Originalschuhe während der Ausstellung gestoh­len. Der Dieb ließ dafür seine alten Turnschuhe zurück. Ich war sehr ärgerlich darüber, zumal die Ausstellung nicht versichert war. Klein­laut überbrachte ich Pit die schlechte Nachricht und erwartete eine ärgerliche Reaktion von ihm. Doch weit gefehlt! Er war begeistert von der Vorstellung, dass nun jemand eventuell mit seinen Merce­desschuhen im Bus oder in der Straßenbahn fährt. Das entsprach seiner Vorstellung der Omnipräsenz von Kunst, losgelöst vom Museum. Die Welt ein einziger großer Kunstraum – SEIN großer Kunstraum.
Nach und nach kamen wir uns immer näher und langsam entstand eine richtige Freundschaft. Ich nannte ihn mittlerweile immer scherzhaft aber voller Respekt „den großen Tschaaan von Persien“ und besuchte ihn oft auf seinem Bauernkotten in Ramsdorf, wo er neben Katzen, Hühnern und Heidschnucken seine Kunst machte. Dort lebte er in seiner eigenen Welt, ließ ein dressiertes Huhn durch einen brennenden Reifen springen und päppelte ein vom Mutterschaf verstoßenes Lämmchen namens „Hörnchen“ mit der Milchflasche auf. Da Pit kein Fleisch aß, lebten seine Hühner so lange, bis sie eines natürlichen Todes starben und wurden dann auf dem Hühnerfriedhof hinter der alten Scheune mit Würde beerdigt.
Ich lernte einen lustigen und hilfsbereiten Menschen kennen, der mich immer mehr faszinierte. Als ich Pit einmal in Velen auf der Straße überraschte, wie er mit dem örtlichen Pfarrer ein, mit Bibel­zitaten gespicktes, amüsant geführtes Streitgespräch führte, wun­derte ich mich darüber, dass er so bibelfest war. Als ich ihn später unter vier Augen darauf ansprach, woher er denn so viele Bibelzitate auswendig kenne, winkte er ab und schmunzelte: „Ach, die habe ich mir eben alle nur ausge­dacht.“
Er erheiterte mich immer wieder aufs Neue und brachte mich wie kein zweiter zum Lachen!
Als wir einmal auf einer vornehmen Künstlerparty in Hamburg-Blan­kenese waren und uns laut unterhielten und dabei ausgelassen lachten, kam jemand beschwichtigend auf uns zu und bat uns, et­was leiser zu sein, denn dort auf dem Sofa sitze der Herausgeber des Nachrich­tenmagazins DER SPIEGEL „der große Rudolf Augstein“. Solch unterwürfiges Verhalten mochte der Große Tschaaan überhaupt nicht und rief deshalb laut in den Raum: „Was? Rudolf Augstein ist auch da? Ist ja großartig! Ich habe nämlich alle seine Filme gesehen!“
Oder ein anderes Mal besuchten wir eine Ausstellung, die uns beiden nicht sonderlich gefiel. Dort schrieb er in das Gästebuch: „Hervorra­gende Ausstellung – herzlichst Prinz Poldi von Hohenlohe“.
Peter Grzan JesusZu Künstlern hatte Pit eine ganz besondere Zuneigung. Ihnen half er mit Rat und Tat, hatte immer unkonventionelle Lösungen in petto und hielt sich aber selbst immer bescheiden zurück. Hauptsache „seinen“ Künstlern ging es gut. Hier ein kleines Beispiel: Als er mich einmal in Berlin be­suchte, entdeckte er einen kleinen Schmuckla­den bei mir um die Ecke und kam mit der Goldschmiedin ins Gespräch. Sie schilderte ihm ein Problem, dass sie mit einem Schmuckstück hatte und nicht in den Griff bekam. Am nächsten Morgen hatte Pit über Nacht das Problem gelöst, ging rüber in den Schmuckladen, präsen­tierte der überglücklichen Künstlerin die Lö­sung und zog sich wieder bescheiden zurück! Er war wie ein Schutz­engel für Künstler! Auch mir hat er sehr oft aus der Bredouille ge­holfen, worüber ich ihm mein Leben lang dankbar sein werde!
In „seinem“ Kunstverein ART’IG veranstaltete er zahlreiche Ausstel­lun­gen und Konzerte mit vielen bekannten und unbekannten Künst­lern, u. a. mit Götz Alsmann, Josef Beuys, Ingo Insterburg, Thomas Kapielski, Johannes Grützke, Robert Gernhardt, Gottfried Helnwein, F.K. Waechter, Pigor & Eichhorn, Prof. Harry Kramer und Louisana Red, um nur einige zu nennen.
Wenn es mehr Personen vom Schlage Peter Grzans geben würde, sähe es in der Welt be­stimmt etwas besser aus. Viele Menschen, insbesondere seine Schüler und auch Künstler aller Kategorien, ha­ben Peter Grzans ge­sellschaftlichem, kulturellem und sozialem unkonventionellem Engage­ment sehr viel zu ver­danken! Zu Recht bekam er auch dafür vom Bundespräsidenten das Bundesverdienst­kreuz.
Doch über allem stand sein außergewöhnlicher Humor! Niemand wird mich jemals wieder so zum Lachen bringen, wie der große Tschaaan von Persien!

