Sonntagmorgen in einer Bäckerei in Charlottenburg. Eine Frau verlangt fünf Schrippen, ...aber bitte schöne braune!" Die Verkäuferin hält eine Schrippe hoch: "Brauner sind die alle nicht." Da sagt eine andere Frau: "Die waren ja auch noch nicht im Urlaub."
Montag, 25. April 2011
Urlaubsreif
Freitag, 15. April 2011
Eine Nacht in Casablanca
Natürlich war ich nicht nur eine Nacht in Casablanca. Das wäre ja auch schade gewesen. Aber in meinem Hotel war es so herrlich altmodisch, dass man glaubte, jeden Augenblick kommt Graf Pfeffermann mit Groucho Marx um die Ecke, wie in dem Marx-Brother-Film Eine Nacht in Casablanca. In einem Frühstücksraum mit orientalischen Glasdach (Foto oben links) und in Gesellschaft von turbanbedeckten Berbern und weiß verhüllten Tuaregs gab es ein karges Frühstück. Um nämlich später in der Patisserie Amoud richtig zuschlagen zu können. Obwohl erst Anfang März war, trug ich schon meinen leichten Sommeranzug.
Das Majestic-Hótel, das schon mal bessere Zeiten erlebt hatte warb noch mit Marmortafeln, auf denen stand: "Eau Courante, Chaude & Froide, Bains, Électricité, Ascenseur, Comfort Moderne". Es lag in der Innenstadt in einem verwinkelten Viertel, vor dem die Touristen gewarnt werden. Einmal fuhr ein Touristenbus vorbei, aus dem ängstliche Menschen sich ihre Nasen an der Scheibe platt drückten. Casablanca ist eine wunderschöne Stadt, die zu drei Vierteln aus heruntergekommenen, aber malerischen Art-Déco-Häusern besteht und morbiden Charme hat. Und das schönste: Nicht ein Tourist! Mich einmal ausgenommen. Das Straßenbild ist sehr morgenländisch und die Betriebsamkeit der Marokkaner ähnelt einem Ameisenhaufen. Die Menschen, ob arm, ob reich, sind alle freundlich und warmherzig. Selbst von der Kakerlake morgens im Bad glaubte ich ein "Pardon Monsieur!" zu hören. Am besten ist, wenn man sich in eines der zahlreichen Straßencafés setzt und sich das Treiben, bei einem göttlich schmeckenden Kännchen Nâa-naa-Tee, auch Whisky Maroc* genannt, anschaut. Das ist tausend Mal besser als Kino und ich kam mir vor wie im Comic Tim & Struppi im Orient.
Dienstleistung wird hier noch groß geschrieben. Wenn ein Mensch aus Casablanca in Berlin an einem normalen Werktag über die Straße ginge, dächte er sicher, es sei gerade ein hoher Feiertag, an dem die Leute nicht arbeiten dürften.
In der Patisserie Amoud ließ ich mir ein kleines Sortiment von Petit Fours zusammenstellen und setzte mich mit der Schachtel in ein Straßencafé, um sie dort bei einem Nâa-naa-Tee genussvoll zu verspeisen. Der Verzehr der Törtchen glich einem Himmelsritt wie im Märchen "1001 Nacht" - ich wusste einen Augenblick nicht mehr, wo ich war. In der Regel verzehre ich immer nur ein Törtchen am Tag. Aber wie sagte Groucho Marx so schön? "Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." Womit alles gesagt wäre.
*Whisky Maroc: Das marokkanische Nationalgetränk wird von den Berbern liebevoll als Whisky Maroc bezeichnet, weil die Farbe des Tees an Whisky erinnert. Er besteht aus chinesischem Grünen Tee, frischer Nâa-naa-Minze und viel Zucker.
In der Patisserie Amoud ließ ich mir ein kleines Sortiment von Petit Fours zusammenstellen und setzte mich mit der Schachtel in ein Straßencafé, um sie dort bei einem Nâa-naa-Tee genussvoll zu verspeisen. Der Verzehr der Törtchen glich einem Himmelsritt wie im Märchen "1001 Nacht" - ich wusste einen Augenblick nicht mehr, wo ich war. In der Regel verzehre ich immer nur ein Törtchen am Tag. Aber wie sagte Groucho Marx so schön? "Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." Womit alles gesagt wäre.