Peter Grzan * 28.07.1951 - 15.07.2014

Sonntag, 20. Juli 2014

WUNSCH

Heinzelzimmer 1Donnerstagmorgen im Hotel Nova in Lichtenberg. Ein Gast verabschiedet sich bei der jungen Dame an der Rezeption mit den Worten: “Und bleiben Sie bitte immer so schön!”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 20.07.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 13. Juli 2014

Fashion Week Berlin 2014

Ältestenrat. Montagabend auf der Fashion Week im Humboldt Carreé in Mitte. Rolf Eden steht mit einigen jungen Damen im Foyer. Als die Damen plötzlich verschwunden sind, ruft einer erstaunt: “Oh, jetzt sind alle Damen weg!” Rolf Eden antwortet gelassen: “Glauben Sie mir, junger Mann – die kommen alle wieder!” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 13.07.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste". Auf dem Foto von links nach rechts: Kader Loth, Lo Graf von Blickensdorf, Raphaela Salentin, Joelle Meissner.

Sonntag, 29. Juni 2014

HEIMSPIEL

Tor ReinzeichnungMontagmittag in einem Discounter in Charlottenburg. Eine junge Frau steht an der Kasse und hat noch etwas vergessen. Sie entschuldigt sich bei ihrem Hintermann, weil sie noch mal zurück in den Laden muss. Der Mann antwortet: “Lassense sich ruhig Zeit – Hauptsache ick bin um 18 Uhr wieder zu Hause, wenn Fußball ist.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 29.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 26. Juni 2014

Weltmeister-Törtchen

Brasilien TörtchenDieses herrlich erfrischende Törtchen entdeckte ich in der “Werkstatt der Süße”. Es besteht aus Limonen Mousse mit Mango Kern und ist ummantelt von einem Minz/Passionsfrucht Löffelbiskuit. Der frische mango-limonige Geschmack macht die heißen Fußball-WM-Tage etwas erträglicher. Für mich steht der Weltmeister jetzt schon fest: Dieses Törtchen von Patissier Guido Fuhrmann!

Werkstatt der Süße, Husemannstraße 25 · 10435 Berlin

Sonntag, 22. Juni 2014

SCHLAGFERTIG

247007_10200670865767652_1597850468_nMittwochmorgen vor einer Konditorei in Neu-Westend. Ein Firmenwagen der Konditorei parkt zügig ein, ein junger Mann in weißer Konditorkleidung steigt aus und eilt in die Konditorei – in der Hand hält er einen Hammer. 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 16. Juni 2014

NICHT ZÜGIG GENUG

HBF 1_2_tonemappedDienstagnachmittag auf Bahnsteig 13 im Berliner Hauptbahnhof. Ein junges Paar mit Rucksäcken hetzt die Treppe hoch und sieht gerade noch, wie ihr Zug ohne sie entschwindet. Sagt er zu ihr atemlos: “Seinen Zug zu verpassen ist irgendwie abgefahren.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 15.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 4. Juni 2014

Tortenkontrolle

Romanisches Cafe Teil 2Ich hatte vor über einem halben Jahr schlechte Erfahrungen im Romanischen Café (zum Waldorf Astoria Hotel zugehörig) gemacht und darüber berichtet. Aus reiner Neugierde wollte ich noch einmal nachschauen, ob sich mittlerweile etwas geändert hatte. Es hatte sich! Sogar über meine Erwartungen hinaus! Zu meinem Entzücken werden nun hochprofessionelle Torten und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie angeboten, dass mein Herz Luftsprünge machte. Ich konnte mich gar nicht entscheiden und wählte schlussendlich ein Stück “Chocolate-Crisp” (s. Foto oben) das in meinem Gaumen herrlich crisperte und die hochwertige Schokolade und diverse andere Ingredienzien brachten mich zum Träumen. Auch der Service war wieder erstklassig, wie man es eigentlich von dem berühmtesten Hotel der Welt erwartet. Sogar das obligatorische Romanisches Café Fußmatte Graf von BlickensdorfGlas Leitungswasser zum Cappuccino gab es! Chapeau! Das Stück kostete zwar stolze 6 Euro (!) und der Cappuccino 4,50 Euro – aber Qualität hat eben ihren Preis. Und Torten sind die Rettungsringe auf dem Strom des Lebens – und die sollten einem etwas wert sein. 
Nachdem ich beim Hinausgehen die verlockensten süßen Kreationen in der Vitrine warten sah, denke ich, dass mir noch höchste Genüsse bevorstehen. Vielleicht gibt es dann auch anstatt Dessertgabeln richtige Tortengabeln?

Romanisches Café im Waldorf Astoria Berlin, Hardenbergstr. 28, 10623 Berlin, www.waldorfastoria3.hilton.com

Freitag, 30. Mai 2014

Meine Entdeckung in Ecuador

ecuador dessertAls ich neulich bei Seiner Exzellenz dem Botschafter von Ecuador, Jorge Jurado, die wundervolle Küche seiner Heimat kenenlernen durfte, fiel mir eine mir vorher völlig unbekannte Frucht besonders auf: Die Tamarillo, auch Baumtomate genannt (auf dem Foto oben rechts im Anschnitt). Ihr Geschmack schwankt zwischen süß und säuerlich und hat obendrein noch einen leichten, sehr angenehmen Bittergeschmack.
Ich war so fasziniert, dass ich durch meine Entzückung die Aufmerksamkeit meiner charmanten Tischnachbarinnen aus Ecuador auf mich zog. Lächelnd klärten sie mich auf: Tamarillo sind eigroße, tomatenähnliche Früchte, auch Baumtomaten genannt. Sie wurden schon vor Jahrhunderten von den Indios kultivert und zählen zu den Nachtschattengewächsen, sind entfernt verwandt mit den Tomaten und Kartoffeln, zählen allerdings zu den Früchten und nicht zum Gemüse. Sie schmecken süß-säuerlich und haben die Konsistenz einer reifen Frucht, die vergleichbar mit der von Pflaumen ist.
Die kleinen Vitaminbomben haben viel Vitamin C, Eisen, Cacium, Magnesium, Phosphor. Man kann man die Frucht zu süßen Desserts (s. Foto oben) oder salzigen Gerichten zugeben oder auch damit exotische Drinks mixen. Leider sind die Geschmacksbomben in Europa sehr teuer. Aber jetzt weiß ich, was ich bei meinem nächsten Besuch in Ecuador als erstes bestelle: Tamarillos!
Für mich war es auf jeden Fall eine Neuentdeckung, die mir gute Laune gemacht hat – und aus diesem Grunde mache ich es Roberto Blanco nach und singe mit etwas abgewandeltem Text: „Ich komm‘ zurück nach Tamarillos, denn mein Herz hängt an Tamarillos, schallala lala lalala...“
Seine Exzellenz der Botschafter von
EcuadorJorge Jurado (rechts)

Samstag, 3. Mai 2014

DR. NO

Samstagmittag vor dem Fischimbiss Rogacki in der Wilmersdorfer Straße. Zu einem alten Mann an den Tisch gesellt sich ein jüngeres Paar. Sofort fängt der alte Mann an, von seinen zahlreichen Krankheiten zu erzählen. Nach einer Weile sagt der junge Mann von dem Paar: “Könnten Sie nicht von etwas anderem erzählen? – Ich bin nämlich Arzt.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 27. April 2014

Öö là là

Lo Graf von Blickensdorf und Lo Graf von Blickensdorf Montagnacht auf der Eröffnungsparty des Geschäfts von Harald Glööckler. Eine junge Dame erklimmt die Bühne und singt ein paar Lieder. Da sagt ein Herr zu seiner frau: “Sie will sich hier bestimmt einen Namen machen.” Die Sängerin war Xenia Gabriela Florence Sophie Iris Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 6. April 2014

Unfreundliche Aushilfskräfte oder Warum ich die Himbeer-schnitte nicht essen konnte