*Whisky Maroc: Das marokkanische Nationalgetränk wird von den Berbern liebevoll als Whisky Maroc bezeichnet, weil die Farbe des Tees an Whisky erinnert. Er besteht aus chinesischem Grünen Tee, frischer Nâa-naa-Minze und viel Zucker.
Donnerstag, 14. April 2011
Jedes Törtchen endet einmal im Magen...
...sollen wir es deswegen nicht weniger bewundern? Hier das Törtchen "Opéra" zum Beispiel. Eine Symphonie aus Schokoladen- und Moccabuttercreme auf einem leckeren Mandelboden. Bewundert, gegessen und von einer außergewöhnlich charmanten Bedienung serviert in Albrechts Patisserie in der Fasanenstraße 29 in Berlin.
Montag, 11. April 2011
Ein Törtchen ist das Lächeln des Nachmittags
"Dass Sie jeden Tag Torte essen, kann ich nicht verstehen!" rief mir eine Dame auf dem Klausener Platz zu, als ich gerade zum Kon- ditern ging. Ich er- widerte ihr: "Ernst ist das Leben, heiter die Kunst, meine Liebe."
Wahre Kunst in Form und Geschmack ent- deckte ich in Albrechts Patisserie in der Fasanenstraße, die nach König Friedrich II. benannt ist, der hier in der Nähe eine Fasanerie betrieb. Die Patisserie liegt nur einen Mokkapralinenwurf vom Kurfürstendamm entfernt. Beim ersten Besuch nahm ich ein Champagner Mousse Törtchen (Foto oben) zu mir. Ein Traum! Ich vergaß beim Verzehr kurzzeitig wie ich heiße. Horst? Heinz? Egal. Der Geschmack zählte.
In dieser Patisserie muss man ein Mann des schnellen Entschlusses sein, denn in der Vitrine entdeckt man viele Törtchenkleinode, die ich alle gerne wie im Museum noch intensiver betrachtet hätte. Doch dann würde ich wohl noch um Mitternacht dort stehen.
Bei meinem zweiten Besuch wählte ich das Zitronenmoussetörtchen (Foto rechts) im Bis- kuitmantel, gefüllt mit Erdbeermark. Sensatio- nell! Es schmeckte frisch und war luftig-leicht, hatte aber durch den Biskuitteig dennoch Biss. Einziger kleiner Kri- tikpunkt ist die für meinen Geschmack et- was mädchenhafte rot-weiße Einrichtung des Ladens à la Brigitte-Einrichtungstipp. Aber wenn man im siebten Tortenhimmel schwebt, könnte man auch im Kartoffelkeller sitzen.
Ach ja, der Dame vom Klausener Platz rief ich noch hinterher: "Ein Törtchen ist das Lächeln des Nachmittags."
Albrechts Patisserie, Fasanenstraße 29, Berlin-Charlottenburg, Öffnungszeiten Montags-Samstag 10 - 18 Uhr, Sonntags 12 - 17 Uhr
Montag, 4. April 2011
Im Moment sehr begehrt
Wer derzeit einen Geigerzähler kaufen möchte, hat es jedoch gar nicht so leicht. Das Problem ist die immens große Nachfrage. So viele Personen sind verunsichert und haben deshalb den Handel leer gekauft. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern im Prinzip auch für alle anderen Länder. Aufgrund der momentan hohen Nachfrage muss jedoch mit stolzen Preisen gerechnet werden. Personen, die so schnell wie möglich einen Geigerzähler haben möchten, sollten bei der Auswahl sehr vorsichtig sein. Beim Großteil der Geigerzähler, die für den Privatkundenhandel von Interesse sind, handelt es sich um vergleichsweise einfache Modelle. Viele dieser Geigerzähler können gerade mal bis zehn zählen. Wer einen Geigerzähler haben möchte und sich wirklich absichern will, sollte deshalb einen Geigerzähler wählen, der auch die logische Verknüpfung von Zahlen beherrscht. Allerdings ist anzumerken, dass diese Fachleute ihren Preis haben und daher nicht für jedermann erschwinglich sind. Die Kosten liegen vergleichsweise hoch, weshalb man sich genau überlegen sollte, ob sich der Kauf am Ende bezahlt macht.
Sonntag, 3. April 2011
Ihr Revier
Donnerstagnachmittag. Ein paar jugendliche Touristen schlendern über die Schloßstraße in Richtung Schloss. Jemand aus der Gruppe fragt, ob hier noch Berlin-Mitte sei. Eine alte Frau, die etwas abseits ihren Dackel Gassi führt, ruft trotzig: "Dit is hier immer noch Charlottenburg - und dit is auch jut so!"