Rösler Himbeerschnitte Graf von BlickensdorfIch habe immer gedacht, ich wäre mit meinen Seidenkrawatten, der Windsor-Weste, dem englischen Tweedsakko plus Einstecktuch eine gepflegte Erscheinung. Auch achte ich (seit meiner Kindheit übrigens) stets auf saubere Fingernägel und dusche regelmäßig. Doch dieser Eindruck scheint bei manchen Leuten nicht anzukommen. Was war passiert? Eigentlich nicht viel. Ich kaufte bei der Bäckereikette Rösler in der Sophie-Charlotten-Straße 42 (im REWE-Markt) lediglich eine Himbeerschnitte für 1,60 €, weil mir die knallig rote Deko sofort ins Auge fiel. Wenn ich da noch eine Deko-Kirsche draufsetze, habe ich wieder ein prima Foto für meine Tortenfotoserie, dachte ich. Freundlich zeigte ich auf die Himbeerschnitte und bat die Frau hinter der Theke, sie mir für zu Hause einzupacken. 
Sie nahm nur widerwillig die Schnitte aus der Vitrine, als müsse sie sich von ihrem heißgeliebten Kanarienvogel trennen. Dann verpackte sie mit grimmigen Gesicht das Kuchenstück. Als ich ihr ein 2-Sprunghaft TagesspiegelEuro-Stück über die Theke reichte, brüllte sie mich zu meiner Überraschung mit überschlagender Stimme im barschen Kasernenton an: “Hinlegen!” Häh? Hinlegen? Hier vor der Kuchentheke? Hatte ich etwa übersehen, dass wir hinterhältig von einem verspäteten StuKa aus dem 2. Weltkrieg angegriffen werden? Nein. Sie meinte meine 2-Euro-Münze, die ich ihr entgegenhielt. Als ich nicht schnell genug auf ihren Befehl reagierte, rief sie wiederholt: “Hinlegen!” Neugierig fragte ich sie freundlich, warum ich die Münze hinlegen solle, kam ihre ruppige Antwort: “Weil ick dit sage!” 
Diese Filiale der oben genannten Bäckereikette ist mir schon öfters durch unhöfliches Benehmen negativ aufgefallen. So ist mir schon mehrmals das Wechselgeld an meiner geöffneten Hand vorbei auf den Verkaufstresen geknallt worden, so dass ich es mir mühsam Münze für Münze aufklauben musste. Was mit kurzgeschnittenen, gepflegten Fingernägeln gar nicht so einfach ist. Vielleicht sehe ich ja wie ein potentieller Überträger des Pfeifferschen Drüsenfiebers aus. Wer weiß? 
Ein anderes Mal war ich Zeuge, wie ein junger Mann etwas forsch einen Cappuccino bestellen wollte. Darauf antwortete eine andere Aushilfskraft, die noch mit Brotschneiden beschäftigt war: “Einen Augenblick – wir springen sofort!” (s. dazu auch meinen Text links aus dem TAGESSPIEGEL
Doch Moment, ich möchte hier nicht Witze über unterbezahlte und ausgebeutete Aushilfskräfte machen. Schuld daran sind die Unternehmen, die ihre Leute aus Geldgier schlecht bezahlen. “Gewinnmaximierung” wird das von den schnöseligen Managern verschönt genannt. Das ist aber falsch gerechnet. Dabei bleibt nämlich unter dem Strich: Man erhält billige Arbeit für billigen Lohn. Und das schlägt sich mittelfristig auf das Unternehmen und die “Gewinnmaximierung” nieder. 
Als ich endlich zu Hause das Kuchenpaket öffnete, erlebte ich noch eine Überraschung. Nicht nur, dass die Himbeerschnitte bei normaler Beleuchtung ihre ganze Leuchtkraft eingebüßt hatte (Wird man etwa durch Spezialbeleuchtung als Kunde getäuscht?), sondern dass ich auch noch auf  ihr ein unappetitlich langes Haar entdeckte! So blieb ihr der Weg in die Mülltonne, anstatt in den gräflichen Magen, nicht erspart.

Bäckerei Rösler (im REWE-Markt), Sophie-Charlotten-Straße 42, 14059 Berlin-Charlottenburg

Samstag, 5. April 2014

Globales Denken


Freitagnachmittag am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg. Zwei Fahrradfahrerinnen streiten sich lautstark darum, wer nun die Vorfahrt habe. Da sagt die jüngere zur älteren: "Egal - die Welt ist für alle da!"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 6.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Veränderung

SchokotorteSang und klanglos hat die Patisserie Harry Genenz ihre Räume in der Reichstraße 102A geräumt und das Zepter dem Café Thiel übergeben. Dem neuen Pächter alles Gute!

Café Thiel, Reichsstr. 102A, 14052 Berlin

Dienstag, 25. März 2014

Ausflug nach Paris


Galeries Lafayette Berlin Graf von BlickensdorfFrüher, als Paris noch ein Synonym für sinnliche Erotik war, sagte man, das beste Alter für Paris sei zwischen 18 und 34.  Das war zu Zeiten von Henri de Toulouse-Lautrec. Heute ist Paris eher bekannt für seine herrlichen Petit Fours. Dafür ist das beste Alter zwischen 3 und 93. Und man muss noch nicht mal eine lange Reise antreten, sondern man geht flugs in die Gourmet-Abteilung des Lafayette Berlin und wird im Tiefparterre von der guten Qualität der Törtchen überrascht. Ohlala! 

Galeries Lafayette Berlin, Friedrichstraße 76-78, 10117 Berlin

Sonntag, 23. März 2014

FALSCH GEBRIEFT

Dienstagmorgen vor dem Reichstagsgebäude. Eine Gruppe Touristen läuft etwas ratlos hin und her. Da zeigt ein Jugendlicher auf die Reichs-tagskuppel und ruft: "Gehen wir jetzt auf das Dach der Deutschen Einheit?"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 22.03.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Freitag, 14. März 2014

Erdbeertörtchen mit Stretch

Lo Graf von Blickensdorf und Konditormeister Wiacker
Ob ich auch auf meinen Lesereisen täglich ein Stück Torte esse, werde ich oft gefragt. Ja, tue ich. Denn eine Torte ist keine Gitarre, die man an die Wand hängt - man muss sie essen. Letzte Woche reiste ich durch das schöne Ruhrgebiet. In meinem Künstlervertrag hatte ich u.a. zwar „Stretch-Limo“ geschrieben, aber ich meinte eigentlich nur eine „Lange Limo“ zur Erfrischung - aber plötzlich stand da so ein langes Auto vor meinem Hotel. Mit Fahrer. Nun ja, wo es schon mal da war und gerade Kaffeezeit war, stieg ich ein und ließ mich zu einer Konditorei fahren. Als ich ausstieg, traute ich meinen Augen kaum: Ein Spalier weiß gekleideter Konditorgesellen hatten mit ihrem Meister Aufstellung genommen. So musste sich Friedrich der Große gefühlt haben, wenn er durch Preußen ritt und eine Herberge aufsuchte. Und auch ich führe, wie
Wiacker Erdbeertörtchen Foto_Lo Graf von Blickensdorfder Preußenkönig, stets die nach ihm benannte „Fritz-Krücke“ mit: Ein Flanierstock mit feinziseliertem Griff aus Sterlingsilber, der einen rechten Winkel zum Stock bildet. „Konditorei Wiacker“, las ich über dem Eingang. Nach einer feierlichen Begrüßung von Konditor-meister Wiacker und einem Foto-Shooting (s. oben, Foto: Lino Lässig) wurde ich höflich hineingebeten und studierte dort in aller Ruhe das zahlreiche Feingebäck, traumhafte, hausgemachte Trüffel und Pralinés und nicht zuletzt die herrlichen Torten. Herr Wiacker empfahl mir, die „Nr. 1“, die müsse ich probieren. Es handelte sich um ein Erdbeertörtchen, mit einen besonderen Tortenboden, das der Konditormeister sich extra als Patent angemeldet hat und ihn deutschlandweit bekannt gemacht hat. Niemand darf es nachmachen und das Rezept ist so geheim wie das von Coca-Cola.
Mir wurde nicht zu viel versprochen! Das Wiacker-Erdbeertörtchen (s. Foto links) bestach durch Fülle und Komplexität. Ein wahres Konglomerat wertvollster Ingredienzien. Tadellos! Die frische Fruchtigkeit der Erdbeeren bildete einen schönen Kontrapunkt zu dem herrlichen Tortenboden. Knackige Mandeln rundeten den Genuss perfekt ab.
Ich verließ nur ungern dieses gastfreundliche Café mit seinen freundlichen Menschen, das sogar einen Teppichboden mit eingewebtem Firmenlogo besaß - ein „W“ unter dem sich eine Krone befindet. Also sehr grafengerecht (zwinker, zwinker). Falls meine geneigten Leser einmal nach Herne kommen, dann sollten sie unbedingt (!) das Wiacker-Törtchen probieren! Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber ich musste zu meiner Lesung und die Stretch-Limo wartete schon ungeduldig. Übrigens: Stretch-Limos sind sehr umweltfreundlich – man steigt hinten ein und vorne wieder aus, schon ist man da, ohne auch nur einen Meter gefahren zu sein. Oder?

Café Konditorei Wiacker, Neustraße 1, 44623 Herne, www.wiacker.de