Sonntag, 27. März 2011
Donnerstag, 17. März 2011
Leipziger Buchmesse
Vom 17. bis 20. März 2011 ist wieder die Leipziger Buchmesse. Beachten Sie bitte auch das Buch von Lo Graf von Blickensdorf "Werden Sie doch einfach Graf!", erschienen im Rotbuch Verlag.
Freitag, 11. März 2011
Mittwoch, 9. März 2011
Serviererinnen mit Selbstmordabsichten
Die Serviererin knallte mir die Schwarzwälderkirschtorte auf den Tisch, als wäre es eine ordinäre Schmalzstulle in einer verrauchten Berliner 24-Stunden-Kneipe. Und den Milchcafé stellte sie so hin, dass der Henkel von mir wegzeigte. Als wäre ich eine achtarmige Krake, die keine Mühe hat, mit einem ihrer Tentakel um die Ecke zu greifen. Und das ganze obendrein noch mit einem Gesichtsausdruck, als hätte sie vor, sich in den nächsten zehn Minuten zu entleiben.
So geschehen in einem renommierten Berliner Kaffeehaus. Für immerhin 3,80 EUR pro Stück erwartet man eine gute ausgebildete Bedienung und keine übernächtigte studentische Aushilfskraft, die wahrscheinlich mehrere dieser Jobs machen muss, um ihr BWL-Studium zu finanzieren. So dicke habe ich es auch nicht. Schließlich bin ich kein Bundestagsabgeordneter, der immer zu 1000 Spesen aufgelegt ist.
Manchmal sehne ich mir die servilen Serviererinnen mit den weißen, frisch gestärkten Häubchen und Schürzchen aus dem legendären und nicht mehr existenten Café Schucan in Münster zurück, das Münsteraner Bauhaie auf dem Gewissen haben.
Ist eigentlich Serviererin heute kein Lehrberuf mehr? Das wäre doch eine gute Alternative für viele Jugendliche, die händeringend eine Lehrstelle suchen.
In der Patisserie Harry Genenz (http://www.harry-genenz.de/genuss.html) ist es gottlob nicht so. Hier faszinieren mich jedes Mal die mannigfaltigen, wunderschön verzierten Törtchen (s.Fotos) in ihren vielen Formen und Farben. Hier wird hohe deutsche Konditoreikunst mit der französischen Patisserie verschmolzen und zu kleinen kunstvollen Skulpturen arrangiert. Sie tragen poetische Namen wie Charlotte von Waldfrucht oder Mousse Chocolat-Törtchen Madagaska. Die Bedienung ist perfekt, doch leider gehört es auch hier nicht zum Standard, dass man ein Glas Leitungswasser zum Kaffee serviert bekommt. Und auch die Hintergrundmusik lässt manchmal etwas zu Wünschen übrig.
Freitag, 4. März 2011
Törtchen wie Gedichte
Nun beginnt wieder die Zeit, wo man melancholisch draußen in der Sonne sitzt und sich ein Törtchen zu sich nimmt. Dabei schreibt man sich Sätze in sein Notizbuch wie zum Beispiel: Ein Törtchen kann ein Gedicht sein - aber ein Gedicht niemals ein Törtchen.
(Törtchen aus dem Museumscafé Surreale Welten der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Eingang Berlin-Charlottenburg, Schloßstr. 70)
Mittwoch, 23. Februar 2011
Frau Dr. Mabuse
Ich warte schon seit Wochen, dass es in meinem Stammcafé wieder den grandiosen anbetungswürdigen Mohnkuchen gibt. Aber die nette Besitzerin bedauert, dass sie mir heute wieder keinen servieren kann. Kein Wunder, denke ich, nach all den Katastrophen ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns eine Mohnkrise heimsucht. Ich esse stattdessen ein Stück Chocolat Royal und höre dabei "Love Is a Losing Game" von Amy Winehouse.
Ich schaue mich um. Das übliche Publikum. Unausgefüllte fünfzigjährige Frauen mit viel Zeit und schlecht gekleidete unrasierte Freiberufler, die das kostenlose und reichhaltige Zeitungsangebot weidlich ausnutzen. Am Tisch neben der Tür sitzt wieder wie stets eine Frau mittleren Alters mit hexenhaft abstehenden, grauen Haaren, die immer wie besessen und manisch in akkurater Schrift wieselflink irgendetwas in einen Schreibblock kritzelt, um alle fünf Minuten den Zuckerstreuer gerade zu rücken. Nach einer Stunde ist der Schreibblock voll. Ich nenne sie in Gedanken "Frau Dr. Mabuse". Sie erinnert mich an den Film Das Testament des Dr. Mabuse von 1962.
Man vermutet, dass sie aus der nahe gelegenen Psychiatrie der Schlossparkklinik kommt und Freigängerin ist. Ich habe etwas Angst vor ihr, denn wenn man Blickkontakt mit ihr bekommt, werden ihre Augen klein wie Stecknadelköpfe und ihr Blick ist dann so stechend, dass man einen echten Schmerz zu verspüren glaubt.
Schnell schleiche ich an ihr vorbei ins Freie, sorgsam darauf bedacht, ihr nicht in die Augen zu blicken.
Theaterhitze
Es ist ein bitterkalter Mittwoch- nachmittag in Berlin. Man sitzt gemütlich in der Patisserie Harry Genenz in der Reichsstraße und isst genüsslich eines dieser kleinen Kunstwerke. Plötzlich kommt eine junge Frau herein und setzt sich theatralisch an den Nachbartisch. Während sie sich hektisch ihren Pullover über den Kopf zieht, fragt sie: „Finden nicht Sie nicht auch, dass es hier sehr heiß ist?“ Als man genauer hinschaut, erkennt man die Schauspielerin Anouschka Renzi.
Patisserie Café Harry Genenz, Reichsstraße 102a, 14052 Berlin-Westend, Tel.: 030 - 33 77 19 77
Montag, 24. Januar 2011
TREUE
Bei Kaiser’s am Klausenerplatz in Charlottenburg. Ein alter Mann steht an der Kasse und die Verkäuferin fragt ihn: „Sammeln Sie Treueherzen?“ Darauf der Mann: „So viele könn'se mir gar nicht geben - ick bin nämlich seit über 50 Jahren verheiratet.“
Sonntag, 2. Januar 2011
Freitag, 31. Dezember 2010
Mit Schirm, Charme und Melone
Immer häufiger drücke ich die OFF-Taste meiner Fernbedienung, weil die Langeweile wie eine klebrige Masse aus meinem Fernsehgerät gekrochen kommt. Dann sehne ich mich wieder in die 60er Jahre zurück, als das Fernsehen zwar nur zwei Programme hatte, aber dafür die Serien besser waren. Eine davon war „Mit Schirm, Charme und Melone“ im ZDF.
Nicht wie heute, wo talentfreie Fernsehkommissare unrasiert an den Tatort zur Leiche geschlurft kommen und zum 498igsten Mal fragen: „Wer hat die Leiche gefunden?“ oder zum 987igsten Mal: „Wo waren Sie gestern zwischen 20 und 22 Uhr?“. Gähn! Und frustrierte, weil schlecht bezahlte, Komparsen stelzen hölzern steif durchs Bild. Grauenvoll! Und im Hintergrund fährt immer (aus Geldmangel) das ein und dasselbe Auto hin und her, um viel Verkehr vorzutäuschen. Mensch Regisseure! Glaubt ihr, ich merke so was nicht?
Gottlob gibt es ja jetzt die komplette Kultserie auf DVD! Da kann mir das aktuelle Fernsehprogramm gestohlen bleiben. Die Serie lief von 1961 bis 1969 in 6 Staffeln, wovon leider nur die Staffeln 4 bis 6 mit der umwerfenden Diana Rigg besetzt waren. Als sexy Agentin Emma Peel und Patrick McNee als smarter Spion John Steed lösen sie in der Kultserie mit spritzigen Dialogen in den skurrilsten britischen Locations der 60er Jahre ihre Fälle. Selbst die noch so kleinste Nebenrolle ist hochkarätig besetzt. Von der stets avantgardistisch gekleideten Emma Peel haben damals alle Männer von 8 bis 80 geträumt. Ich auch. Und von John Steed mit seiner eleganten Lässigkeit und gesegnet mit göttlichem Gentleman-Humor wahrscheinlich alle Frauen.
Sie fuhr mit einem 66er Lotus Elan, er mit einem 26er Rolls-Royce Silver Cloud, manchmal auch einem 29er 4,5 Liter Bentley durch die wunderbare englische Landschaft.
Meist geht es in den Schwarz-Weiß-Folgen um größenwahnsinnige Wissenschaftler, exzentrische Verschwörer, wirre Fanatiker und generell um das Streben nach Weltherrschaft. Ich stelle mal die Behauptung auf, dass so eine Serie heute nicht mehr auf die Beine zu stellen ist. Nicht nur, dass es so exzellente Serien-Handwerker, Autoren und Schauspieler nicht mehr gibt. Sondern sie wäre heute einfach schlichtweg nicht mehr bezahlbar. Und obendrein trauen sich die fantasielosen Entscheidungsträger beim deutschen Fernsehen nichts Neues mehr. Sie haben schon viel zu früh die Hosen voll und setzen nur auf Bewährtes. Und die Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseure schielen immer nur mit einem Auge nach Hollywood und verlieren somit ihre Authentizität.
Der Erwerb dieser Gesamtedition lohnt sich! Außerdem führen Oliver Kalkofe und Wolfgang Bahro mit Insiderwissen in die Folgen ein und geben ihre persönlichen Bewertungen ab. Allen Fernsehschaffenden müsste man verordnen, sich diese Serie in Klausur anzusehen – dann würde ich vielleicht nicht mehr so früh die OFF-Taste der Fernbedienung drücken.
(Erschienen bei www.kinowelt.de)
Sonntag, 26. Dezember 2010
GANS ODER GAR NICHT
Dienstagnachmittag in einem Café am Klausener Platz. Ein Gast erzählt, was er Heiligabend vorhat: "Da bin ich wie jedes Jahr zwischen 13.30 und 14 Uhr bei Karstadt und warte auf die Lautsprecherdurchsage, dass ab sofort alle Weihnachtsgänse nur noch die Hälfte kosten."
Freitag, 24. Dezember 2010
Sonntag, 19. Dezember 2010
Terror-Clown
Man hat gerade sein Sakko frisch aus der Reinigung geholt und freut sich auf einen ruhigen und entspannten Kabarett-Abend. Da ist man aber bei Leo Bassis Programm „La Vendetta“ (Die Blutrache) schwer auf dem Holzweg.
Der Maniac Bassi verwandelt die Bühne im zum Trümmerfeld, schlägt Golfbälle und Eier in den Zuschauerraum und kommt bedrohlich, mit einer Schere bewaffnet, ins Publikum. Dann bohrt der Mittfünfziger Löcher in unzählige, unter Druck stehende, Cola-Dosen, so dass auf den vorderen Plätzen einige Zuschauer mit weißen Hosen panisch flüchteten. Darauf Leo Bassi lakonisch: „Das ist hier keine Blue-Man-Show!“
So was hat man noch nicht gesehen, der Mann ist ein Wahnsinniger! Mit unglaublicher Radikalität und vollem Körpereinsatz geht er radikal gegen kapitalistische Verblödung vor und arbeitet dabei geschickt mit allen Techniken der Irritation. Es bleibt einem das Lachen im Halse stecken und man ist froh, wenn er wieder auf die Bühne geht und das Sakko sauber geblieben ist.
Das alles untermalt Bassi zwischendurch mit rührend komisch vorgetragenen kleinen Geschichten. Etwa wenn er pathetisch mit seiner angenehmen Reibeisenstimme Erlebnisse in einem kenianischen Luxushotel mit Golfplatz für die weißen Imperialistenschweine erzählt. Oder sein kurioser Aufenthalt in einem usbekischen Haus eines angesehenen Taliban-Führers.
Leo Bassi sensibilisiert die Zuschauer. Sein Spiel mit der Angst berührt Tabus und stellt manches bloß. Er gibt alles und schont niemanden, am wenigstens sich selbst. Wenn er sich nämlich am Ende seiner Show nackt auszieht, mit 5 Kilo Honig überschüttet, sich in einer Turbine federn lässt und danach triefend, wie eine Mischung aus Engel und Zombie, durch den Zuschauerraum wankt. Vorsicht – diese Show ist nichts für schwache Nerven!
Nachdenklich und voller Adrenalin (ungefähr der gesamte Jahresverbrauch) verlässt man seine unvergessliche Show – ach ja, und erleichtert. Denn das frisch gereinigte Sakko ist auch noch sauber geblieben.
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Du bist was Du isst
Dienstagmittag bei Rogacki in der Wilmersdorfer Straße am Stehimbiss. Ein altes Ehepaar isst Bratfisch. Die Frau deutet mit der Gabel auf ein junges Paar, das am Feinschmeckerimbiss gegenüber Austern schlürft: "Kiek ma Orje, Kapitalisten!"
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